Rotary und Nationalsozialismus
Gedenkbuch für diskriminierte Rotarier des Nazi-Regimes
"Indem wir die Namen der vergessenen, diskriminierten, ausgeschlossenen, vertriebenen und ermordeten Rotarier aufschreiben und ihre Schicksale rekonstruieren, geben wir ihnen ein Stück ihrer Menschenwürde zurück, die ihnen in der dunklen Zeit eines menschenverachtenden Regimes genommen wurde."
Rotary unter dem Nationalsozialismus, S. 84
Die Arbeit geht weiter. Einzelheiten über das Schicksal der Diskriminierten werden kontinuierlich nachgetragen, ebenso Fotos, und es wird eine redaktionelle Vereinheitlichung aller Biographien geben. Bitte unterstützen Sie uns mit Hinweisen auf Fehler und mit weiteren Informationen!
"By writing down the names of the forgotten, excluded, expelled, prosecuted or murdered Rotarians and reconstructing their fate, we return to them human dignity robbed in the dark days of a contemptuous regime."
Rotary under Nazi Rule, p. 84
This is work in progress: Feedback, corrections and additions are welcome. We continue to research for biographical information, add photographs, and edit biographies.


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Dr. h.c. Konrad Adenauer

Club-Mitgliedschaft(en): Köln 1928 1929 1930 1931 1932

geboren: 5.1.1876, Köln – gestorben: 19.4.1967 Rhöndorf

Beruf: Oberbürgermeister Stadt Köln

Klassifikation: Stadtverwaltungsdienst

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Konrad Adenauer  (1876-1967), a member of the Cologne  Club since 1928, Nazi opponent, was thrown out of office as Lord Mayor of Cologne when the Nazis took over in 1933. Having lost his classification, he had to leave the club. He hid in a monastery, was arrested by the Gestapo and imprisoned, but managed to survive. 

After the end of the Nazi regime, as early as June 1945, a few weeks after his re-appointment as Lord Mayor, he asked RI to recharter the Cologne club. When his club was finally re-established  in 1950, he had meanwhile become Chancellor of the  Federal Republic of Germany and lacked time for membership. 

Konrad Adenauer worked to restore the West German economy from the destruction of World War II to a central position in Europe, presiding over the "German Economic Miracle" . He was a driving force behind West Germany becoming the first German state to re-establish a national military  in 1955. He came to terms with France, which made possible the economic unification of Western Europe. Adenauer opposed rival East Germany and made his nation a member of NATO and a firm ally of the United States. Adenauer, who was Chancellor until age 87, was "the oldest statesman ever to function in elected office". (Roy Jenkins)  He remains the oldest head of government for a major country. (Wikipedia)

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1931 kam es zur ersten größeren Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten, als diese in einer nächtlichen Aktion die Rheinbrücken mit Hakenkreuzfahnen beflaggten. Adenauer ließ – nach seiner späteren eigenen Darstellung – die Fahnen mit Verweis darauf, dass die Brücken öffentliche Bauwerke seien, unverzüglich wieder entfernen. Durch seine Standhaftigkeit in dieser nur scheinbaren Bagatelle geriet Adenauer in das Visier der SA, die sogar öffentlich Geld für die Kugel Adenauers sammeln ließ.

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde Adenauer auf der Grundlage des  Gesetzes mit dem irreführenden Titel „Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 entlassen. Der Verlust der Amtsstellung führt nach der Verfassung der Rotary Clubs zum Verlust der Klassifikation und damit – sofern keine Aufnahme als Altmitglied erfolgt, was nur bei mindestens 5-jährigem Bestehen der Mitgliedschaft möglich ist - zum Ausscheiden aus dem Club. (Joachim Arntz)

In den Jahren nach 1934 wechselte er häufig seinen Aufenthaltsort und versteckte sich zeitweise, im Januar 1935 u. a. für kurze Zeit auch in der Abtei Herstelle. So lebte er bis 1945 als Pensionär. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler wurde Adenauer im Rahmen der Aktion Gitter am 23. August verhaftet und nach einer Zwischenstation bei der Bonner Gestapo ins Messelager Köln gebracht. Adenauer erreichte mittels einer ärztlich bescheinigten „perniziösen Anämie“ eine Überweisung ins Krankenhaus Köln-Hohenlind, von wo er floh. Er wurde später wieder gefasst, am 26. November 1944 aber aus dem Gefängnis Brauweiler vorzeitig entlassen. (Wikipedia)

Adenauer schlug schon im Juni 1945, wenige Wochen nach seiner Einsetzung als Oberbürgermeister, Rotary International in Chicago vor, den Kölner Klub neu zu gründen; freilich hatte er, Bundeskanzler seit 1949, als der Kölner Club 1950 wieder entstand, nicht die Zeit für eine Mitgliedschaft. (Hermann Schäfer)
Dr. jur. Konsul Heinrich Arnhold

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

geboren: 22. Juli 1885 in Dresden – gestorben: 10. Oktober 1935 in Dresden

Beruf: Bankier, Bankhaus Gebr. Arnhold

Klassifikation: Privatbank

rotarische Ämter: keine

Biographisches: jüdisch
Heinrich Arnhold ist der Sohn Georg Arnhold, der gemeinsam mit Max Arnold das Bankhaus Gebrüder Arnhold zur größten Privatbank in Sachsen aufgebaute. Er erlernte in seiner Jugend Esperanto. Im Jahre 1908 organisierte er den 4. Esperanto-Weltkongresses in Dresden. <p">Heinrich Arnhold studierte Rechtswissenschaften und wurde 1908 an der Universität Leipzig zum Dr. jur. promoviert.1910 trat er als Teilhaber in das Bankhaus ein, das er mit seinen Brüdern Hans, Adolf und Kurt bis zur Arisierung führte. Aus seiner Ehe mit Lisa Mattersdorff gingen fünf Kinder hervor.

Das Haus der Familie in der Dresdner Tiergartenstraße war ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt. Er galt als bedeutender Mäzen Dresdens. Insbesondere seine Ehefrau Lisa baute dort eine Sammlung moderner Kunst auf.Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten Bankhaus erfolgte eine Verdrängung der Gebrüder Arnold aus dem Geschäft, die schließlich mit der Arisierung durch die Dresdner Bank in den Jahren 1935-1938 vollendet wurde.

Durch die Repressalien erlitt Heinrich Arnold 1934 und 1935 Schlaganfälle. An letzterem starb Heinrich Arnold. Daraufhin wanderte seine Witwe über die Schweiz nach Brasilien aus und bemühte sich erfolgreich um Einreisevisum für die USA. Das Bankhaus unterhielt dort eine Filiale. Sein Bruder Hans konnte 1939 nach Amerika emigrieren und baute dort ein neues Unternehmen unter dem Namen „Arnhold and S. Bleichroeder“ auf.

Quellen: 
Bankfirma Gebr. Arnold, Berlin. In: Frankfurter Zeitung, 23.8.1933.
Gebr. Arnold. In: Frankfurter Zeitung, 19.9.1933.
Hardy übernimmt Gebr. Arnold. In : Kölner Zeitung , 20.2.1938.
Bild liegt vor - Quelle Wikipedia - gemeinfrei
Stradtrat a. D. Johannes Arras

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

geboren: 17. 2. 1879 in Dresden – gestorben: 8. Oktober 1960

Beruf: Direktor Kraftverkehr Freistaat Sachsen A.-0.

Klassifikation: Kraftverkehr

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Johannes Arras (17.02.1879 in Dresden – 8. Oktober 1960)
Jurist, Stadtrat und bedeutender Kraftverkehrsexperte. Gründungsmitglied des RC Dresden.

Johannes Arras studierte in Heidelberg, Berlin und Leipzig Jura. Anschließend tratt er als Rechtsassessor in die Dresdner Stadtverwaltung ein. 1912 wurde er im obersten Rat der Stadt aufgenommen und bekleidete fortan wichtige Verwaltungsämter. Vom Kriegsdienst im 1. Weltkrieg war Johannes Arras freigestellt. In den zwanziger Jahren wurde Johannes Arras mit dem Aufbau des sächsischen Kraftverkehrs betraut.

Johannes Arras wurde 1933 wegen seiner liberalen Gesinnung nicht mehr in den neu gebildeten RC Dresden eingeladen. Trotz vieler Anfeindungen durch die Nationalsozialisten verblieb Johannes Arras im Amt und war nach dem 2. Weltkrieg bis zu seiner Pensionierung 1947 für den Kraftverkehr tätig.

1948 verließ er mit seiner Frau Dresden und ließ sich in Stuttgart nieder, wo er bis zu seinem Tode für den württembergischen Kraftverkehr tätig war.

Quelle: Johannes-Arras-Stiftung. Über Stefan Arras, Betzgerstraße 50, 73733 Esslingen a.N.
Bruno Asch

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt 1927, 1928, 1929, 1930, 1931

Beruf: Stadtkämmerer

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
Bruno Asch was Head of Economic Affairs in Höchst, from 1925 to 1932 City Treasurer in Frankfurt, then City Treasurer in Berlin. In 1933 he fled Germany as a Jew and socialist. He committed suicide on 16 May 1940. The photo shows an extract from a memorial plaque at the 'Bolongaropalast' in Höchst. (Joods Monument)

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Bruno Asch war Wirtschaftsdezernent in Höchst, 1925-1932 Stadtkämmerer in Frankfurt, danach Stadtkämmerer in Berlin. 1933 floh er aus Deutschland als Jude und Sozialist. Er verübte Suizid am 16. Mai 1940.  Das Foto zeigt einen Ausschnitt aus einer Denkplakette am 'Bolongaropalast' in Höchst. (Joods Monument)
Prof. Dr. jur. et. Dr. oec. publ. habil. Gustav Aubin

Club-Mitgliedschaft(en): Halle (Saale) 1930 1931 1932 1933 1934 1935

Eintritt: 1930-07-31

Austritt: 1935-03-21

geboren: 1881 – gestorben: 1938

Beruf: Ordinarius und Geschäftsführender Direktor der Seminars für Staatswissenschaften an der Universität Halle, Rektor von 1930 bis 1932

Klassifikation: Education – University, Political Economy

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Präsident 1930-1932

Biographisches:

Gustav Aubin (1881-1938) war Gründungsmitglied des Rotary Clubs Halle. Er gehörte dem Club bis 1935 an und war von 1930 bis 1932 dessen Präsident. Von ihm sind 9 Clubvorträge verzeichnet.

Aubin hatte Rechtswissenschaften, Nationalökononomie und Geschichte in Berlin, Leipzig, Freiburg und München studiert. Nach der Promotion in Rechtswissenschaften habilitierte er sich im Fach Nationaökonomie (später: Staatswissenschaften) in Erlangen und Halle. 1917 wurde er ordentlicher Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Halle. Hier war er geschäftsführender Direktor des Seminars für Staatswissenschaften. Von 1930 bis 1932 leitete er als Rektor die Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg.

Im Konflikt um die Berufung des evangelischen Theologen Günther Carl Dehm nach Halle wurde Aubin zum Hauptziel der Angriffe des Nationalsozialistischen Studentenbunds. In deren Folge trat er 1933 vom Amt des Rektors zurück und wurde aus politischen Gründen für das Jahr beurlaubt. 1934 wurde er im Austausch gegen Waldemar Mitscherlich an die Fakultät für Staatswissenschaften der Universität Göttingen versetzt. Hier übernahm er die ordentliche Professur für wirtschaftliche Staatswissenschaftten. Gleichzeitig fungierte er als Direktor des Staatswissenschaftlichen Seminars sowie der Sammelstelle für Volkswirtschaftskunde. Im September 1938 starb er überraschend.

Quellen: Speler, 2015, S. 103; Wikipedia)

Königl. Rumänischer Konsul Hermann Aumer

Club-Mitgliedschaft(en): München 1930, 1931, 1932, 1934, 1935, 1936

geboren: 27.11.1889

Beruf: Direktor Diamalt AG,

Klassifikation: Nährmittel

rotarische Ämter: Präsident 1960, 1. Vizepräsident 1936

Biographisches:

Hermann Aumer (1889-1974) war Mitglied im Rotary Club München von 1930 bis 1936.

1936 war er desssen 1. Vizepräsident und 1960 Club-Präsident.

Zunächst Direktor bei der Donauländischen Kreditbank, wurde Aumer später Direktor der Münchner Diamalt AG, die auf Herstellung von flüssigem Backmalz-Extrakt spezialisiert war. Seine Karriere scheint maßgeblich vom Gründer des Münchner Drei-Masken-Verlags, dem Rotarier Felix Sobotka, gefördert worden zu sein. Hier erschienen unter anderem Werke Lion Feuchtwangers Oskar Maria Grafs.

Aumer war kein Jude. Er war Mitglied im NS-Kraftfahrkorps (NSKK) sowie der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und 1940 Beitrittskandidat für die NSDAP. 1942 wurde er zum königlich rumänischen Vizekonsul ernannt (Munzinger Archiv).

Dennoch war sein Verhältnis zum NS-Regime von Konflikten geprägt: Das Kampfblatt „Der Stürmer“ polemisierte: „Der Direktor der Firma Diamalt, Herr Herrmann Aumer, kauft die Kleider für seine Frau im Judengeschäft. Herr Aumer verfügt über ein riesiges Einkommen. Dennoch fand er sich erst vor kurzem bereit, nach langem Drängen der NSV monatlich 2 Mark zu spenden.“ (Nr.40 September 1933):
Ein Angestellter denunzierte ihn, Aumer habe ihm noch nach dem 1. Mai 1933 verboten, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Der „Gefolgschaftsvorsitzende“ des Betriebs schrieb: „Herr Aumer war lange Zeit ein entschiedener Gegner der NSDAP und beweist auch heute noch durch die Tat, daß er nicht Nationalsozialist werden kann.“ So beschäftige er die Halbjüdin Dora Holz im Betrieb. Juden leistete er nachweislich Hilfe: so Paula Piccard (KZ Theresienstadt 1942-45: „Ich kenne ihn als großen Judenfreund“), Rotarier Emil Hirsch (New York), Dr. Josef Seidl-Schleyen und Moritz Pistiner.

Nach der Club-Auflösung nahm Aumer regelmäßig an den Treffen der ehemaligen Rotarier teil und stellte sich der Widerstandsgruppe von Minister a.D. Dr. Eduard Hamm zur Verfügung. Im Zusammenhang mit dem  Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am 1. September von der Gestapo verhört (Erdmann, S. 763).
Nach dem Krieg wurde Aumer Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer München.
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He was a former bank director of the Donauländische Kreditbank and owes his career to Rot. Felix Sobotka, who founded a publishing house that published Feuchtwanger's and Oskar Maria Graf's works. An employee testifies that even after May 1, 1933 he had forbidden him to hoist the swastika flag. The "Stürmer" denounced him: "The director of the Diamalt company, Mr. Herrmann Aumer, buys the clothes for his wife in the Jewish shop. Mr. Aumer has a huge income. Nevertheless, he only recently found himself willing to donate 2 Marks a month after long pressure from the NSV."

Though a Party candidate in 1940 and associated with various Nazi groups, he actually worked against them.  Chairman of the works council Spindler: "For a long time Mr. Aumer was a decisive opponent of the NSDAP and even today he proves by his deed that he cannot become a National Socialist". He employed "half-Jew" Dora Holz in the company. Jewish woman Paula Picard testifies (KZ Theresienstadt 1942-45) "I know him as a great friend of the Jews". Helped Jews, e.g. Piccard, Red. Emil Hirsch-New York, Dr. Josef Seidl-Schleyen, Moritz Pistiner.

Aumer regularly attended meetings of former Rotarians. Dr. E. Hamm unconditionally made himself available to the resistance group of the former minister. He had two discussions with E. Hamm (after 20.7.44 suicide in Moabit prison), Sperr (executed after 20.7.44), and Goerdeler (executed after 20.7.44). Interrogation by the Gestapo on 1 Sept. 1944. (Erdmann, Munich)

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Nicht Jude. Seit März 1940 NSDAP-Anwärter seit 1943, NSKK Scharführer, DAF 1933, NSV 1937. Er war früher Bankdirektor der Donauländischen Kreditbank und verdankt seine Karriere Rot. Felix Sobotka. Teilhaber des von Rot. Felix Sobotka gegründeten Drei-Masken-Verlages, in dem Werke Feuchtwangers Oskar Maria Grafs erschienen. Ein Mitarbeiter bezeugt, er habe ihm auch noch nach dem 1.5.1933 verboten, die Hakenkreuzflagge zu hissen. Der Stürmer denunzierte ihn (Nr.40 September 33): „Der Direktor der Firma Diamalt, Herr Herrmann Aumer, kauft die Kleider für seine Frau im Judengeschäft. Herr Aumer verfügt über ein riesiges Einkommen. Dennoch fand er sich erst vor kurzem bereit, nach langem Drängen der NSV monatlich 2 Mark zu spenden.“

Betriebsratsvorsitzender Spindler: „Herr Aumer war lange Zeit ein entschiedener Gegner des NSDAP und beweist auch heute noch durch die Tat, daß er nicht Nationalsozialist werden kann.“ Er beschäftigte die Halbjüdin Dora Holz im Betrieb. Jüdin Paula Picard bezeugt (KZ Theresienstadt 1942-45) „Ich kenne ihn als großen Judenfreund“. Leistete Hilfe für Juden: für Piccard, Rot. Emil Hirsch-New York, Dr. Josef Seidl-Schleyen, Moritz Pistiner.

Nahm an den Treffen der ehemaligen Rotarier regelmäßig teil. Stellte sich der Widerstandsgruppe von Minister a.D. Dr. E. Hamm bedingungslos zur Verfügung. Führte zwei Aussprachen mit E. Hamm (nach 20.7.44 Selbstmord im Moabiter Gefängnis), Sperr (nach 20.7.44 hingerichtet) und Goerdeler (nach 20.7.44 hingerichtet). Vernehmung durch die Gestapo am 1. Sept. 1944. (Erdmann, S. 763))

Dr. Eduard Baerwald

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932, 1933, 1934

Austritt: 17.5. 1934

geboren: 1875 – gestorben: 1934

Beruf: Rechtsanwalt und Notar

Klassifikation: Rechtsanwalt

rotarische Ämter: 2. Vizepräsident 1932/33

Biographisches: Jewish
Eduard Nathanael Baerwald ( 1875-1934) was a lawyer and notary public. Since 1896 he was active in the Jewish community in Frankfurt and around 1910 its deputy chairman. Once again he was a member of the board from 1932 to 1933. (Frankfurt 2019) Leaves the club for health reasons; he died seven weeks later of natural cause.

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Eduard Nathanael Baerwald ( 1875-1934) war Rechtsanwalt und Notar. Seit 1896 war er in der jüdischen Gemeinde in Frankfurt aktiv und um Jahr 1910 ihr stellvertretender Vorsitzender. Noch einmal gehörte er deren Vorstand 1932 bis 1933 an. (Frankfurt 2019) Clubaustritt aus Gesundheitsgründen; er starb sieben Wochen später eines natürlichen Todes.
Ludwig Ballin

Club-Mitgliedschaft(en): Pforzheim 1931, 1932

geboren: 12.5.1873 in Frankfurt – gestorben: 2.1.1958 in Rio de Janeiro

Beruf: Inhaber der Firma Ludwig Ballin

Klassifikation: Hochwertigste Juwelen, Fabrikation

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
had to sell his jewellery factory in 1938 to his authorized signatory ("Zwangsverkauf") as part of the Aryanization process

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Ludwig Ballin kommt 1899 nach Pforzheim und gründet die Juwelenfabrik BALLIN (Punze ) 
 [mit Bruder Carl (geb. 1878), der aber nach wenigen Jahren aus der Firma ausscheidet, dann in Stuttgart  ein Juweliergeschäft eröffnet, aber weiter in PF wohnt  und 1939 mit Familie nach  Argentinien flieht.

Ludwig Ballin "verkauft“ im Oktober ’38 die Firma an den Prokuristen   „ohne Außenstände“ (GLA-KA 327, #82) im Zuge der Arisierung; neue Firm ierung ab 1941: Bäßler & Co. 

Er flieht im Mai 1939 nach Brasilien (mit Frau und 2 v. 3 Töchtern),  wo er in Rio bis zu seinem Tod am 2.1. 1958 eine Reinigungsfirma betreibt. 
Quellen: Ralf Banken: Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Berlin (Akademiverlag) 2009, S. 282), Fuhrmann, Pforzheim
Conrad Bareiß

Club-Mitgliedschaft(en): Stuttgart 1928 1929 1930 1931 1932 1934 1935 1936 1937,

geboren: 1888 – gestorben: 1958

Beruf: Inhaber von Schachenmayr, Mann & Cie; Vors. Aufsichtsrat Kammgarnspinnerei Bietigheim

Klassifikation: Kammgarnspinnerei

rotarische Ämter: Clubmeister 1929

Biographisches:
Conrad Bareiß was an American citizen from birth. Managing director of the Salach worsted spinning mill "Sachenmayr". In 1931 he moved his main residence to Zurich. He was a declared opponent of the National Socialists and used his contacts as a refugee helper for many Jewish families.

He was a founding member of RC Stuttgart and visited his club, to which he remained faithful, from time to time until its dissolution in 1937. He regularly visited the USA. He greeted his club friends on the crossing in 1935 with a greeting card, which together with the captain of the ship shows him at the Rotarian Table of the steamer.

Until the United States entered World War II, his high social reputation in Salach on the one hand and his residence in Switzerland combined with American citizenship on the other allowed him to help Jewish emigrants and act as an intermediary for the Bosch Resistance Circle.

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Hatte von Geburt an die amerikanische Staatsbürgerschaft. Geschäftsführer der Salacher Kammgarnspinnerei „Sachenmayr“. 1931 verlegte er seinen Hauptwohnsitz nach Zürich. Er war erklärter Gegner der Nationalsozialisten und nutzte seine Kontakte als Fluchthelfer für viele jüdische Familien.

Von Geburt amerikanischer Staatsbürger, gehörte Conrad Bareiß zu den Gründungsmitgliedern des RC Stuttgart. Als vorbildlich galten seine  sozialen Aktivitäten. Seinen rotarischen Freunden vermittelte er USA-Erfahrungen, auch in der Zeit des Dritten Reiches. Obwohl er 1931 seinen Hauptwohnsitz nach Zürich verlegt hatte, besuchte er den Club auch im Dritten Reich bis zur Auflösung des Clubs. Er fungierte seit 1942 als Kontaktmann des Bosch-Widerstandskreises zur amerikanischen Botschaft in Zürich, zu dem sein Clubfreund Helmut Fellmeth, Vorstandsmitglied der Robert Bosch AG, gehörte. 1931 verlegte er seinen Hauptwohnsitz nach Zürich.

Er war erklärter Gegner der Nationalsozialisten und nutzte seine Kontakte als Fluchthelfer für viele jüdische Familien. (Quelle: Andreas Bednarek)


Erich Baumgart

Club-Mitgliedschaft(en): Erfurt 1932 1933 1934 1935 1936 1937

Eintritt: 1932-12-02

geboren: 2.1.1866 in Königsberg – gestorben: 2.1.1946 in Erfurt

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwaltschaft

rotarische Ämter: Klubmeister 1934 - 1936, Schriftführer 1936/37

Biographisches: Erich Emil Woldemar Baumgart. Geb. 2.1.1866 in Königsberg. 1924 erstmal im Erfurter
Adressbuch als „Direktor“ eingetragen, später als Rechtsanwalt geführt.  ? 2.1.1946 starb der Notar und Rechtsanwalt in Erfurt.   
Ernst Benary

Club-Mitgliedschaft(en): Erfurt 1932 1933 1934 1935 1936 1937

Eintritt: 1932-12-02

Beruf: Inhaber Fa. Ernst Benary, Großgärtnerei

Klassifikation: Landwirtschaft - Samenzucht

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Ernst Benary was the grandson of the highly respected founder of the horticultural dynasty, Ernst Benary, whose sons had converted to Christianity. Very respected in Erfurt. The anti-Semitic reservations gave way to this social status. With the Benarys, family ties were now gladly forged... this also explains the remarkable fact that city historian Johannes Biereye included grandfather Ernst Benary in his encyclopedia "Erfurt in His Famous Personalities" in 1937.

Even two years after the infamous Nuremberg Race Laws and the worst anti-Semitic propaganda of the National Socialists, the Jewish horticultural entrepreneur found the recognition he undoubtedly deserved. In 1938, his company received a NS managing director.

In 1946 his son Friedrich Ernst Benary left Erfurt and rebuilt the company in Hannoversch Münden. Benary Square in Erfurt is named after him. After the name had been removed during National Socialism and the GDR period, it was reintroduced after the fall of communism.

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Enkel des hoch angesehenen Firmengründers der Gartenbaudynastie Ernst Benary, dessen Söhne zum Christentum konvertiert waren. Sehr angesehen in Erfurt. Die antisemitischen Vorbehalte wichen angesichts dieses gesellschaftlichen Status. Mit den Benarys knüpfte man jetzt gern familiäre Bande... dies erklärt auch den bemerkenswerten Umstand, dass Stadthistoriker Johannes Biereye 1937 Großvater Ernst Benary in sein Lexikon „Erfurt in seinen berühmten Persönlichkeiten“ aufnahm.

Selbst zwei Jahre nach den berüchtigten Nürnberger Rassegesetzen und übelster antisemitischer Propaganda der Nationalsozialisten fand der jüdische Gartenbauunternehmer die Anerkennung, die ihm zweifellos zukam. Seine Firma erhielt 1938 einen NS-Geschäftsführer.

1946 verließ sein Sohn Friedrich Ernst Benary Erfurt und baute die Firma in Hannoversch Münden neu auf. Der Benary-Platz in Erfurt ist nach ihm benannt. Nachdem der Name während des Nationalsozialismus und der DDR-Zeit entfernt worden war, wurde er nach der Wende wieder eingeführt. (aus Wikipedia)
Dr. iur. Dr. med h.c. Karl Bender

Club-Mitgliedschaft(en): Freiburg i. B. 1932 1933, Karlsruhe/B. 1934, 1935 1936,

Eintritt: 1933-03-18

geboren: 21.12.188 Lahr – gestorben: 20.2.1970 in Karlsruhe

Beruf: Freiburg: Oberbürgermeister 1922

Klassifikation: Anwaltspraxis

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Karl Bender  studied law in Freiburg, Berlin and Heidelberg. Mayor of Bühl (Offenburg). 1919 Ministerial Councillor in the Stuttgart Ministry of the Interior. From 1922 to 9 April 1933 Lord Mayor of Freiburg im Breisgau. The administrative expert Bender reorganized the municipal administration, the municipal finances and gave substantial impulses to the development of the culture and infrastructure of the city. In 1931 he was re-elected Lord Mayor.

After a systematic agitation of the NSDAP district leader, Bender resigned his office on 9 April 1933. On 10 April 1933, the Minister of the Interior transferred the official duties to Franz Kerber until further notice. Bender later settled in Karlsruhe as a lawyer.

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Karl  Bender studierte in Freiburg, Berlin und Heidelberg Jura. Bürgermeister von Bühl (Offenburg). 1919 Ministerialrat im Stuttgarter Innenministerium. Von 1922 bis zum 9. April 1933 Oberbürgermeister von Freiburg im Breisgau. Der Verwaltungsfachmann Bender reorganisierte die städtische Verwaltung, die Kommunalfinanzen und gab zum Ausbau der Kultur und Infrastruktur der Stadt wesentliche Impulse. 1931 wurde er erneut zum Oberbürgermeister gewählt.

Nach einer systematischen Hetze des NSDAP-Kreisleiters gab Bender am 9. April 1933 sein Amt auf. Am 10. April 1933 wurden durch den Innenminister die Amtsgeschäfte bis auf weiteres auf Franz Kerber übertragen. Bender ließ sich später als Rechtsanwalt in Karlsruhe nieder.
Dr. phil. Friedrich Bergius

Club-Mitgliedschaft(en): Heidelberg 1931 1932

geboren: 11. Oktober 1884 in Breslau – gestorben: 30. März 1949 in Buenos Aires

Beruf: Generaldirektor Bergin AG

Klassifikation: Chemische Industrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Friedrich Carl Rudolf Bergius (* 11. Oktober 1884 in Goldschmieden bei Breslau, heute Teil des Breslauer Stadtbezirks Fabryczna; † 30. März 1949 in Buenos Aires) war ein deutscher Chemiker und Unternehmer. Bergius schuf die Grundlage für das Bergius-Pier-Verfahren zur Herstellung von Benzin und Dieselöl aus Kohle und Wasserstoff unter hohem Druck sowie ein verbessertes Verfahren zur Umwandlung von Holz in Zucker. Seine chemisch-industriellen Entwicklungsarbeiten waren dadurch erschwert, dass sie in einer Zeit der großen Katastrophen stattfanden: zwei Weltkriege, Hyperinflation und Bankenkrise. (Wikipedia 2020)

1931 erhielten Bergius und Carl Bosch den Nobelpreis für Chemie „für ihre Verdienste um die Entdeckung und Entwicklung der chemischen Hochdruckverfahren“. Bergius sagte bei der Preisverleihung, er habe sich „das Ziel gesetzt, Erkenntnisse zu suchen, die der Menschheit nutzen sollten“.

Bergius musste aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten seiner Unternehmungen sein gesamtes privates Vermögen einsetzen und schließlich auch sein Haus in Heidelberg verkaufen. Es half jedoch nichts, er war kurze Zeit später ein mittelloser Erfinder. Er zog nach Berlin. Dort wurde ihm ein privates Labor für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam er Aufträge zum Bau von Chemieanlagen in Spanien und 1947 in Argentinien. Bergius starb 1949 in  im Alter von 64 Jahren 

"Im März 1933 sind die Herren Otto Winter und [Wilhelm] Ludowici als Heidelberger Rotarier an den Vorstand des RC mit dem Ansinnen herangetreten, den Club situationsgemäß zu „reinigen“,  d.h. die jüdischen und auch die „demokratischen“ Mitglieder abzustoßen; zu den letzteren wurden die Herren Bergius, R.K.Goldschmit und meine Wenigkeit [Hellpach] gerechnet.

Der Vorstand beschloss daraufhin die Selbstauflösung. "Es überwog von Anfang an die Auffassung, dass dann der Club lieber seine Selbstauflösung vollziehen müsse, als dass er sich dazu hergebe, Mitglieder aus politischen Gründen auszustoßen."

Quelle: Bettermann, 2014 
Kommerzienrat Otto Bernheimer

Club-Mitgliedschaft(en): München 1929, 1930, 1931, 1932

geboren: 14.7.1877 – gestorben: 5.7.1960

Beruf: Antiquitätenhändler

Klassifikation: Kunstsammler

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Otto Bernheimer, born 1877 in Munich, traveled to many European countries in search of fine art. Bernheimer’s customers were European aristocrats, financiers, diplomats, and artists. They included the Krupp family and William Randolph Hearst.

After the death of his father in 1918 Otto took over the company in its second generation, due to the difficult economic situation the business was suffering. After the Machtergreifung 1933, the business volume increased because of the demand for prestige items. In the Kristallnacht in 1938, the shop windows were smashed and Otto Bernheimer was imprisoned in the Dachau concentration camp. Through the intervention of the Mexican government - Bernheimer was Honorary Consul of Mexico - he and his sons were released.  Otto Bernheimer was forced to purchase a rundown coffee plantation in Venezuela from a relative of Hermann Göring.The Aryanization of "Art Dealer Otto Bernheimer" led to the confiscation of all property including a collection of German and French paintings from the 19th century. In August 1945 Otto Bernheimer returned to Munich, rebuilt the war-damaged commercial building and his company again and fought for the restitution of the family property. In 1948, he was able to resume business with a focus on the fabric and furnishings department again. Through his initiative the "Deutsche Kunst und Antiquitätenmesse" was founded in Munich in 1956 at the beginning of the economic miracle years. Bernheimer was elected president of the German art trade association. (from en.wikipedia.org)

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Sohn des 1884 zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannten Lehmann Bernheimer. Kunstsammler. 1918 Übernahme die väterlichen Firma. In der Reichspogromnacht 1938 wurden die Schaufenster eingeschlagen und Otto Bernheimer im KZ Dachau inhaftiert. Durch Intervention der mexikanischen Regierung, Bernheimer war Honorarkonsul Mexikos, kamen er und seine Söhne jedoch frei. Emigration. Im August 1945 Rückkehr nach München zurück, baute das kriegsbeschädigte Geschäftshaus und seine Firma erneut auf.
Erich Bernstein

Club-Mitgliedschaft(en): Chemnitz 1929 1930 1931 1932

Eintritt: 1929-11-19

Beruf: Vorstandsmitglied der Firma Marschei, Frank, Sachs, A.-0.,

Klassifikation: Vigognespinnerei

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish


Ing. Ernst Besag

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Austritt: August 1936

Beruf: Beratender Ingenieur

Klassifikation: Beratender Elektroingenieur

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
In the club he had been a very active member, who gave many lectures, and resisted the exclusion bitterly. His daughter was convinced that he was blinded by his Nazi harassment and had been forced to leave the club in 1936 (as the last Jew) and had fled to England. With these events, he lost his cheerful nature up to a deep depression.

The weekly report on 17.4.1950 reports about him: "...It was a very special pleasure to have our old friend Besag, co-founder of our old R.C. as our guest; President Hedinger greeted him and his accompanying son with particularly warm words."

His daughter Hilde survived, after terrible deportation to the camp Gursk in France and escape. She returned to Baden-Baden and worked as a Protestant predicant in the ST. Markus parish in Baden-Baden. The other daughter was captured during the escape from Gursk and was gassed in Auschwitz.

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Im Club war er ein sehr aktives Mitglied gewesen, das viele Vorträge hielt, und sich gegen den Ausschluss erbittert wehrte. Nach Überzeugung seiner Tochter war er infolge seiner NS-Schikanen erblindet und war 1936 zum Ausscheidenden gezwungen worden (als letzter Jude) und war nach England geflohen. Mit diesem Geschehen, hat er seine Frohnatur bis hin zu einer tiefen Depression einbüßt.

Über ihn berichtet der Wochenbericht am 17.4.1950: „...Eine ganz besondere Freude war es, unseren alten Freund Besag, Mitbegründer unseres alten R.C. als Gast bei uns zu haben; Präs. Hedinger begrüßte ihn und seinen ihn begleitenden Sohn mit besonders herzlichen Worten.“

Seine Tochter Hilde überlebte, nach schrecklicher Verschleppung ins Lager Gursk in Frankreich und Flucht. Sie kehrte nach Baden-Baden zurück und arbeitete als ev. Prädikantin in der ST. Markus Gemeinde in Baden-Baden. Die andere Tochter wurde bei der Flucht aus Gursk gefasst und wurde in Auschwitz vergast.

Quelle (sehr ausführlich): Hans Werner von Wedemeyer, Jüdische Rotarier, Einzelschicksale 4, 2013

Verlagsdirektor Dr. Anton Betz

Club-Mitgliedschaft(en): München 1931, 1932

geboren: 23.2.1893 – gestorben: 11.12.1984

Beruf: Direktor Knorr & Hirth GmbH, Münchner Neueste Nachrichten

Klassifikation: Presse

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
1925 Board member and publishing director of Vereinigte Druckereien, Kunst- und Verlagsanstalten AG Dillingen-München. 1926 Managing Director and publishing director of Knorr & Hirth Publishing House.

He was arrested in March 1933. His newspaper had turned sharply against the National Socialists in 1932. He was tortured at concentration camp Dachau. He lost his office and therefore lost his Rotary membership. The club minutes take no notice of the events, and he earned his living as an advertising salesman for the unemployed. In 1937 he moved with his family to Essen and one year later to Düsseldorf-Derendorf. From 1939 military service.

In July 1945, he became Editor of the Neue Rheinische Zeitung in Düsseldorf, published by the British. From 1963 to 1967 he was president of the Federal Association of German Newspaper Publishers.

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Ab 1916 Studium 1916, 1924 Promotion in Bonn. 1925 Vorstand und Verlagsdirektor zur „Vereinigten Druckereien, Kunst- und Verlagsanstalten AG Dillingen-München“ 1926 Geschäftsführer und Verlagsdirektor Knorr & Hirth-Verlag.

Er wurde im März 1933 verhaftet. Seine Zeitung hatte sich 1932 scharf gegen die Nationalsozialisten gewandt. Er wurde verhaftet und im KZ Dachau schwer gefoltert.

Er verlor sein Amt und verlor deshalb seine Rotary-Mitgliesdchaft. Von den Vorgängen wird in den Clubprotokollen keinerlei Noitiz genommen.Arbeitslos verdiente er sich als Anzeigenverkäufer. Er zog 1937 mit seiner Familie nach Essen und ein Jahr später nach Düsseldorf-Derendorf. Ab 1939 Kriegsdienst.

Im Juli 1945 Verlagsredaktion der von den Briten herausgegebenen Neuen Rheinischen Zeitung in Düssseldorf. Von 1963 bis 1967 Präsident des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger.
Prof. Dr. Alfred Bielschowsky

Club-Mitgliedschaft(en): Breslau 1932 1934 1935

Eintritt: 1931-11-02

Austritt: ausgeschlossen 1. Juli 1936

geboren: 11. Dezember 1871 – gestorben: 5. April 1940

Beruf: Direktor Univ.-Augenklinik

Klassifikation: Augenheilkunde

rotarische Ämter: keine

Biographisches:

Jewish

Alfred Bielschowsky (December 11, 1871 – April 5, 1940) was a German ophthalmologist. His specialty was physiology and pathology of the eye, particularly in regards to research of eye movement, space perception and diagnosis of oculomotor anomalies.

Bielschowsky was born in Namslau (Namyslów), Prussian Silesia. After attending the Königliches Katholisches Gymnasium of Glatz (Klodzko), he studied medicine at the University of Breslau (Wroclaw) and at the University of Heidelberg. At Heidelberg he was a student of ophthalmologist Theodor Leber (1840-1917). Afterwards he studied medicine at the University of Berlin, attending the lectures of Karl Ernst Theodor Schweigger (1830-1905) and graduating in 1893. He received his medical license in Leipzig on March 1 of the same year.

Bielschowsky subsequently studied and worked in the eye clinic at the University of Leipzig, receiving his habilitation in 1900 and becoming head physician of the clinic in 1906. While at Leipzig he worked under physiologist Ewald Hering (1834-1918), and with Franz Bruno Hofmann (1869-1926), he conducted studies of fusion and cyclodeviation in superior oblique muscle paresis. In 1912 Bielschowsky attained the chair of ophthalmology at the University of Marburg.

During World War I, Bielschowsky established a hospital ward and Braille instruction for treatment of blinded soldiers. In 1916, along with Carl Strehl (1886-1971), he founded the Verein blinder Akademiker Deutschlands(Association of Blinded Academics of Germany). For his war-time contributions, he was awarded the Iron Cross for War Aid from Paul von Hindenburg and honored with the title of Geheimer Medizinalrat (Privy Medical Counselor) by Wilhelm II, German Emperor.

In 1923 Bielschowsky was appointed chair of ophthalmology at the University of Breslau. While here, he published "Die Lähmungen der Augenmuskeln" (1932), an influential work on eye muscle disturbances.

Because of his Jewish heritage and Nazi persecution, Bielschowsky was fired from his position in 1934, later emigrating to the United States (1936). In 1937 he became head of the Dartmouth Eye Institute at Dartmouth Collegein Hanover, New Hampshire.[1] However, he died suddenly in 1940. During the same year his "Lectures on motor anomalies" was published. (from Wikipedia)

Alfred Bielschowsky was expelled on 1 July 1936 with two other Jewish friends. In solidarity with them, eight other club members resigned from the Rotary Club of Breslau. He emigrated to the USA (Hanover, New Hampshire).

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Alfred Bielschowsky wurde am 1. Juli 1936 mit zwei weiteren jüdischen Freunden ausgeschlossen. Mit ihnen traten aus Solidarität acht weitere Clubmitglieder aus dem Rotary Klub Breslau aus. Er emigrierte nach USA (Hanover, New Hampshire).

Biermann

Club-Mitgliedschaft(en): Offenburg 1937

Beruf: Fabrikant (Zigarren)

rotarische Ämter: keine

Prof. Arthur Blaustein

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

Eintritt: Gründungsmitglied des RC Mannheim

Austritt: Spätsommer 1933 nach

geboren: 4. September 1878 in Stolp – gestorben: 30. April 1942 in Baden-Baden

Beruf: Syndikus der Handelskammer und Professor der Handelshochschule

Klassifikation: Handelskammer

rotarische Ämter: Aufnahme- und Klassifikations-Comitee 1930

Biographisches: jewish.
Blaustein war seit 1904 Mitarbeiter, seit 1908 Syndikus der Handelskammer Mannheim, Geschäftsführer der 1917 gegründeten Vereinigung Südwestdeutscher Handelskammern und lehrte seit 1910/11 an der Handelshochschule Mannheim, seit 1923 als Honorarprofessor.

Kurz vor der Heirat mit seiner katholischen Frau Elisabeth, geb. Hitze de Waal (1907), war von der jüdischen zur evangelische Religion übergetreten, vermutlich wurde er später katholisch.

Er wurde auf eigenes Ersuchen nach Rücktritt des jüdischen Handelskammerpräsidenten Richard Lenel als Syndikus am 27.03.1933 beurlaubt, Anfang April wurde ihm auch die Tätigkeit an der Handelshochschule untersagt.

Das plötzliche Herausreißen aus dem Berufsleben - zu dem auch das Herausdrängen aus dem RC Mannheim im Spätsommer 1933 zählte - muss ersichtlich für einen existentiellen Bruch des engagierten Ehepaares geführt haben.  Im Juli 1934 verlegte die Familie ihren Wohnsitz nach Baden-Baden.

Seine Frau (die Seele derMannheimer Mütter- und Säuglingsfürsorge) verstarb - innerlich gebrochen - am 2. April 1942, er selbst wählte 28 Tage später den Freitod, um der Einlieferung ins KZ zu entgehen. Die Kinder versuchten, sich seit Kriegsausbruch bei Freunden in anderen Städten zu verstecken: Werner (1908-1946), überlebte die Verfolgung nur um wenige Monate, Marianne (geb. 1913) erlitt bei einem Luftangriff auf Köln 1943 schwere Wirbelsäulenverletzungen.

Quelle: Hermann Schäfer, Arthur Blaustein (1878-1942), in: Badische Biographien, NF, Stuttgart 1982, Bd. 1, S. 60-62 
Ulrich Nieß, Karen Strobel: Kommunale Eliten unter Druck . Das Beispiel des Rotary Clubs Mannheim bis 1937,  2019, S. 364.

 
Rudolf Bleistein

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932,

Eintritt: vor 1930

Austritt: 1.12. 1933

Beruf: Inhaber einer Spitzengroßhandlung

Klassifikation: Spitzengroßhandel

rotarische Ämter: Sekretär 1930 - 1933

Biographisches: Jewish
Rudolf Bleistein was the first secretary of RC Frankfurt am Main for many years. He was the owner of the top wholesaler Siegmund Strauß jr. at Schaumainkai 39, where he also lived himself. In addition to these eight Jewish Rotarians who retired in 1933, four Rotarians who were politically unpopular with the new system left the club in the same year. (Frankfurt 2019)

familysearch.org mentions a Rudolf Bleistein, born ("estimated") 1881, who immigrated to New York in 1937.

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Rudolf Bleistein war langjähriger erster Sekretär des RC Frankfurt am Main. Er war Inhaber der Spitzengroßhandlung Siegmund Strauß jr. am Schaumainkai 39, wo er auch selbst wohnte. Neben diesen im Jahr 1933 ausgeschiedenen acht jüdischen Rotariern verließen im gleichen Jahr vier Rotarier den Club, die dem neuen System politisch missliebig waren. (Frankfurt 2019)

familysearch.org nennt unter ca. 3000 Nachweisen  einen Rudolf Bleistein, geb. ("geschätzt") 1881, der 1937 in New York eingewandert ist.
Adolf Blumenthal

Club-Mitgliedschaft(en): Wiesbaden 1931, 1932

Eintritt: 1931-06-06

Austritt: 1933-04-07

geboren: 23.6.1887, Wiesbaden – gestorben: 16.06.1943, Sobibor

Beruf: Kaufmann, lnh. der Firma S. Blumen­thal & Co.

Klassifikation: Kaufhaus

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Adolf Blumenthal, owner of the department store S. Blumenthal & Co, left the Wiesbaden Club on April 7, 1933. Because of his Jewish faith, he did not want to get his club into any difficulties. In 1935 he emigrated with his family to the Netherlands. He was arrested on January 22, 1943, and deported via Westerbork to the Sobibor extermination camp on 13 June 1943, where he was murdered on 16 June 1943.

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Adolf Blumenthal, Inhaber des Kaufhauses S. Blumenthal & Co trat wegen seines jüdischen Glaubens bereits am 7. April 1933 aus dem Wiesbadener Club aus, um seinen rotarischen Freunden keine Schwierigkeiten zu machen. 1935 emigrierte er mit seiner Familie in die Niederlande. Er wurde am 22.Januar 1943 verhaftet und über Westerbork am 13. Juni 1943 ins Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo er am 16. Juni 1943 ermordet wurde.

Quelle: Joods Monument und Yadvashem,    https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de844756, Stadtarchiv Wiesbaden - Jüdische Bürger in Wiesbaden 1800-1945, Identnummer: 87


Prof. Walter Braunfels

Club-Mitgliedschaft(en): Köln 1929 1930 1931 1932

Eintritt: 24.02.1930

Austritt: 03.05.1933

geboren: 19.12.1882, Frankfurt – gestorben: 19. 03.1954, Köln

Beruf: Direktor d.Staatlichen Hochschule für Musik in Köln

Klassifikation: Komponist

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Braunfeld's father was a Jew. Braunfels,  composer and  Director of the Musikhochschule (State School of Music) in Colgne, was dismissed, for racial reasons, from all offices on May 2, 1933 by ministerial order on the basis of the "Law for the Restoration of the Occupational Civil Service" of April 7, 1933 . Since he received only a small pension, he had to sell his house in Cologne and lived during the Nazi Regime  at Lake Constance, where he was financially supported by two Swiss factory owners. A public musical activity is forbidden to him during the 3rd Reich.

During this period he was in contact with Konrad Adenauer, who had brought him to Cologne as director of the Musikhochschule. After the war, Adenauer, again Lord Mayor of, had Braunfels to return to his former position as director of the Musikhochschule

In February of 1948, Braunfels again became a member of the "resurrected" RC Köln.


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Braunfels war evangelisch, sein Vater war vom Judentum konvertiert.

Braunfels wurde am 02.05. 1933 per ministerieller Anweisung auf der Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 07. April 1933 aus rassischen Gründen aller Ämter enthoben. Der Verlust der Amtsstellung führte nach der Verfassung der Rotary Clubs zum Verlust der Klassifikation und damit – sofern keine Aufnahme als Altmitglied erfolgt, was nur bei mindestens fünfjährigem Bestehen der Mitgliedschaft möglich war – zum Ausscheiden aus dem Club. Da er nur eine geringe Pension erhielt, musste er sein Haus in Köln verkaufen und lebte während des Dritten Reiches später zurückgezogen am Bodensee, wo er von zwei Schweizer Fabrikanten finanziell unterstützt wurde. Eine öffentliche musikalische Tätigkeit ist ihm während des 3. Reiches untersagt.

Während dieses Zeitraums stand er in laufendem brieflichen Kontakt mit Konrad Adenauer, der ihn seinerzeit auch als Direktor der Musikhochschule nach Köln geholt hatte. Adenauer holte Braunfels auch nach dem Kriege während seiner Amtszeit als 1. Kölner Nachkriegsoberbürgermeister wieder als Direktor der Musikhochschule zurück. Braunfels ist am 27.2.1948 wieder Mitglied des "wiedererstandenen" RC Köln am Rhein geworden und im August 1950 "nach Bodensee" ausgetreten.
Prof. Dr. jur. James Breit

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

geboren: 28. Dezember 1872 in Leipzig – gestorben: 3.10.1936 in Konstanz

Beruf: Rechtsanwalt, Hochschulprofessor

Klassifikation: Anwalt am Oberlandesgericht

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
jüdisch
<p">James Breit war Rechtsanwalt und Notar in Dresden. Er arbeitete vor allem auf dem Gebiet des Handels- und Steuerrechts sowie des Geistigen Eigentums. An der Technischen Hochschule Dresden hatte James Breit eine Honorarprofessur für Handels- und Steuerrecht inne. 1933 wurde ihm wegen seiner jüdischen Herkunft die Lehrbefugnis entzogen, wenig später folgte auch die Enthebung von seinem Amt als Notar.

James Breit hat an bedeutenden Gerichtsverfahren mitgewirkt und seine zahlreichen Veröffentlichungen beeinflussen die Rechtsentwicklung bis in die heutige Zeit. Als Rechtsanwalt, Wissenschaftler und Förderer von Kunst und Kultur gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten im Dresden der zwanziger Jahre und war mit berühmten Zeitgenossen freundschaftlich verbunden

Quelle: https://www.djgev.de/05_archiv.htm  Bildquelle "Dr. Hubert Lang") 
Dr. ing. h.c. Heinrich Brenzinger

Club-Mitgliedschaft(en): Freiburg i. B. 1932 1933 1934 1935 1936, 1937

Austritt: 1960 durch Tod

geboren: 22.6.1879 in Freiburg – gestorben: 23.11.1960 in Freiburg

Beruf: Bauingenieur, -unternehmer

Klassifikation: Beton- u.d Eisenbetonbau

rotarische Ämter: Beisitzer 1935/36, 1936/37

Biographisches:
Brenzinger was married to a "half Jew" and was therefore expelled from his student fraternity, He was a supporting member of the SS, but resigned from the SS in November 1938.

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Brenzinger war mit einer "Halbjüdin" verheiratet und wurde deswegen aus seiner Studentenverbindung ausgeschlossen, anscheinend förderndes Mitglied der SS, Austritt aus der SS im November 1938
Fritz Busch

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

gestorben: Generalmusikdirektor Dresdner Staatsoper

Beruf: Oper

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
On 7 March 1933, before the start of a Rigoletto performance, famous conductor Busch was shouted down  by SA men and had to give up his position as General Music Director of the Semper Oper in Dresden.

Busch emigrated to England and founded the local festival in Glyndebourne. Further stations in exile were Buenos Aires, where he acquired Argentine citizenship in 1936, Stockholm, and from 1934 the Danish National Symphony Orchestra, founded in 1925, in Copenhagen, Edinburgh and Zurich.

In 1940 Busch and his wife fled to the Americas. They stayed mainly in Argentina, but in 1941 and 1942 Busch also conducted in New York. From 1945 to 1950 Busch was elected artistic director of the Metropolitan Opera New York. In the summer of 1950 he conducted the Glyndebourne Festival again.

In February 1951, Busch returned to Germany. 65 years after his expulsion from his post as Dresden General Music Director by the Nazis, Giuseppe Sinopoli symbolically apologized for this barbaric act on September 22, 1998.  (Wikipedia)


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Hitler, Goebbels und Göring wollten diesen berühmten Dirigenten in Berlin haben. Am 7. März 1933, vor Beginn einer Rigoletto-Vorstellung, wurde Busch von SA-Männern vom Pult gebrüllt und musste sein Amt als Generalmusikdirektor an der Semperoper aufgeben.

Busch emigrierte nach England und begründete in Glyndebourne zusammen mit Carl Ebert als Dramaturg die dortigen Festspiele, die sie bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs durchführten. Weitere Exilstationen waren Buenos Aires, wo er 1936 die argentinische Staatsangehörigkeit erwarb, Stockholm, ab 1934 beim 1925 gegründeten Dänischen Nationalen Symphonie Orchester in Kopenhagen, Edinburgh und Zürich.

1940 flüchteten Busch und seine Frau Grete aus Europa nach Amerika. Dort hielten sie sich vorwiegend in Argentinien auf, aber 1941 und 1942 dirigierte Busch auch in New York. Von 1945 bis 1950 wurde Busch zum künstlerischen Leiter der Metropolitan Opera New York auserwählt. Im Sommer 1950 dirigierte er zum ersten Mal wieder die Aufführungen des Glyndebourne-Festivals.

Im Februar 1951 kehrte Busch nach Deutschland zurück Erst 65 Jahre nach der Vertreibung aus seinem Amt als Dresdner Generalmusikdirektor durch die Nazis kam es am 22. September 1998 zur symbolischen Entschuldigung durch Giuseppe Sinopoli für diesen barbarischen Akt. (Wikipedia)
Geh. Rat Univ. Prof. Dr. Fritz Cahn-Garnier

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1931, 1932

geboren: 20. Juni 1889 in Mannheim – gestorben: 8. Juni 1949 in Mannheim

Beruf: Stadtsyndikus und Beigeordneter

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Dr. Fritz Cahn-Garnier (1889-1949) was something like a model Rotarian in the Mannheim Club. Like Hermann Heimerich, the Lord Mayor of Mannheim, he joined the RC Mannheim in 1930, the year it was founded. The polished jurist and economic expert shone with in-depth analyses of the problems resulting from the economic crisis, almost without missing a single meeting.

As early as March 1933, in order not to burden the Mannheim Club, he resigned from the Club because of his Jewish background. Released from the city administration, pushed into a corner for work and temporarily interned in Dachau, he could only survive the Nazi era by being helped by his marriage to his "Aryan" wife Wera and hiding with friends in the final months of the war. As a precaution, his parents had sent his son Werner to England in 1938.

These years full of burdens had considerable health consequences. When the Social Democrat was elected Mayor of Mannheim with a convincing majority in 1948 and he became involved with Rotary in the 'Club of Friends', he suffered a fatal heart attack after less than 16 months in office.

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Dr. Fritz Cahn-Garnier ((*20. Juni 1889 in Mannheim, + 8. Juni 1949 in Mannheim)

Fritz Cahn war Sohn des jüdischen Arztes Dr. Carl Cahn und legte als Jahrgangsbester am Gymnasium sein Abitur ab. Im selben Jahr verließ der junge Mann die jüdische Gemeinde und trat der evangelischen Kirche bei.

Nach dem einjährig-freiwilligen Militärdienst in der Mannheimer Garnison begann er sein Jurastudium das er 1913 in Freiburg mit „magna cum laude“ beendete. Im 1. Weltkrieg zog er als Leutnant an die Front nach Frankreich, wurde verwundet und mit Kriegsauszeichnungen dekoriert. Nach Internierung in der Schweiz kehrte Cahn 1919 zurück und legte im Herbst 1919 sein 2. Staatsexamen ab - wieder als einer der Besten. Als Hilfsstaatsanwalt in Lörrach lernte er Wera Garnier kennen, die Tochter eines Fabrikanten; nach der Heirat im Juni 1922 änderte das Ehepaar den Familiennamen in Cahn-Garnier.

Am 1. Februar 1922 hatte er bereits als Syndikus seinen Dienst bei der Stadt Mannheim angetreten. Neben seiner Tätigkeit bei der Stadtverwaltung widmete sich Cahn-Garnier weiterhin seinen wissenschaftlichen Interessen und trat mit zahlreichen Veröffentlichungen zu verwaltungs-, handels- und wirtschaftsrechtlichen Fragen hervor. Im März 1933 wurde Cahn-Garnier als einer der ersten Mannheimer Spitzenbeamten „beurlaubt“ und in „Schutzhaft“ genommen. Die Nationalsozialisten beabsichtigten zunächst, ihn wegen politischer Unzuverlässigkeit zu entlassen. Hiergegen konnte sich der Ex-Syndikus unter Verweis auf seine Kriegsteilnahme erfolgreich wehren - um dann aus rassischen Gründen doch in den vorzeitigen Ruhestand versetzt zu werden. Fortan betätigte er sich „mit schlechtem Erfolg“ - so schreibt er selbst 1946 - als Teilhaber einer Handelsfirma für Rohstoffe zur Bürstenfabrikation. Stets von weiterer Verfolgung durch das NS-Regime bedroht, schützte ihn lediglich die Ehe mit Wera Garnier. Nach dem Pogrom vom November 1938 wurde er wie andere „jüdische“ Männer für mehrere Wochen ins KZ Dachau verschleppt. Als er am Jahresanfang 1945 zur Gestapo einbestellt wurde und mit Deportation in ein Vernichtungslager rechnete, tauchte Fritz Cahn-Garnier unter und konnte sich bis Kriegsende bei Freunden in Heidelberg verstecken.

So rückte er bereits im April 1945 wieder in seine Stellung als Stadtsyndikus in Mannheim ein. Er gehörte zu den Gründern der SPD und wurde im September 1945 zum Landesdirektor für Finanzen nach Karlsruhe berufen. Ab 1946 gehörte er als Finanzminister der Regierung von Württemberg-Baden an und wurde 1947 zum Präsidenten der Landeszentralbank ernannt. Als einer der kenntnisreichsten und profiliertesten Finanzpolitiker seiner Partei war Cahn-Garnier überdies Mitglied im bizonalen Wirtschaftsrat in Frankfurt und wirkte in der Sonderstelle Geld und Kredit an der Vorbereitung der Währungsreform mit. Die Mannheimer SPD trug ihm 1948 die OB-Kandidatur an und er wurde als erster Oberbürgermeister nach dem Krieg direkt gewählt. Nicht einmal 16 Monate später erlag er einem Herzinfarkt - wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag.

Kurz nach Gründung des Clubs wurde Cahn-Garnier am 13. Okt. 1930 in diesen aufgenommen. Cahn-Garnier zeigte in den nächsten Jahren mit die beste Präsenz unter allen Mitgliedern, referierte gelegentlich, so etwa am 16. Juni 1931 über die Notverordnungen der Regierung von Reichskanzler Brüning. Er trat im Juni 1933 aus dem Club aus, war dann aber wieder beim Club der Freunde dabei. Sein früher Tod verhinderte sein Mitwirken im neuen Club.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim
Hans Charbonnier  

Club-Mitgliedschaft(en): Liegnitz 1932

Beruf: Oberbürgermeister

Klassifikation: Städt. Verwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Mayor of Legnica Hans Arno Charbonnier was born March 31, 1878. In Skandau. A descendant of Huguenot family, he studied law and political science at the University of Konigsberg. In 1898. He made the first, and in 1903 a large state law examination. Then he worked in the administration of the Prussian state railways. However, he decided to pursue a career in local government administration. As an assessor magistrate went to the then-independent city of Charlottenburg.

However, already on 6 February 1905. Legnica was elected by the councilors for the post of deputy mayor and treasurer, who took over on May 8. In his competence lay municipal financial management. Serving as chairman of the Legnica led the organization of the Society Garden Roses and Trade German Silesian Horticultural Exhibition in 1910. January 29, 1912 Arno Charbonnier almost unanimously by the councilors was elected to the position of mayor of Legnica. At the same time he was a member of the Prussian upper house. A year later, on August 28, he has been Mayor. In 1924. He was re-elected him mayor. The period of his reign coincided with the difficult time of World War I and the economic crisis in 1923.

December 31, 1934 on the order of Gauleiter of Silesia president and chief Helmut Brückner, Chrabonnier for "health reasons" retired. Unofficially it is known that his resignation was the result have shown to the public dislike for the Nazis. He died on January 5, 1944. After a serious illness in the ford near. Rudna (Brödelwitz).

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Hans Arno Charbonnier Bürgermeister von Legnica wurde 31. März geboren 1878. In Skandau.>Ein Nachkomme einer Hugenottenfamilie, studierte er Jura und Politikwissenschaft an der Universität Königsberg. Im Jahr 1898 machte er die erste und im Jahr 1903 die zweite juristische Staatsprüfung. Dann arbeitete er in der Verwaltung der Preußischen Staatseisenbahnen. Allerdings entschied er sich güt eine Karriere in der kommunalen Verwaltung. Als Beisitzender Richter ging er an die dann unabhängige Stadt Charlottenburg. Doch schon am 6. Februar 1905. wurde vom Rat der Stadt Leipzig für den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters und Schatzmeisters gewählt, den er am 8. Mai übernahm.In seiner Zuständigkeit lag das kommunale Finanzwesen. 

Am 29, Januar 1912 wurde Arno Charbonnier fast einstimmig zum Bürgermeister von Liegnitz gewählt. Zugleich war er Mitglied des Preußischen Oberhauses. Im Jahr 1924 wurde er wiedergewählt. In seine Amtszeit fiel der Erste Weltkriegs und die Wirtschaftskrise im Jahr 1923. Am 31. Dezember 1934 trat er auf Anordnung des Gauleiters von Schlesien Helmut Brückner aus „gesundheitlichen Gründen“ zurück. Es war bekannt, dass er öffentlich seine Abneigung gegen die Nazis gezeigt hatte. Charbonnier starb am 5. Januar 1944 nach einer schweren Krankheit in der Furt in der Nähe. Rudna (Brödelwitz).

Quelle: http://de.liegnitz.pl/index.php?OBJ/52 ,  H. Unverricht , Lebensläufe Legnica und Bewohner der Erde 1241-1945, Legnica 2008, W. Kalski,  Liegnitz bedeutet Legnica, Legnica 1997
Prof. Fritz Claus

Club-Mitgliedschaft(en): München 1929 Saarbrücken 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

geboren: 29.6.1885

Beruf: Bildhauer

Klassifikation: Bildhauerei

rotarische Ämter: Gründungsmitglied. Saarbücken 1930

Biographisches:
Fritz Claus was from 1927 on Prof. of Creative Arts at the Kunsthochschule in Munich. Member of the Munich New Secession (board member since 1920). Member of the Society for Christian Art since 1920. 1929 or professor in Saarbrücken. 1935 exhibition at the Royal Academy London, 1937 at the Renaissance-Galery London, 1937 invitation to the international artists' congress.

He joined the NSDAP in 1935 because of "self-protection", fearing the Nazi inheritance law, he had been denounced. Hostile since 1933, removal of his works from catalogues. Dismissed in 1933 as professor, since 1936 removed from all offices. 10 years of creative work prohibited. According to the concentration camp supervising office, he is regarded as politically persecuted. After 1945, permanent residence in Seeon, Chiemgau.

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Ab 1927 Prof. der Bildenden Künste an der Kunsthochschule in München. Mitglied der Münchner Neuen Sezession (deren Vorstandsmitglied seit 1920). Mitglied der Gesellschaft für christliche Kunst seit 1920. 1929 o. Professor in Saarbrücken. 1935 Ausstellung in der Royal-Akademie London, 1937 in der Renaissance-Galery London, 1937 Einladung zum internationalen Künstlerkongress.

Eintritt in die NSDAP 1935 des „Selbstschutzes“ wegen, aus Furcht vor NS-Erbgesetzes, er sei denunziert worden. Seit 1933 angefeindet, Entfernung seiner Werke aus Katalogen. Enthebung 1933 als Professor, seit 1936 sämtlicher Ämter enthoben. 10 Jahre schöpferische Arbeit verboten. Nach KZ-Betreuungsstelle gilt er als anerkannt politisch verfolgt. Nach 1945 ständiger Aufenthalt in Seeon, Chiemgau.
Sally Cohen

Club-Mitgliedschaft(en): Remscheid 1932

geboren: 9. Mai 1868 – gestorben: 13. November 1942

Beruf: Inhaber d. Fa. Gebr. Alsberg

Klassifikation: Einzelhandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Co-owner of the largest local textile department store Gebr. Alsberg KG, one of the most respected and wealthiest local merchants. Chairman of the local retail trade association.

In 1932 Cohen was a founding member of RC Remscheid. On 22 May 1933 he requested leave of absence due to illness. It is known from a statement dated 8 September 1933 that Cohen had resigned along with three other Rotarians. His company had been affected by anti-Semitic actions of the NS government during this time. During the Reichspogromnacht, SA men destroyed the furnishings of Cohen's house. A few days earlier, the company had already been "Aryanized".

While Sally Cohen was able to enable his children Ernst (president of the RC Glossop/GB in 1955/56) and Herta to emigrate in 1937, he and his wife remained in Remscheid. From 1939, the Cohens' villa was declared a so-called "Judenhaus", to which other Jewish citizens were admitted. In 1940 Cohen was denounced and sentenced to six months in prison for "publicly insulting a sovereign or SA leader".

On 20 July 1942, Sally Cohen and his wife Beate had to go to Düsseldorf via the Wuppertal collection point, from where they were deported to the Theresienstadt ghetto. The inhumane conditions there led to thousands of deaths, Sally Cohen also died on 13 November 1942. His wife Beate Cohen deported the Germans to Auschwitz on 15 May 1944, where she was murdered. In Remscheid, Stolpersteine commemorate the Cohen couple and the RC Remscheid dedicated a separate chapter to Sally Cohen in his commemorative publication for the 75th anniversary in 2007.

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Mitinhaber des größten örtlichen Textilkaufhauses Gebr. Alsberg KG, einer der angesehensten und wohlhabendsten Kaufleute vor Ort. Vorsitzender des örtlichen Einzelhandelsverbandes.

1932 war Cohen Gründungsmitglied des RC Remscheid. Am 22. Mai 1933 bat er um Beurlaubung wegen Erkrankung. Aus einer Mitteilung vom 8. September 1933 ist bekannt, dass Cohen neben drei anderen Rotariern ausgetreten sei. Sein Unternehmen war in dieser Zeit durch antisemitische Aktionen der NS-Regierung in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Reichspogromnacht zerstörten SA-Männer die Einrichtung des Hauses von Cohen. Bereits einige Tage zuvor war das Unternehmen „arisiert“ worden.

Während Sally Cohen seinen Kindern Ernst (1955/56 Präsident des RC Glossop/GB) und Herta 1937 die Emigration ermöglichen konnte, blieben er und seine Frau in Remscheid. Ab 1939 wurde die Villa der Cohens als sogenanntes „Judenhaus“ deklariert, in das weitere jüdische Bürger eingewiesen wurden. 1940 wurde Cohen denunziert und wegen „öffentlicher Beleidigung eines Hoheitsträgers oder SA-Führers“ zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Am 20. Juli 1942 mussten sich Sally Cohen und seine Frau Beate über die Sammelstelle Wuppertal nach Düsseldorf begeben, von wo sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Die menschenunwürdigen Verhältnisse dort führten bei Tausenden zum Tod, auch Sally Cohen starb am 13. November 1942. Seine Frau Beate Cohen deportierten die Deutschen am 15. Mai 1944 nach Ausschwitz, wo sie ermordet wurde. In Remscheid erinnern Stolpersteine an das Ehepaar Cohen und der RC Remscheid widmete Sally Cohen in seiner Festschrift zum 75jährigen Jubiläum 2007 ein eigenes Kapitel. (Broschüre 2018)

Quelle: 
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_lastName=Cohen&s_firstName=Sally&s_place=Remscheid&s_dateOfBirth=&cluster=true
Senator Carl Cohn

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1929, 1930

Austritt: 1931 verstorben

geboren: 19. November 1857 – gestorben: 7. Mai 1931

Beruf: Vorstand der Hamburgischen Bank von 1923

Klassifikation: Bank für Investitionen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Überseekaufmann und Senator Carl Cohn, der jüdischen Glaubens war, stammte aus Neustrelitz, besuchte dort wie sein Bruder Emil Cohn das Gymnasium Carolinum, bis er 1877 als Lehrling in die Hamburger Firma David Lippert & Co eintrat. David Lippert war ein Hamburger Wollhändler, der eine Cousine von Cohns Mutter geheiratet hatte. Die Firma betätigte sich vor allem im Handel mit Südafrika und war zeitweise auch im Diamantenhandel involviert. Nach Aufenthalten in England und Schottland ging auch Cohn im Auftrag von D. Lippert & Co nach Südafrika. Nachdem Lippert & Co 1882 zahlungsunfähig geworden war, gründete Cohn 1883 die Firma Arndt & Cohn, die ebenfalls vor allem im Handel mit dem südlichen Afrika aktiv war. Sie hatte Niederlassungen in Durban, Port Elizabeth, Johannesburg und Kapstadt. Sie soll zu den größten und angesehensten Im- und Export-Handelshäusern Hamburgs gehört haben. Die Firma wurde 1938 arisiert. Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit war Cohn auch als ehrenamtlicher Handelsrichter tätig. Zudem gehörte er den Aufsichtsräten der Hamburger Wasserwerke und der Hamburgischen Electrizitätswerke an.

Die Wirtschaft Hamburgs und der Hafen wurden durch die Folgen des Ersten Weltkrieges und des Versailler Vertrages stark beeinträchtigt. Dennoch gelang es Cohn 1926 dank seiner guten Verbindungen eine billige langfristige internationale Anleihe zu bekommen, die die Finanzsituation der Stadt nachhaltig besserte. Auch billige kurzfristige Anleihen wurden zum Schulbau benutzt. Cohns Warnungen vor den Problemen dieser Finanzierung blieben ungehört. Die allgemein solide Finanzpolitik von Cohn und seine Funktion als „rechte Hand“ des Staatsrats Leo Lippmann wurden in der Hamburger Politik von den Fraktion aller nicht extremen Parteien sehr geschätzt. Anlass für Cohns Rücktritt war ein Streit, um die Senatsverkleinerung...  1929 schied fast gleichzeitig mit Cohn auch der einzige andere jüdische Senator aus, der SPD-Politiker Max Mendel; für dessen Rücktritt wurden zwar gesundheitliche Gründe angegeben, es wird aber vereinzelt davon ausgegangen, dass die Motivation für diesen Schritt zum Teil der immer offenere Antisemitismus war.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Cohn#Leben
Martin Cohn

Club-Mitgliedschaft(en): Saarbrücken 1931, 1932

Beruf: Direktor, Passage-Kaufhaus A.-0.

Klassifikation: Warenhaus

rotarische Ämter: Schatzmeister 1932

Biographisches: jewish




Adolf Coper

Club-Mitgliedschaft(en): Pforzheim 1931, 1932

geboren: 14.9.1885 in Pforzheim – gestorben: 1.5.1963 in Argentinien

Beruf: Mitinhaber der Firma Carl Lay

Klassifikation: Schmuckwaren für Export Fabrik

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Adolf COPER, Juwelenfabrikant (Firma Carl Lay; ab 1941 umfirmiert in Kugele & Ulze )
geb. am 14.9.1885 in Pforzheim, gest. 1.5.1963 in Argentinien als Adolfo Coper
Eltern: Moritz Coper (1848-1916) und Mathilde Coper , geb. Grünwald (1850-1937) 

1936 nach Argentinien emigriert

Quelle: Fuhrmann, Pforzheim
Kommerzialrat Ludwig Czerwenka

Club-Mitgliedschaft(en): Linz/D. 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

geboren: 06. 10. 1863 in Cerekwitz – gestorben: 18. Februar 1941 in Purkersdorf

Beruf: Bankdirektor i. R.

Klassifikation: Altmitglied

rotarische Ämter: Kassier 1929/30 Sekretär 1929-32

Biographisches:
Ludwig Czerwenka, geb. am 06. 10. 1863 in Cerekwitz (heute Tschechische Republik).
Seine Gattin Bianca, geb. Trager, geb. am 09. 11. 1870 in Arnau (heute Tschechische Republik).
Getraut wurden die beiden am 14. 08. 1892, Israelitische Kultusgemeinde in Prag.
Ab 1906 nachweisbar an verschiedenen Adressen in Linz, Oberösterreich.
Austritt aus der Israelitischen Kultusgemeinde im März 1938.

Ludwig Czerwenka starb am 18. Februar 1941 in Purkersdorf (ihm blieb die Deportation in ein Konzentrationslager erspart).
Seine Gattin Bianca wurde am 27. 08. 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihr Todesdatum ist der 31. 03. 1943 ebendort.


"Eines unserer Gründungsmitglieder im Jahr 1927 war Ludwig Czerwenka. Er kam aus Böhmen war ab 1906 in Linz. Zunächst war er Direktor der Böhmischen Unionsbank in Linz. Nachdem diese Bank in der Bank für Oberösterreich und Salzburg (heute: Oberbank) aufgegangen war, bekleidete er in diesem neuen Institut die Position eines Verwaltungsrate (wahrscheinlich eine Art Aufsichtsrat). Er war von 1930 bis 1932 Sekretär unseres Clubs, war immer wieder Gast bei ausländischen Clubs (wovon er sehr engagiert berichtete) und pflegte insbesondere die Kontakte zu böhmischen Rotary-Clubs, besonders zum RC Budweis. 

Neben seiner Mitgliedschaft bei Rotary weiß man auch von der Mitgliedschaft bei den Freimaurern und der Schlaraffia in Linz. Nach der Selbstauflösung des RC Linz (um der erzwungenen Auflösung durch die Nazis zuvorzukommen) verschwindet er aus allen Unterlagen..

Bei der Präsentation eines Buches zur Kaffeefabrik Franck, besonders deren Linzer Werk, durch den Archivdirektor der Stadt Linz (Walter Franck war ebenfalls Gründungsmitglied des RC Linz und durch 3 Jahre Präsident und unser Ehrenmitglied nach der Wiedergründung 1950) erhielt ich von diesem entscheidende Hinweise zum Schicksal des Ehepaares Czerwenka (sie waren kinderlos).. Ludwig und seine Frau Bianca waren Juden und hatten in Prag in der IKG geheiratet. In einem Verzweiflungsakt traten sie 1938 in Linz aus der IKG aus und in die römisch-katholische Kirche ein. Dies nützte ihnen nichts. Es ist noch überliefert, dass vom Ehepaar eine Spende für Eichmanns Auswanderungsfonds erpresst wurde.

Ludwoig Czerwenka verstarb 1941 in Purkersdorf bei Wien (warum er sich dort aufhielt, weiß ich nicht). Seine Gattin Bianca wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb ebendort 1943."

Quelle: Mail von Wolfgang Seitz, Historiker, RC Linz, vom 21.11.19 and Peter Diepold

Dr. Friedrich Darmstädter

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 04.07.1883 in Mannheim – gestorben: 23.01.1957 in Heidelberg

Beruf: Landgerichtsrat, Privatdozent a. d. Universität Heidelberg

Klassifikation: Gerichtswesen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Darmstädter was a full-time member of the Regional Court Council in Mannheim and also pursued a part-time university career in Heidelberg. Since 1928 he held a teaching position for philosophy of law at the University of Heidelberg. In 1930 he was habilitated at the Faculty of Law and worked as a private lecturer.

On April 20, 1933, Darmstädter was granted leave of absence by the law to restore the civil service (BBG). Since he had already been civil servant before August 1914, the leave of absence was initially revoked in July 1933 in accordance with § 3 (2) of the BBG, but reinstated in August 1933. On 31 December 1935, the authority to teach was revoked and the employee was dismissed from the Baden civil service.

In 1936 he travelled to Rome, where he collaborated with Giorgio del Vecchio and translated his books. In 1939, after paying the Reich Flight Tax, he emigrated via Switzerland to Great Britain. For a long time he could not find employment in England. Only towards the end of the war did he receive a research assignment at the University of Cambridge and in 1948 he became a British citizen. From 1949 he taught German political theory and history as a lecturer at the University of London.

After several guest lectures he was appointed honorary professor at the University of Heidelberg in July 1949. In 1951 he finally returned to Heidelberg, where he gave lectures at the age of 73.

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Dr. Friedrich Darmstädter (* 04.07.1883 in Mannheim; † 23.01.1957 in Heidelberg)

Seit 1921 als Amtsrichter in Mannheim tätig, lehrte Darmstädter ab 1928 auch als Privatdozent in Rechts- und Staatsphilosophie an der Universität Heidelberg. Die Habilitation erfolgte 1930 an der Heidelberger Juristischen Fakultät. Er war Landgerichtsrat und Dozent an der Universität Heidelberg und wurde am 20.04.1933 beurlaubt, im Juli 33 wurde die Beurlaubung bezüglich der Lehrtätigkeit kurzfristig zurückgenommen, da er Kriegsteilnehmer und bereits seit 01.08.1914 planmäßiger Beamter war. So konnte er als Landgerichtsrat noch bis 1935 arbeiten.

Darmstädter veröffentlichte zwischen 1925 und 1933 eine Reihe von Büchern, in denen er den Gedanken des demokratischen Rechtsstaats mutig und teilweise geradezu prophetisch gegen die Anhänger des Machtstaates verteidigte. 1930 schrieb er: „Die liberale Forderung nach Begrenzung der staatlichen Wirksamkeit bedeutet uns (…)  eine notwendige Ergänzung des demokratischen Prinzips.“  Am 15.03.1936 zog er nach Badenweiler und bat offiziell um die Erlaubnis, einen Studienaufenthalt in Rom antreten zu dürfen. Der Antrag wurde in Berlin abgelehnt. Daher reiste er Ende des Jahres als „Privatmann“, ohne die italienischen Dienststellen in Anspruch zu nehmen. In Rom arbeitete er eng mit Giorgio del Vecchio zusammen und übersetzte dessen Bücher ins Deutsche. Auch erwarb er das Diploma della Filosofia del Diritto und lehrte bis 1938 an der Universität Rom.

1939 verließ er Italien und reiste über die Schweiz nach England. Hier wurde er bei Kriegsausbruch als Deutscher zunächst interniert, fand dann 1942 eine angemessene Beschäftigung an der Londoner School of Economics and Political Science mit Wohnsitz in Cambridge. 1944 veröffentlichte er sein Buch “Germany and Europe. Political Tendencies from Frederic the Great to Hitler“. 1949 erhielt er eine eigens für ihn errichtete Stelle („lectureship“) für deutsche politische Theorie und Geschichte.

Auch in seinem italienischen Exil hatte er den Kontakt zu Gustav Radebruch beibehalten. Dieser schrieb ihm als Dekan der Universität Heidelberg an und teilte ihm 1946 mit, die Universität beabsichtige, alle aus ihrem Universitätsamt Entlassenen die Wiedereinsetzung in ihre früheren Rechte zu erteilen. Im Mai 1948 konnte Darmstädter zu Gast­vorträgen nach Heidelberg kommen und wurde im Juli 1949 zum Honorarprofessor ernannt. Seit 1949 las er im Winter in London, im Sommer­semester übernahm er Gastvorlesungen in Heidelberg. 1951 zog er endgültig nach Heidelberg. Seinen Lehrauftrag, oft über rechtsvergleichende Themen für Hörer des Dolmetscher-Instituts, erneuerte das Ministerium immer wieder, so dass er noch im Alter von 73 Jahren Vorlesungen hielt. Am 23. Januar 1957 starb er in Heidelberg.

Darmstädter war Gründungsmitglied und ein äußerst aktives Clubmitglied, das mehrfach Vorträge hielt, so etwa am 28. Okt. 1930 über „Das Rotary-Prinzip und die deutsche Volksgemeinschaft“, wo er die Übernahme sozialer Verantwortung durch die Clubs und daraus erwachsender Taten mit einer klaren Absage an rechte wie linken Parteien verband: „Aber, was wir heute für die Tat unternehmen können, ist nach meiner Überzeugung nur die Vorbereitung in Wissen, Gesinnung und persönlicher Verbundenheit. Am Anfang darf nicht die Tat, sondern nur die Selbstbesinnung stehen. Was die Tat als Anfang einer solchen Bewegung bedeutet, das sehen wir an jenen extremen Verbänden rechts und links, welche vielleicht von einer anerkennenswerten Auflehnung der Menschenwürde gegen die Gewaltherrschaft der Wirtschaft instinktiv getrieben sind, aber ohne Selbstbesinnung nach der Tat brüllen und damit nur Vorhandenes zerstören, aber nicht das Geringste aufbauen."

1933 musste Darmstädter wegen seiner jüdischen Herkunft den Club verlassen. Man darf vermuten, dass er neben Emil Selb das zweite Clubmitglied gewesen ist, dass im Sept. 1933 gegen den Trennungsbeschluss offen moniert und eine Clubversammlung erzwungen hatte.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim
Ulrich Nieß: Kommunale Eliten unter Druck . Das Beispiel des Rotary Clubs Mannheim bis 1937, 2019, S. 353 f. u. 361 f.
Kommerzienrat Franz Dessauer

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1931, Berlin 1932

geboren: 08.07.1873 in Aschaffenburg – gestorben: 29.12.1961 in Heidelberg

Beruf: Zellstofffabrik Mannheim-Waldhof

Klassifikation: Papierindustrie, Zellstofffabrikation

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Franz Dessauer (*08.07.1873 in Aschaffenburg, +29.12.1961 in Heidelberg)

Dessauer, Sohn einer Aschaffenburger Fabrikantenfamilie mit teilweise jüdischen Wurzeln, hatte an der Universität Würzburg Rechtswissenschaft studiert und war nach seiner Referendarzeit in die Zellstoff Aschaffenburg eingetreten. 1923 kam er zur Zellstofffabrik in Mannheim-Waldhof, für die er bis zu seiner Pensionierung 1934 als Direktor tätig war. Er war zudem seit 1933 Mitglied des Aufsichtsrats der Aschaffenburger Buntpapierfabrik und leitete nach dem Krieg den Wiederaufbau des völlig zerstörten Werkes. Im Jahr 1953 erhielt er für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. 

Äußerst eng war Franz Dessauers Verhältnis zu Hermann Heimerich. So schrieb dieser ihm am 18.08.1945: „Ich habe in den vergangenen Jahren oft an Sie gedacht und mich mit Dankbarkeit immer wieder daran erinnert, dass Sie nach meiner Inhaftierung in Mannheim im Jahre 1933 neben Stadtrat Gulden der Einzige waren, der mir einen freundlichen Brief hat zukommen lassen.“, worauf Dessauer entgegnete: „ (…) Ich habe selbst jahrelang zu fühlen bekommen, was es heißt, die „Umstellung“ seiner Bekannten, Mitarbeiter und auch der vermeintlichen „Freunde“ nehmen zu müssen, sich Schikanen ausgesetzt zu sehen durch Leutchen, die glauben an der Spitze zu sitzen usw. Welch unglaublicher Selbsttäuschung gaben sich diese charakterlosen Menschen hin … Ich bin überzeugt, dass Sie mit mir es dafür halten, keine Zeit mit Rachegedanken zu verlieren, sondern dem Vaterland treu zu dienen. Sie sind noch zu wichtigem Tun berufen. Ihr ergebener Franz Dessauer.“

Am 13.10.1930 wurde Dessauer im RC Mannheim offiziell aufgenommen, verblieb aber nur ein knappes Jahr im Club. Am 26. Okt. 1931 verabschiedete der Vizepräsident des Clubs Geiler den rotarischen Freund Dessauer, der infolge der teilweisen Verlegung der Zellstofffabrik nach Berlin übersiedelte. 

Quelle: Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim


Dr. juris Sigmund Dormitzer

Club-Mitgliedschaft(en): Nürnberg 1929 1930 1931 1932 1933

Eintritt: 1929-09-16

Austritt: Mai 1933

geboren: 14.08.1869 – gestorben: Dezember 1943

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwaltschaft

rotarische Ämter: 1. Sekretär 1932

Biographisches: Jewish
Without being asked and completely silent, the Jewish Rotarian friends - Privy Justice Councillor Dormitzer (May 1933) and Commercial Councillor Richard Kohn (July 1933) - left the club in order not to harm its existence. (RC Nuremberg, commemorative publication 1954)Privy Justice Council. Lawyer in Nuremberg. Chairman of the local Bar Association and Vice President of the Bar Association. Maltreatment in the pogrom night. Loss of property. 1939 Departure to Holland. The couple does not take advantage of the opportunity to leave for America. 1940 Internment in Holland. 1943 Deported to Theresienstadt. Died of hunger edema.
Ohne aufgefordert zu sein und völlig geräuschlos verließen die jüdischen rotarischen Freunde - Geheimer Justizrat Dormitzer (Mai 1933) und Kommerzienrat Richard Kohn (Juli 1933) - den Club, um seiner Existenz nicht zu schaden. (RC Nürnberg, Festschrift 1954).Geheimer Justizrat. Rechtsanwalt in Nürnberg. Vorsitzender des örtlichen Anwaltsvereins und Vizepräsident der Anwaltskammer. Misshandlung in der Pogromnacht. Verlust des Eigentums. 1939 Ausreise nach Holland. Die Möglichkeit der Ausreise nach Amerika nutzt das Ehepaar nicht. 1940 Internierung in Holland. 1943 Deportation nach Theresienstadt. Stirbt an Hungerödem. Unaufhaltbarer Niedergang: Das Honoratiorenehepaar Sigmund und Else

Aus: Benz, Wolfgang: Theresienstadt. Geschichte von Täuschung und Vernichtung. München.
Geheimrat Aron Siegfried Drey

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

geboren: 1866 – gestorben: 1936

Beruf: Gesellschafter Fa. A. S. Drey, Kunst- und Antiquitätenhandlung

Klassifikation: Antiquitätenhandel

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, 2. Vizepräsident 1929

Biographisches: Jewish
1910 Kommerzienrat, commercial judge at the District Court Munich I from 1926 to 1930. Siegfried Drey was chairman of the Chamber of Commerce until 1933.

By 1935 the majority of the family members had already emigrated to Great Britain and the USA. Relocation of residence to the USA. He died in Munich.

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1910 Kommerzienrat, von 1926 bis 1930 Handelsrichter am Landgericht München I. Um 1935 waren bereits die Mehrzahl der Familienmitglieder nach Großbritannien und in die USA emigriert.
Verkauf der Firma nach Berufsverbot 1935 im Jahre 1936 an Firma Walter Bornheim. (Erdmann, S. 960)
Siegfried Drey war bis 1933 Vorsitzender der Handelskammer. Verlegung des Wohnsitzes in die USA. Er starb in München. (Bednarek)
Franz (Francis) Drey

Club-Mitgliedschaft(en): München 1930, 1931, 1932

geboren: 1886 – gestorben: 1952

Beruf: Gesellschafter Fa. A. S. Drey, Kunst- und Antiquitätenhandlung

Klassifikation: Antitquitäten

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Munich art dealer. Led the London branch. Emigrated to London in 1936. Died in London.
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Münchener Kunsthändler, Sohn von Rot. Siegfried Drey.  Führte die Filiale in London. 1936 Emigration nach London. Stirbt in London 1952.
Prof. Carl Ebert

Club-Mitgliedschaft(en): Darmstadt 1931 Berlin 1932 Zwickau-Glauchau 1933

Beruf: Generalintendant des Landestheaters / Intendant d. Städt. Oper Charlottenburg

Klassifikation: Theaterwesen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: On March 11, 1933, during a "Rienzi" performance in Berlin, the Städtische Oper was occupied by an SA command, the Jewish director Carl Ebert and a number of members of the stage board were relieved of their posts, first the "Parteigenosse" (Pg.) city councillor Robert Matschuk was commissioned to take over the provisional direction of the theatre, and shortly afterwards Pg. senior director Otto Krauß was commissioned to lead the house.

Ebert was the son of the Social Democratic Reich President Friedrich Ebert. He studied acting with Max Reinhardt. Subsequently he was engaged as an actor on different stages and took part in numerous film and television productions. He became opera director and director at the Staatstheater Darmstadt in 1927, before he went to the Deutsche Oper Berlin in the same function in 1931 and filled this position until 1933. After the National Socialists came to power he was defamed as a "Music Bolshevist" by the NS cultural community. Ebert emigrated via Switzerland and England to Turkey, in 1948 he moved to the USA.

In England Ebert founded the Glyndebourne Festival together with Fritz Busch and worked there until 1939 and again in the 1950s as its director. In 1939 he moved to Ankara, where he played a leading role in setting up the State Conservatory and the State Theatre. From 1954 to 1961 he was again appointed artistic director of the Deutsche Oper Berlin. Following his tenure as artistic director there, Ebert remained associated with the Deutsche Oper as a director.

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In Berlin wurde am 11. März 1933 während einer „Rienzi“-Vorstellung die Städtische Oper durch ein SA-Kommando besetzt, der jüdische Intendant Carl Ebert und eine Anzahl von Mitgliedern des Bühnenvorstandes ihrer Posten enthoben, zunächst der „Parteigenosse“ (Pg.) Stadtverordneter Robert Matschuk beauftragt, die kommissarische Leitung des Theaters zu übernehmen, wenig später Pg. Oberregisseur Otto Krauß mit der Leitung des Hauses beauftragt.

Ebert war der Sohn des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Er absolvierte ein Schauspiel-Studium bei Max Reinhardt. Im Anschluss war er an unterschiedlichen Bühnen als Schauspieler engagiert und spielte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. Er wurde 1927 Operndirektor und -Intendant am Staatstheater Darmstadt, ehe er in gleicher Funktion 1931 an die Deutsche Oper Berlin ging und diesen Posten bis 1933 ausfüllte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er von der NS-Kulturgemeinde als „Musik-Bolschewist“ diffamiert. Ebert emigrierte über die Schweiz und England in die Türkei, 1948 übersiedelte er in die USA.

In England gründete Ebert gemeinsam mit Fritz Busch die Festspiele von Glyndebourne und wirkte dort bis 1939 sowie nochmals in den 50er Jahren als dessen Direktor. 1939 übersiedelte er nach Ankara, wo er führend beteiligt war am Aufbau des staatlichen Konservatoriums sowie des Staatstheaters. Von 1954 bis 1961 wurde er erneut als Intendant an die Deutsche Oper Berlin berufen. Im Anschluss an seine dortige Intendanz blieb Ebert der Deutschen Oper als Regisseur weiterhin verbunden. (Wikipedia)
Geh. Reg.Rat, Prof. Dr. Christian Eckert

Club-Mitgliedschaft(en): Köln 1928 1929 1935 1936 1937

Beruf: Universitätsprof. (seit 1934/35 in Ruhe)

Klassifikation: Universitätslehrstuhl (Wirtschaftslehre), Altmitglied 1934/35

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Präsident 1929/30

Biographisches:
Together with Adenauer and Moritz, Christian Eckert was one of the founders of Cologne University, where he held a chair in political science since 1920. In 1919 he was the first rector and since 1920 managing chairman of the board of trustees of the university. In September 1933, he was dismissed from all offices by the National Socialists, but remained a former member of the Rotary Club.

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Christian Eckert gehörte mit Adenauer und Moritz zu den Wiederbegründern der Kölner Universität, an der er seit 1920 einen Lehrstuhl für Staatswissenschaften bekleidete. Er war 1919 der erste Rektor und seit 1920 geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums der Universität. Im September 1933 wurde er von den Nationalsozialisten aus allen Ämtern entlassen und im Februar wegen seiner Zentrumsaktivitäten in den Ruhestand versetzt: hierdurch verlor er seine Klassifikation, blieb jedoch als sog. Altmitglied dem Rotary Club erhalten. (Joachim Arntz, S. 4)
Otto Ehrensberger

Club-Mitgliedschaft(en): Breslau 1932

Eintritt: 1932-12-19

Austritt: 7. Mai 1933

rotarische Ämter: keine

Biographisches: He was expelled during the passive resistance in the Ruhr from July 1923 to September 1924, "because his presence in Düsseldorf disturbed the peace and order and he posed a danger to the occupying troops". In November 1924 he was appointed district administrator in the Silesian district of Ohlau. Transferred to the district of Schweidnitz in October 1932, he joined the district of Recklinghausen as provisional district administrator in July 1935; he was finally appointed in January 1936.

As district administrator in Schweidnitz he had met Helmuth James Graf von Moltke and made friends with Peter Graf Yorck von Wartenburg. Yorck convinced Ehrensberger of the necessity of moving to Berlin as a centre of resistance. Appointed to the Reich Ministry of the Interior on August 1, 1938, Ehrensberger took part in the meetings of the Kreisauer Kreis. He also made his office available to them. From January 1939 he was Ministerialrat and from September 1940 Ministerialdirektor, he was superior of Hans Globke - at the RMI.

He was in contact with Adam von Trott zu Solz, Fritz-Dietlof von der Schulenburg, Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband, Caesar von Hofacker, Claus Schenk Graf von Stauffenberg and Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, he worked with Albrecht von Kessel on the principles of a new Reich constitution. He suggested to the Reich Minister of the Interior Heinrich Himmler that Counts Yorck and Schulenburg be appointed to the RMI.

The fact that he was not liquidated under these circumstances after the assassination attempt on July 20, 1944, surprised him himself.

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Er war während des passiven Widerstands an der Ruhr von Juli 1923 bis September 1924 ausgewiesen, „weil seine Anwesenheit in Düsseldorf die Ruhe und Ordnung störte und er eine Gefahr für die Besatzungstruppen bildete“. Im November 1924 wurde er zum Landrat im schlesischen Landkreis Ohlau bestellt.

Im Oktober 1932 zum Landkreis Schweidnitz versetzt, kam er im Juli 1935 als kommissarischer Landrat zum Kreis Recklinghausen; endgültig eingesetzt wurde er im Januar 1936. Als Landrat in Schweidnitz hatte er Helmuth James Graf von Moltke kennengelernt und sich mit Peter Graf Yorck von Wartenburg angefreundet. Yorck überzeugte Ehrensberger von der Notwendigkeit, nach Berlin als Zentrum des Widerstands zu wechseln. Am 1. August 1938 in das Reichsministerium des Innern berufen, nahm Ehrensberger an den Zusammenkünften des Kreisauer Kreises teil. Für sie stellte er auch seine Amtsräume zur Verfügung. Seit Januar 1939 Ministerialrat und seit September 1940 Ministerialdirektor, war er Vorgesetzter von Hans Globke – im RMI.

In Kontakt mit Adam von Trott zu Solz, Fritz-Dietlof von der Schulenburg, Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband, Caesar von Hofacker, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Berthold Schenk Graf von Stauffenberg arbeitete er mit Albrecht von Kessel an den Grundsätzen einer neuen Reichsverfassung. Dem Reichsinnenminister Heinrich Himmler schlug er vor, die Grafen Yorck und Schulenburg in das RMI zu berufen.

Dass er unter diesen Umständen nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 nicht liquidiert wurde, hat ihn selbst gewundert.(Wikipedia)
Dr. Wilhelm Ehrhard

Club-Mitgliedschaft(en): Mainz 1932, 1933

Eintritt: 09.01.1932, Gründung

Austritt: 20.06.1933, Auflösung

geboren: 19.09.1884, Biebrich – gestorben: 27.02.1936, Berlin

Beruf: Oberbürgermeister

Klassifikation: Kommunalverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Er wurde am 19.9.1884 zwar in Biebrich geboren, entstammte aber zwei alten Mainzer Familien (Schlippe und Kaden). Er studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg, Berlin, München und Gießen. Nach seiner Promotion im Jahre 1909 und dem Assessorexamen im Jahr 1910 ließ er sich als Rechtsanwalt in Mainz nieder. 1917 heiratete er Luise Römheld.

Er war vom 4.5.1931 bis zu seiner Absetzung durch die Nati-onalsozialisten am 22.3.1933 Oberbürgermeister von Mainz. Beim Hissen der nationalsozialistischen Flagge auf dem Mainzer Rathaus erklärte er, „dass er sich selbstverständlich dem Hissen der Hakenkreuzfahne widersetzen müsse, da diese Fahne eine reine Parteifahne darstelle … [allerdings könne er es auf] … einen Kampf nicht ankommen lassen, da ihm die Machtmittel nicht zur Verfügung stünden“.

Bis zu seinem Tod war er als Rechtsanwalt beim Reichsfinanzhof in München tätig. Er starb am 27.2.1936 im Alter von nur 51 Jahren während einer Dienstreise in Berlin.
Maximilian Eichbaum

Club-Mitgliedschaft(en): Magdeburg 1930, 1931, 1932

geboren: 1881 – gestorben: 1958

Beruf: Direktor der Wilhelma in Magdeburg, Zweigniederlassung der Allianz- und Stuttgarter Verein Vers.-A.-G

Klassifikation: Versicherungswesen

rotarische Ämter: Vizepräsident 1931/32 Präsident 1932/33

Biographisches: Jewish
Maximilan Eichbaum was director of the  the Allianz insurance company in Magdeburg. He lost his position in 1935. In 1937 he emigrated with his family to South Africa. Employment with an insurance company.

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leitete die Zweigniederlassung der Allianz in Magdeburg, verlor seine Stellung im Jahr 1935. 1937 emigrierte er mit seiner Familie nach Südafrika. Beschäftigung bei einer Versicherungsgesellschaft.
Hans Elfgen

Club-Mitgliedschaft(en): Köln 1932 1933

Beruf: Regierungspräsident

Klassifikation: Allgemeine Staatsverwaltung

rotarische Ämter: Präsident 1952

Biographisches:
Like Konrad Adenauer, Hans Elfgen lost his membership of the club as a result of giving up his office. After the Reichstag elections of 5 March 1933, Hans Elfgen was also deposed on 24 April 1933 (Holy Saturday). After his transfer to the temporary employment agency, he was definitively retired on 1 January 1934. After his release in Cologne, Elfgen stayed in Rome, Oxford and London until 1934. In 1935 he moved to Berlin, where he worked as a He headed the Allianz branch in Magdeburg and lost his position in 1935. In 1937 he emigrated with his family to South Africa. Employment with an insurance company.legal consultant for an accumulator factory, before taking over the asset management of Erben Pauli in Cologne in 1936 (until 1956) and the legal advice of Kranken- und Pflegeanstalten G.m.b.H Arenberg (until 1960).

The NSDAP continued to monitor Elfgen after his release. Thus Reinhard Heydrich, Chief of the Security Police and the SD, wrote to the Chief of Military Administration in Belgium and former Cologne District President Eggert Reeder on 23 May 1942: "Even the ... Former Cologne District President and West advisor in the Prussian State Ministry, Elfgen, is a man who had to be retired in the course of the clean-up of the civil service. He also belonged to the Zentrum. It was not until 1941 that Elfgen represented the Dominican Order at the Chief Finance President in Koblenz and is to this day a member of the Board of Trustees of the Order of the Good Shepherd in Cologne. Also Elfgen must be rejected completely with regard to his political opinions and his personality..."

In 1946, Elfgen was admitted as a lawyer to the Cologne District Court. He was the bearer of several ecclesiastical orders.

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Wie Adenauer verlor Hans Elfgen infolge Verlust seines Amtes die Mitgliedschaft im Club. Nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 wurde am 24. April 1933 (Karsamstag) auch Hans Elfgen abgesetzt. Auf seine Versetzung in den einstweiligen folgte zum 1. Januar 1934 die definitive Versetzung in den Ruhestand. Nach seiner Entlassung in Köln hielt sich Elfgen zunächst bis 1934 in Rom, Oxford und London auf. 1935 zog er nach Berlin, wo er als juristischer Berater für eine Akkumulatorenfabrik tätig war, ehe er 1936 die Vermögensverwaltung der Erben Pauli in Köln (bis 1956) und die Rechtsberatung der Kranken- und Pflegeanstalten G.m.b.H Arenberg (bis 1960) übernahm.

Seitens der NSDAP wurde Elfgen nach seiner Entlassung weiter beobachtet. So schrieb Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, am 23. Mai 1942 an den Chef der Militärverwaltung in Belgien und vormaligen Kölner Regierungspräsidenten Eggert Reeder: „Auch der ... frühere Kölner Regierungspräsident und Westreferent im Preußischen Staatsministerium, Elfgen, ist ein Mann, der im Zuge der Bereinigung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt werden mußte. Auch er gehörte dem Zentrum an. Erst im Jahre 1941 hat Elfgen den Dominikanerorden beim Oberfinanzpräsidenten in Koblenz vertreten und ist bis zum heutigen Tage Mitglied des Kuratoriums des Ordens vom „Guten Hirten“ in Köln. Auch Elfgen muß in politischer und charakterlicher Hinsicht restlos abgelehnt werden...“ – 150 Jahre Regierungsbezirk Köln.

1946 erhielt Elfgen die Zulassung als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Köln. Er war Träger mehrerer kirchlicher Orden. Am 27.2.1948 trat Elfgen dem „wiederentstandenen“ Kölner Club wieder bei und war im rotarischen Jahr 1952/53 dessen Präsident. 1959 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des vom RC Köln am Rhein gegründeten Rotary Clubs Köln-Land. (Wikipedia 2019)


Prof. Dr. Walter Eucken

Club-Mitgliedschaft(en): Freiburg i. B. 1934 1935 1936 1937

Eintritt: 1934-09-19

geboren: 19.1.1891 in Jena – gestorben: 20.3.1950 in London

Beruf: Universitätsprof.

Klassifikation: Nationalökonomie

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
At the beginning of the 1930s, Walter Eucken founded the Freiburg School with the lawyers Franz Böhm and Hans Großmann-Doerth. After 1933, when a National Socialist university constitution was introduced in Freiburg under the rector Martin Heidegger and the persecution of the Jews began in the academic world, Eucken took an open stance. As the historian Bernd Martin notes, Eucken became "the actual adversary and challenger of the rector who promoted National Socialist university policy". In 1936, Eucken held a lecture series on freedom of thought entitled "The Struggle of Science".

After the unsuccessful assassination attempt on 20 July 1944, Walter Eucken, who had been in contact with the Goerdeler circle, was questioned several times by the Gestapo, but not arrested. Three friends of Eucken's from the "Freiburg Circle", the economists Adolf Lampe and Constantin von Dietze as well as the historian Gerhard Ritter, were imprisoned by the Nazi regime and sentenced to death.

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Walter Eucken begründete zu Beginn der dreißiger Jahre mit seinem späteren rotarischen Freund Prof. Dr. Hans Großmann-Doehrt u.a. durch eine wissenschaftliche Analyse der Wirkzusammenhänge von privater Macht, Unfreiheit und Armut die Soziale Marktwirtschaft. Er war somit bei der späteren Umsetzung seiner Erkenntnisse in anwendbare Theorien in den Nachkriegsjahren für die BRD durch Wirtschaftsminister Ludwig Erhard geistiger Vater der erfolgreichen Wirtschaftsordnung, des „Wirtschaftswunders“.

Eucken wächst in Jena in der Geisteswelt seines Vaters des Nobel-Literaturpreisträgers sowie der künstlerischen Neigungen seiner Mutter auf. Er begegnet dort prominenten Malern, Dichtern und Komponisten. Sie beeinflussen seine geistige Einstellung und Entwicklung. Als Leutnant im schrecklichen Kriegsdienst gegen Frankreich schreibt er überzeugt von der Sinnlosigkeit vom Krieg seiner Mutter: „Wofür kämpfen wir nur?“

1920 heiratet er die in Berlin aufgewachsene Halbjüdin und spätere Schriftstellerin Edith Erdsiek. Sie haben einen Sohn und zwei Töchter.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs absolviert er eine exzellente wissenschaftliche Laufbahn an den Universitäten Kiel, Bonn, Jena, Berlin, Tübingen und schließlich als Nationalökonom gekrönt durch den Ruf an die u.a. im Fach VWL renommierte Freiburger Universität zum Ordinarius der  Volkswirtschaft.

Als nach 1933 Rektor Martin Heidegger eine nationalsozialistische Universitätsverfassung vorantreibt und die Judenverfolgung auch im Wissenschaftsbetrieb einsetzt, widersetzt sich Eucken als Wortführer der Opposition gegen Heidegger im Senat vehement öffentlich. Er wird deshalb politisch und wegen der jüdischen Wurzeln seiner Frau als „Rassenschänder“ diskriminiert.

Er gründet mit Gleichgesinnten den Kreis „Freiburger Konzil“, ist Mitverfasser der von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer 1942 in Auftrag gegebenen geheimen Denkschrift „Über Grundsätze einer rechtstaatlichen, politischen, sozialen und kulturellen  Ordnung für die Zeit nach Beendigung des NS-Regimes. Er traf sich mehrmals mit Goerdeler zum Meinungsaustausch, welcher ihn auch einweihte, daß ein Attentat gegen Hitler geplant war. Er wird nach dem gescheiterten Hitlerattentat 1944 von der Gestapo verhört, entgeht knapp einer Verhaftung und Verurteilung.

Ende 1933 wird Eucken noch im Charterjahr in den RC Freiburg aufgenommen. Seine Aufnahme erweist sich als Idealbesetzung, entsprechen doch die Leitideen Rotarys genau dem ordoliberalen Credo Euckens. So nimmt er trotz vieler internationaler wissenschaftlicher Verpflichtungen und zeitaufwendigen Veröffentlichungen regelmäßig mit hochklassigen Vorträgen an Clubmeetings in der ersten Gründungsphase Rotary Deutschlands, während der verbotsbedingten Vertagung im „Club der Freunde von 1937“ und auch an den Meetings in den ersten Wiedergründungsmonaten des RC Freiburg noch 1950  kurz vor seinem Herzinfarkt, der zu seinem plötzlichen Tod in London führt, teil.

Quellen:
  • Viktor Vanberg/Eberhard Breckel (Hrsg.) 80 Jahre Rotary Club Freiburg. Clubgeschichte als Zeitgeschichte, Verlag Herder GmbH, Freiburg 2015
  • Nils Goldschmidt (Hrsg.) Wirtschaft, Politik und Freiheit, Freiburger Wirtschaftswissenschaftler und der Widerstand, Mohr Siebeck, Tübingen 2005
  • Wikipedia 2019, Walter Eucken
  • Philip Plickert, "Im Widerstand gegen das Hitler-Regime", Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.07.2019
Edmund Fabry

Club-Mitgliedschaft(en): Wiesbaden 1931, 1932

Eintritt: 06.06.1931

Austritt: 12.08.1932

geboren: 20.02.1892 Norderney – gestorben: 14.11.1939 Wiesbaden

Beruf: Architekt

Klassifikation: Architekt

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Edmund Fabry, auf Norderney geboren, lebte seit 1902 in Wiesbaden. Er war nach dem Studium zunächst als  Maler tätig und ab 1919 Mitglied der Darmstädter Sezession. Mit Alexej Jawlensky war er eng befreundet und bewog diesen wohl, von Ascona nach Wiesbaden zu ziehen. In Wiesbaden gestaltete Fabry das Kriegerdenkmal auf dem Neroberg (1930)  und konzipierte den Vorplatz des Wiesbadener Hauptbahnhofs (1932).  Auch an der Gestaltung der Reisinger-Anlagen (1932), des Opelbades (1933/34) und der Wandelhalle der Herbert-Anlagen(1937). Von den Nationalsozialisten wurde er als "Halbjude" klassifiziert. Sein Büro musste er nach den Novemberpogromen 1938 schließen. Nach den vorliegenden Unterlagen starb er eines natürlichen Todes.

Sein Austritt aus dem Rotary Club lässt sich auf geringe Präsenzen zurückführen.

Quelle: Archiv RC Wiesbaden, https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Fabry
Dr. Julius Finter

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

Beruf: Oberbürgermeister

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Aus der Justiz kommend, übernahm er das Amt eines Bürgermeisters in Mannheim und wurde am 16.10.1919 zum Oberbürgermeister von Karlsruhe gewählt (auf Vorschlag der linksliberalen DDP). 1928 wurde er mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Am 8.Mai 1938 musste er auf Druck der neuen nationalsozialistischen Machthaber zurücktreten.

In seine Amtszeit fielen u.a. die Erstellung des Generalbebauungsplans, die Errichtung der Dammerstocksiedlung und des Rheinstrandbades Rappenwört. 1949 wurde die Finterstraße nach ihm benannt.

Quelle: Hellmut Wagner, 2019, S. 5
Julius Flechtheim

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Austritt: 1936

gestorben: 1940

Beruf: jurist.Berater der IG Farben AG

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Julius Flechtheim became an honorary professor at the University of Berlin in 1924, and in the following year became head of the legal department and in-house lawyer of I.G. Farben. He was also a member of the supervisory boards of several other companies and a member of the board of the Reichsverband der Deutschen Industrie.

In 1933 he was deprived of his right to teach and subsequently of all other offices. He initially worked as a legal advisor and supported needy relatives. In April 1938, he emigrated with his family to Zurich, where he died in 1940.

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Julius Flechtheim wurde 1924 Honorarprofessor an der Universität Berlin, und im Folgejahr Leiter der Rechtsabteilung und Syndikus der I.G. Farben. Er war zudem Aufsichtsratsmitglied mehrerer anderer Unternehmen und Vorstandsmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie. 1933 wurden ihm die Lehrbefugnis und danach auch alle anderen Ämter entzogen. Er arbeitete zunächst noch als juristischer Berater und unterstützte bedürftige Verwandte. Im April 1938 emigrierte er mit seiner Familie nach Zürich, wo er 1940 starb. (Wikipedia)
Dr. Arthur Flehinger / Flemming (nach der Emigration)

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1930, 1931, 1932, 1933, 1934

Beruf: Prof. am humanistischen Gymnasium

Klassifikation: Höheres Lehrfach

rotarische Ämter: 2. Sekretär 1932/33

Biographisches: Jewish
Highly respected teacher at the Humanistisches Gymnasium, who enriched our club life and who, after fleeing to England, changed his name to "Flemming".

Dr. Arthur Flehinger Prof. i R. Gymnasiallehrer was named in the ID card: Occupation: "commercial employee now unemployed" 5.6.39 Emigrated to England Died there after the war Anna née Lipsky Non-profit emigration counselling centre: "Mrs. A. Flehinger has credibly proved that her husband in protective custody will emigrate to England (in case of release). Rejected by the tax authorities until the contribution tax (Jewish property tax) has been paid. Curriculum vitae permit after corresponding levy Emigrated to England."

Even the vigorous National Socialist Rot. Clemm, who was well aware of racial ideology, wrote in the confirmation of his resignation on 14 October 1935: "...your cooperation was of such immense value to the club. The Baden-Badener Club owes the foundation and consolidation of its international reputation, which it undoubtedly enjoys today, not least to your outstanding knowledge of the language, your feathered dexterity and your always ready enthusiasm for work.

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Seinerzeit hoch geachteter Professor am Humanistischen Gymnasium (s.VIII Fl, der unser Clubleben sehr bereicherte und der sich, nach der Flucht nach England, umbenannt hat in „Flemming“. Dr. Arthur Flehinger Prof. i R. Gymnasiallehrer im Ausweis benannt: Beruf: “kaufm. Angestellter jetzt arbeitslos“ 5.6.39 Ausgewandert nach England Gestorben dort nach dem Krieg Anna geb. Lipsky Gemeinnützige Auswanderer- Beratungsstelle: „Fr. A. Flehinger hat glaubhaft nachgewiesen, dass ihr in Schutzhaft befindlicher Mann nach England auswandern wird (im Fall einer Entlassung) . Abgelehnt von Finanzbehörde bis Kontributions- Abgabe (Judenvermögensabgabe) entrichtet ist. Lebenslauf Genehmigung nach entsprechender Abgabe Ausgewandert nach England.

Selbst der stramme Nationalsozialist Rot. Clemm, dem bekanntlich die Rassenideologie durchaus geläufig war, schreibt in der Bestätigung seines Austrittes am 14. Oktober 1935: „.gerade Ihre Mitwirkung war dem Club so ungeheuer wertvoll. Nicht zuletzt Ihren hervorragenden Sprachkenntnissen, Ihrer Federgewandtheit und Ihrer stets einsatzbereiten Arbeitsfreude verdankt der Baden-Badener Club die Begründung und Festigung des internationalen Ansehens, das er heute zweifellos genießt." 

Wuelle: v.Wedemeyer, Das Rote Buch, S. 49
Dr. Wilhelm Fraenger

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 5. Juni 1890 in Erlangen – gestorben: 19.2.1964 in Potsdam

Beruf: Direktor der Schloßbibliothek

Klassifikation: Öffentliche Bibliotheken

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Dr. Wilhelm August Ludwig Fraenger (*5. Juni 1890 in Erlangen; † 19.2.1964 in Potsdam)

Der Kunsthistoriker wurde insbesondere von Carl Zuckmayer in dessen Lebenserinnerung als glänzender Rhetoriker und Hieronymus-Bosch-Kenner gewürdigt. Fraenger war seit 1927 Leiter der Schlossbibliothek und wurde 1933 wegen seiner Mitgliedschaft im „Bund der Freunde der Sowjet-Union“ aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten­tums entlassen. Er schlug sich als freier Schriftsteller und Mitarbeiter für literaturmusikalische Sendungen für den Frankfurter und Berliner Rundfunk durch. 1945/46 wurde er Bürger­meister im brandenburgischen Päwesin und Mitglied der KPD. 1947 wurde er in der zunehmend stalinistischen Ostzone der Kollaboration mit den Nazis verdächtigt. Seine Bewerbung auf die Leiterstelle des Kurpfälzisches Museum in Heidelberg scheiterte; er blieb in der DDR. Ab 1953 erfolgte dort seine allmähliche Rehabilitierung. Im Juni 1960 mit dem Vaterländischer Orden in Bronze ausgezeichnet und 1961 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften berufen.

Fraenger war Gründungsmitglied des RC Mannheim, gehörte zum Kreis des damaligen Oberbürgermeisters Hermann Heimerich. Nach der Auflösung und Neugründung des RC Mannheim im Sept. 1933 war er nicht mehr dabei.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel
Dr. Bruno Frank

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Bühnenschriftsteller

Klassifikation: Literatur-Dramatische Kunst

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
The son of a wealthy Jewish banker family, he studied law at several German universities after graduating from high school with a humanistic diploma, but did his doctorate on a literary topic. His brief participation in the First World War was ended by an illness. He first appeared as a poet, then as a novelist, narrator, novelist and playwright. As an acknowledged writer, he was one of the most influential minds in the literary world in the Weimar Republic. From 1916 he settled for a decade in Feldafing near Munich, married Liesl Massary in 1924 and moved to Munich in 1926, where he lived in the immediate vicinity of his older friend Thomas Mann.

One day after the Reichstag fire in 1933, he left his home in clear anticipation of the coming Nazi terror regime. He first lived on Lake Lugano in Switzerland, then alternately in Salzburg and London, at times also in Paris and southern France. In 1937 he emigrated to California, where he died after the end of the war in 1945 without having seen his homeland again. During his emigration he fought literarily and politically against the Third Reich, together with many other well-known exiled authors, and supported his needy colleagues with advice, deeds and money together with his wife.

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Der Sohn einer reichen jüdischen Bankiersfamilie studierte nach dem humanistischen Abitur an mehreren deutschen Universitäten Jura, promovierte jedoch über ein literarisches Thema. Seine kurze Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde durch eine Krankheit beendet. Er trat anfänglich als Lyriker hervor, dann auch als Novellist, Erzähler, Romancier und Dramatiker. Als anerkannter Schriftsteller gehörte er in der Weimarer Republik zu den einflussreichen Köpfen im Literaturbetrieb. Ab 1916 ließ er sich ein Jahrzehnt lang in Feldafing bei München nieder, heiratete 1924 Liesl Massary und zog 1926 nach München, wo er in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem älteren Freund Thomas Mann wohnte.

Einen Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 verließ er in klarer Voraussicht des kommenden NS–Terrorregimes seine Heimat. Er lebte zuerst am Luganer See in der Schweiz, dann abwechselnd in Salzburg und London, zeitweise auch in Paris und Südfrankreich. 1937 emigrierte er nach Kalifornien, wo er nach dem Ende des Kriegs 1945 starb, ohne seine Heimat wiedergesehen zu haben. In der Emigration kämpfte er literarisch und politisch gegen das Dritte Reich, zusammen mit vielen anderen namhaften Exilautoren, und unterstützte zusammen mit seiner Frau seine notleidenden Kollegen mit Rat, Tat und Geld. (Wikipedia)
Wilhelm Friedenthal

Club-Mitgliedschaft(en): Breslau 1932

Eintritt: 10. Februar 1932

Austritt: 29. Januar 1933

Beruf: Mitinhaber Fa. Friedenthal

Klassifikation: Tuchgroßhandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Resigned in 1933. Minutes reports: Club minutes to be sent  to Wilhelm Friedenthal, Friedrich Milch, and Otto Wagner after their departure from the Rotary Club of Breslau,

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Jakob Fuchs

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

geboren: 26. 11. 1870 in Weingarten – gestorben: 18. 4. 1946 in Sao Paulo

Beruf: Fabrikant

Klassifikation: Holzhandlung und Sägewerke

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
managed to emigrate to Canada,
Konnte 1938 nach Kanada auswandern.

Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe, ID 1115
Ludwig Fuld

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 13. February 1877 in Mühlhausen – gestorben: 27. December 1938 in Mannheim

Beruf: Direktor der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft

Klassifikation: Kreditbanken

rotarische Ämter: Schatzmeister 1930 bis 1933

Biographisches: Jewish
Der jüdische Bankier Ludwig Fuld war verheiratet mit Helene, geb. Hofmann. Die Familie hatte drei Kinder. Ludwig Fuld galt als eine Art Selfmademan; er verließ bereits mit 15 die Schule, war Bürojunge in einer Privatbank in Thüringen, arbeitete sich hoch, bis er mit 25 nach Hamburg geschickt wurde, um eine Fabrik zu führen, die der Bank gehörte. 1906 sollte er eine Asphalt-Firma in Berlin übernehmen und die Familie zog nach Schöneberg in Berlin. 1912 erfolgte der Umzug nach Meiningen an der Werra, wo er die Direktion einer Bank übernahm.

1924 wurde Ludwig Fuld nach Mannheim versetzt, ab 1925 war er Vorstand bzw. Direktor der Filiale Mannheim der Deutschen Bank AG. In den frühen 1930er Jahren reiste er fast wöchentlich nach Berlin wegen wichtiger Meetings in Bank- und Wirtschaftskreisen. Er zeigte eine große Ausdauer und nie Stimmungsschwankungen. Seine schweren Depressionen einige Jahre später können nur durch die äußeren Umstände erklärt werden. Denn trotz seiner hervorragenden Fähigkeiten wurden ihm wegen des jüdischen Hintergrunds ab 1933 Kompetenzen entzogen, bis er 1937 vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde. Die Jahrespension von zunächst RM 10.000 wurde schon zum 01.01.1938 auf nur noch 12 RM gekürzt.

Gesellschaftlich isoliert wollte Ludwig Fuld trotz mehrfacher Warnungen Deutschland nicht verlassen, auch weil er seine damals über 80jährige Mutter nicht alleine lassen wollte. Fulds Privatwohnung wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10.11.38 von SA-Leuten geplündert und ausgeraubt. Wenig später erhängte sich der innerlich verzweifelte und gebrochene Mann auf dem Dachboden seines Hauses. Ein örtlicher Nazi verbot der Hausverwaltung zunächst, den Erhängten vom Balken für die Beerdigung abzuschneiden. Der tote Körper blieb dort weitere 10 Tage.

Seinem bereits nach England emigrierten Sohn Dr. Heinz Fuld gelang es gegen Zahlung von 2.000 Pfund („Reichsfluchtsteuer“), die Ausreise der Mutter und Witwe Helene Fuld am 15. April 1939 nach England zu erwirken. Sie erhielt nach 1945 Kapitalentschädigung sowie eine kleine Hinterbliebenen-Rente, wobei Rechtsanwalt Hermann Heimerich das Mandat für die Witwe übernommen hatte. Helene Fuld starb am 17.08.1958 in Southampton. Die Mutter von Ludwig Fuld wurde noch 86jährig 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie im selben Jahr umkam.

Ludwig Fuld bekleidete in den ersten drei Jahren des Clubs das Amt des Schatzmeisters, 1933 wurde er ausgeschlossen.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim



Quelle:  Ulrich Nieß, Karen Strobel: Kommunale Eliten unter Druck . Das Beispiel des Rotary Clubs Mannheim bis 1937, 2019, S. 363 sowie Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim
Dr. jur. August Fürnrohr

Club-Mitgliedschaft(en): München 1935, 1936

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwaltschaft - Steuerrecht

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
 "My colleague, Rotarian friend  Dr. Alfred Karpf, cared for me in a truly exemplary manner out of friendship when the Gestapo harassed me from October 1944 to spring 1945 for the purpose of difficult underground work, and actually saved my life" (see under Karpf).

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 Fürnrohr, Dr. August, Rechtsanwalt. 1945: politisch unbelastet. Seine Frau Maragrete Fürnrohr war Jüdin und bekam 1943 den „Gestellungsbefehl“ nach Theresienstadt, der durch Intervention von Rot. Rechtsanwalt Dr. Alfred Karpf aufgehoben wurde. „Herr Kollege Dr. Alfred Karpf (Rotarier) hat mich, als ich im Oktober 1944 bis zum Frühjahr 1945 seitens der Gestapo zwecks Einziehung zur OT (schwerste Untertagsarbeit) stark bedrängt wurde, aus Freundschaft in einer wahrhaft vorbildlichen Weise betreut und hat mir tatsächlich das Leben gerettet.“
(Erdmann, S. 703)
Dr. Ernst Fürth

Club-Mitgliedschaft(en): Wien 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

geboren: 8. April 1865, Sušice – gestorben: 3. Jänner 1943, Paris

Beruf: Generaldirektor der Solo Zünd­waren u. chem. Fabriken A.-G.

Klassifikation: Zündholzindustrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Ernst Fürth was born on April 8, 1865 as the youngest of 8 children of Daniel Fürth in Sušice  in Bohemia. His father's match factory was one of the first companies in Austria-Hungary to introduce a workers' compensation insurance and a welfare house was built in Sušice. In 1903 SOLO Zündwaren- und Wichsefabriken AG emerged from several match manufacturers, and after World War I the company was significantly expanded. The corporate headquarters were in Vienna.

Ernst Fürth came to Vienna at the age of 11 and later studied chemistry at the University of Vienna. In 1884 he completed his one-year volunteer year, advanced to reserve lieutenant and also studied at the Kaiser Wilhelm Institute in Berlin. Later he took over the company of his father and his uncle Simon. In 1898 he married Elza Roheim and had two daughters.

When Hitler took over Austria in 1938, Ernst Fürth fled with his wife via Czechoslovakia and Switzerland to France. In 1942 he was interned near Paris in the collection and deportation camp for Jews, but released after international interventions by a business friend from Switzerland.

He died in Paris on 3 January 1943, exhausted and ill. His daughter Eva had tried in vain to organize an entry visa to the USA through acquaintances, but it arrived too late at the US embassy in Paris. Since May 1941 nobody was allowed to leave France.


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Ernst Fürth wurde am 8.April 1865 als jüngstes von 8 Kindern von Daniel Fürth in Sušice (deutsch Schüttenhofen in der Nähe von Plze?) in Böhmen (heute Tschechische Republik) geboren. Als eines der ersten Unternehmen führte es in Österreich-Ungarn eine Betriebsarbeiterunfallversicherung ein, und es wurde auch ein Fürsorgehaus in Sušice errichtet. 1903 entstand aus mehreren Zündholzherstellern die SOLO Zündwaren- und Wichsefabriken AG, und nach dem 1. Weltkrieg wurde das Unternehmen um Produktionsstätten in Sušice, Straconice sowie in Österreich in Linz (Oberösterreich) sowie in der Steiermark in Stainz und Deutschlandsberg und ab 1914 in St. Pölten (Niederösterreich) deutlich erweitert. Die Konzernzentrale war Wien.

Ernst Fürth kam im Alter von 11 Jahren nach Wien, besuchte das Akademische Gymnasium und studierte an der Universität Wien Chemie. 1884 absolvierte er sein Einjährigen-Freiwilligen-Jahr, avancierte zum Reserveleutnant und studierte auch am Kaiser Wilhelm Institut in Berlin. In späterer Folge übernahm er das Unternehmen seines Vaters und seines Onkels Simon - auch in der Tschechischen Republik, wo die Betriebe nunmehr als Vereinigte tschechoslowakische Zündhölzer und Kienholz-fabriken geführt wurden. 1927 kaufte der schwedische Großunternehmer Ivar Kreuger einen Teil der Aktien, Ernst Fürth konnte aber eine Totalübernahme verhindern. 1898 hatte er Elza Roheim geheiratet; mit ihr hatte er zwei Töchter Margarete (Gretl) und Eva.

Nach dem „Anschluß“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 flüchtete Ernst Fürth mit seiner Frau über die Tschechoslowakei und die Schweiz nach Frankreich (zuerst Paris, dann Nizza sowie weiter nach Arcachon bei Bordeaux). 1942 wurde er in der Nähe von Paris in dem Sammel- und Deportationslager für Juden interniert, aber nach internationalen Interventionen eines Geschäftsfreundes aus der Schweiz, Frederic Reyfer, und seiner Frau Ella Fürth freigelassen.

Entkräftet und krank starb er aber 3. Jänner 1943 in Paris. Vergeblich hatte seine Tochter Eva über Bekannte versucht, ein Einreisevisum in die USA zu organisieren, das dann aber zu spät in der US-Botschaft in Paris ankam. Seit Mai 1941 durfte niemand mehr Frankreich verlassen.

Verwendete Quellen: Aus dem Findbehelf seines Nachlasses im Leo Baeck Institute, Center for Jewish Historty in New York (http://digifindingaids.cjh.org/?pID=3468252) und https://de.wikipedia.org/wiki/Solo_(Zündhölzer)
Prof. Dr. med. Eugen Galewsky

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

geboren: 6. Februar 1864 in Breslau – gestorben: 15. Februar 1935 in Dresden

Beruf: Hautarzt

Klassifikation: Medizin - Dermatologie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: jüdisch Eugen Emanuel Galewsky (6. Februar 1864 in Breslau - 15. Februar 1935 in Dresden), bedeutender Dermatologe

Eugen Galewsky studierte Medizin in Breslau und Freiburg i. B. 1887 wurde es zum Dr. med. promoviert. 1891 ließ er sich als frei praktizierender Dermatologe in Dresden nieder. Eugen Galewsky beschäftigte sich mit Moulagen, farbige dreidimensionale und lebensgroße Abformungen von Körperteilen zur naturnahen Wiedergabe menschlicher Krankheitsbilder. 1902 konnte er Karl August Lingner überzeugen, die Ausstellung Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung 1903 als dessen erste Gesundheitsausstellung zu gestalten. Seine Moulagen spielten in der Ausstellung eine bedeutende Rolle. Sein Ausstellungspavillon hatte den Beinamen „Galewskys Schreckenskammer“.

Die große Resonanz der Ausstellung ließ sie auch in Frankfurt am Main, München und Kiel präsentieren.1912 wurde er zum Professor ernannt. Er führte die Therapie der Schuppenflechte ein. Im Jahr 1925 richtete Galewsky gemeinsam mit Johannes Werther den 14. Kongress der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft aus. Bedeutend war sein Einsatz als Regierungskommissar für den Erlass des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten von 1927.

Seit 1933 war er Schikanen ausgesetzt, seine Praxis boykottiert. Er starb 1935 an Herzversagen, wobei ein Suizid nicht ausgeschlossen werden kann.

Quelle: Albrecht Scholz: Jüdische Ärzte in Dresden im 20. Jahrhundert. In: Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Zwischen Integration und Vernichtung – Jüdisches Leben in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert (= Dresdner Hefte – Beiträge zur Kulturgeschichte. Nr. 45. Dresden 2000oto über Stadtarchiv Dresden angefragt.
Dr. phil. mult. Dr.. Leo Gans

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1929 1930 1931 1932 1933 1934

Austritt: weder Austritt noch Ausschluss

geboren: 4.8. 1843 Frankfurt – gestorben: 14.9. 1935 Frankfurt

Beruf: Geh. Kommerzienrat

Klassifikation: Geh. Kommerzienrat

rotarische Ämter: Ehrenmitglied 1929 - 35

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Leo Gans belongs, although Jew, not to the persecuted or excluded members, he remained, according to the weekly reports, esteemed honorary member and was welcome in the club until his natural death in 1935. (Frank Berger, Mail of 4.2.19) The honorary member Geh. Kommerzienrat Dr. Leo Gans, who as a Jew had converted to Protestantism, congratulated the club on his 90th birthday. (Prot. v. 9. August 1933) After a longer absence Goose could be welcomed in November once again after a longer break in the club, combined with the desire to see him more often in these circles in the future (Prot. v. 7. November 1933, from Frankfurt, 2019).

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Leo Gans gehört, obwohl Jude, nicht zu den Verfolgten oder ausgeschlossenen Mitgliedern, er blieb ausweislich der Wochenberichte geschätztes Ehrenmitglied und war im Club willkommen bis zu seinem natürlichen Tod 1935.(Frank Berger, Mail vom 4.2.19) Dem Ehrenmitglied Geh. Kommerzienrat Dr. Leo Gans, der als Jude zum Protestantismus konvertiert war, gratulierte der Club zu seinem 90. Geburtstag. (Prot. v. 9. August 1933) Nach längerer Abwesenheit konnte Gans im November wieder einmal nach längerer Pause im Club begrüßt werden, verbunden mit dem Wunsch, ihn zukünftig öfter in diesenm Kreise zu sehen (Protokoll vom 7. November 1933)

Quelle: Wikipedia-Artikel sowie Mail von Rot. Frank Berger, Frankfurt, an P. Diepold vom 4. 2. 2019).
Prof. Willi Geiger

Club-Mitgliedschaft(en): Leipzig 1929 1930 1931 1932 1933

Eintritt: 1929-06-11

Austritt: 1933-11-14

Beruf: Akademieprofessor

Klassifikation: Malerei

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
He was denounced after a "stupid remark" about Hitler, had to give up his Leipzig teaching position at the Academy for Graphic Arts and Book Trade and moved to Munich.

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Verehrer Mussolinis; wurde nach "dummer Bemerkung" über Hitler denunziert und musste sein Leipziger Lehramt an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe aufgeben und siedelte nach München über.
Prof. Dr. Karl Geiler

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

Beruf: Rechtsanwalt, Universitätsprofessor

Klassifikation: Universität, Rechtswlssenschatt

rotarische Ämter: 1. Vizepräsident 1930, 1931, 2. Vizepräsident 1932

Biographisches:
Prof. Dr. Karl Geiler (* 10. August 1878 Schönau (Baden); † 14. Sept. 1953 Heidelberg)

Als Sohn eines Staatsanwalts geboren, studierte Karl Geiler Rechtswissenschaften und ließ sich 1904 als Rechtsanwalt in Mannheim nieder. Er trat 1909 in die Kanzlei von Ernst Bassermann und Anton Lindeck ein. Dort las er seit 1909 an der Handelshochschule gleichzeitig über Handels-, Wirtschafts- und Steuerrecht. Diese Fächer vertrat er seit 1921 auch an der Universität Heidelberg, zuerst als Privatdozent und seit 1929 als Professor. Bereits 1919 hatte er mit einem Vortrag über Gesellschaftliche Organisationsformen des neueren Wirtschaftsrechts vor dem Mannheimer Anwaltsverein vor Max Hachenburg brilliert, bei dem er für die zweite Auflage des Düringer-Hachenburg mitgearbeitet hatte. Geiler verfasste 1930 anlässlich des 70. Geburtstags Hachenburgs  ein Schauspiel. 1933 (?) trat er in die Kanzlei von Wilhelm Zutt über. Seine Lehrtätigkeit wurde ihm im August 1939 entzogen, weil seine jüdische Ehefrau Charlotte geb. Hirsch aus Karlsruhe nicht den nationalsozialistischen Rassegesetzen entsprach. Mitte Oktober 1945 wurde er von der amerikanischen Militärregierung als Ministerpräsident an die Spitze des neugeschaffenen Staates Hessen berufen. Der Ministerpräsident vertrat den Staat gegenüber der Militärregierung, er übte die alleinige Gesetzgebungsbefugnis aus, wenn auch unter Berücksichtigung von Mehrheitsbeschlüssen des Kabinetts, das sich aus parteilosen Mitgliedern sowie aus Mitgliedern von SPD, CDU und KPD zusammensetzte.

Anfang 1946 fanden die ersten Wahlen für die Gemeinde- und Kreisvertretungen in Hessen statt. Am 30. Juni 1946 wurde mit der Wahl zur Verfassungsberatenden Landesversammlung erstmals auf Landesebene demokratisch gewählt. Die Versammlung arbeitete einen Verfassungsentwurf aus, der in einer Volksabstimmung angenommen wurde, die gleichzeitig mit der ersten Landtagswahl am 1. Dezember 1946 stattfand, womit die Amtszeit Geilers faktisch endete.

Im Juni 1947 wurde Karl Geiler zum Ordinarius für internationales Recht an der Universität Heidelberg ernannt, von 1948 bis 1949 war er deren Rektor. Als Jurist hochgeachtet, beschäftigte er sich immer mehr mit allgemeinen rechts- und gesellschaftspolitischen Fragen, wirkte als Präsident der deutschen Europa-Akademie und Präsident der deutsch-französischen Gesellschaft in der europäischen Bewegung mit. Er trat als Autor zahlreicher rechtswissenschaftlicher Werke hervor und arbeitete bis zu seinem Tode als Rechtsanwalt in Mannheim. Intensive und freundschaftliche Kontakte unterhielt er auch nach 1933 mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Heimerich, den er wohl auch juristisch vertrat bzw. beriet.

Geiler war Gründungsmitglied und Vizepräsident des Clubs, musste diesen 1933 wegen seiner jüdischen Ehefrau verlassen, nach 1945 ist er nicht mehr dabei.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel
Oberbaurat Dipl.-Ing. Bernhard Moritz Gerbel

Club-Mitgliedschaft(en): Wien 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

geboren: 19.3.1879

Beruf: Beh. aut. u. beeid. Zivil -Ingenieur (techn Anwalt)

Klassifikation: Zivil-Ingenieur für Maschinenbau u. Elektrotechnik

rotarische Ämter: Direktor 1931

Biographisches: Jewish
Bernhard Moritz Gerbel was an internationally renowned expert in mechanical and electrical engineering and was also active in the Austrian Trade Association until 1936. He survived the Second World War and the Holocaust and published even after 1947. As a Rotarian, he co-founded 33 clubs in Romania, Poland, Hungary, Yugoslavia, Bulgaria and Greece by 1935.

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Ing. Bernhard Moritz Gerbel war ein international renommierter Fachmann für Maschinenbau und Elektrotechnik und bis 1936 auch im Österreichischen Gewerbeverein aktiv. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust und publizierte auch noch nach 1947. Als Rotarier hatte er bis 1935 insgesamt 33 Clubs in Rumänien, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und Griechenland mitbegründet. (Rathkolb, 2018)
Dr. jur. Karl Goerdeler

Club-Mitgliedschaft(en): Leipzig 1936

Beruf: Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: 1936 zum Ehrenmitglied gewählt

Biographisches:
Carl Friedrich Goerdeler (31 July 1884 – 2 February 1945) was a monarchist conservative German politician, executive, economist, civil servant and opponent of the Nazi regime. He opposed some of the anti-Jewish policies while he held office and was opposed to the Holocaust.

Had the 20 July plot to assassinate Hitler of 1944 succeeded, Goerdeler would have served as the Chancellor of the new government. After his arrest, he gave names of numerous co-conspirators to the Gestapo, causing the arrests and executions of hundreds or even thousands of others. He was executed by hanging on 2 February 1945. (Wikipedia 2019)

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Goerdeler war Ehrenmitglied des RC Leipzig.

Carl Friedrich Goerdeler
(* 31. Juli 1884 in Schneidemühl, Provinz Posen; † 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Jurist, Politiker (DNVP) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Goerdeler gehörte zu den führenden zivilen Köpfen der Widerstandsbewegung und sollte nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, an dessen Planung er maßgeblich beteiligt war, das Amt des Reichskanzlers übernehmen. Goerdeler entstammte einer preußischen Beamtenfamilie. Er war seit 1911 Kommunalpolitiker und von 1930 bis 1937 Oberbürgermeister von Leipzig. Geistig orientierte Goerdeler sich an der preußischen Tradition und einem wirtschaftsliberalen Wertkonservatismus. Der Verwaltungsfachmann war in den 1920er Jahren mehrfach als Reichskanzler im Gespräch, bevor er 1931/32 und 1934/35 das Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung innehatte. Die Machtübertragung an die NSDAP Anfang 1933 bewertete Goerdeler zunächst positiv. Aus seiner konservativen Weltanschauung heraus weigerte er sich jedoch von Anfang an, Mitglied der Partei zu werden, und entwickelte sich bis 1936 zu einem entschiedenen Gegner des NS-Regimes. Als die Nazis im November 1936 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Leipziger Denkmal des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy aufgrund dessen jüdischer Herkunft beseitigten, trat Goerdeler demonstrativ vom Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig zurück. In den folgenden Jahren reiste er durch die Staaten der Westmächte, um vor dem Nationalsozialismus zu warnen und die alliierten Regierungen zu beraten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges bildete sich um Goerdeler ein konservativer Kreis des zivilen Widerstands heraus, der das Ende der NS-Herrschaft herbeiführen wollte. Dieser sogenannte „Goerdeler-Kreis“ war ein geistiges Zentrum der Opposition gegen Hitler und verfügte über zahlreiche Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen, insbesondere zum militärischen Widerstand um Ludwig Beck. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli wurde Goerdeler im August 1944 denunziert, vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.[1]
(Quelle: Wikipedia 2019)

Prof. Dr. Eman Goldberg

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933

geboren: 1881 in Moskau – gestorben: 1970 in Tel Aviv

Beruf: Hochschulprofessor, Direktor Zeiß Ikon A. G.

Klassifikation: Fabrik photogr.-opt. Apparate

rotarische Ämter: keine

Biographisches: jewish
Emanuel Goldberg (31. August 1881 in Moskau - 13. September 1970 in Tel Aviv) Chemiker, Techniker und Erfinder.

Emanuel Goldberg ist einer der Gründer von Zeiss Ikon. Zu seinen Erfindungen auf den Gebieten der Fotografie gehören der Mikropunkt, die Filmkamera Kinamo und die Contax-35-mm-Kamera. Emanuel Goldberg ist Sohn russischer Eltern. Von 1900 bis 1904 studierte er Chemie in Universität und anschließend an verschiedenen deutschen Universitäten. 1906 promovierte er in Leipzig.

Weges des russischen Antisemitismus kehrte er nicht in seine Heimat zurück. 1907 wird Emanuel Goldberg Professor an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, wo er in Reproduktionsfotografie unterrichtete. 1917 wurde Goldberg Direktor der Internationalen Camera Actiengesellschaft in Dresden. In der 1926 durch einen Zusammenschluss von vier Firmen entstandenen Zeiss Ikon war er in als Generaldirektor.

1933 wurde Emanuel Goldberg und ein Mitarbeiter durch SA-Leute von seinem Labor weg an einen unbekannten Ort entführt. Erst die persönliche Intervention des Zeiss Ikon-Vorstandes über den Staatskommissar Killinger beim Polizeipräsidenten bewirkte seine Freilassung. Unter Druck übernahm er dann die Zeiss Ikon-Niederlassung Ikonta in Paris. Nach Austrittsverhandlungen mit dem Zeiss-Konzern emigrierte er 1937 nach Tel Aviv. Dort gründete er ein Labor für Feinmechanik. 1960 trat Emanuel Goldberg in den Ruhestand.

Quelle: Klaus Mauersberger: Emanuel Goldberg – ein jüdischer Wissenschaftler und Unternehmer, Serie Hochschulalltag in der NS-Zeit. In: Dresdner Universitätsjournal 12/2002
Dr. phil. Rudolf Karl Goldschmidt

Club-Mitgliedschaft(en): Heidelberg 1931 1932

Beruf: Feuilletonleiter Tagesblatt

Klassifikation: Publizistik - Kritik

rotarische Ämter: Schriftführer 1931/32

Biographisches:
"Im März 1933 sind die Herren Otto Winter und [Wilhelm] Ludowici als Heidelberger Rotarier an den Vorstand des RC mit dem Ansinnen herangetreten, den Club situationsgemäß zu „reinigen“,  d.h. die jüdischen und auch die „demokratischen“ Mitglieder abzustoßen; zu den letzteren wurden die Herren Bergius, R.K.Goldschmit und meine Wenigkeit [Hellpach] gerechnet. 

Der Vorstand beschloss daraufhin die Selbstauflösung. "Es überwog von Anfang an die Auffassung, dass dann der Club lieber seine Selbstauflösung vollziehen müsse, als dass er sich dazu hergebe, Mitglieder aus politischen Gründen auszustoßen."

Quelle: Bettermann, 2014  
Konsul Dr. Robert Gorlitt

Club-Mitgliedschaft(en): München 1932

Beruf: Mitglied Vorstand Bayrische Vereinsbank

Klassifikation: Hypothekenbankwesen

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
Bereits am 4. April 1933 zusammen mit Thomas Mann, Bruno Frank, Heinrich Rheinstrom, Konsul Felix Sobotka und Karl Wolfskehl.aus dem Club ausgestoßen. Gorlitt schied nach längerem „Krankheitsurlaub“ mit Wirkung zum 15. April 1933 auf eigenenWunsch aus dem Vorstand der Vereinsbank aus und trat wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand. (Erdmann, S. 405 und 927)


Dr. phil. Alfred Gramsch

Club-Mitgliedschaft(en): Wilhelmshaven-Rüstringen 1934 1935 1936, 1937

Eintritt: 1934-12-18

Austritt: 1937-10-15

Beruf: Oberstudiendirektor Leiter Köinigin- Luise-Schule

Klassifikation: Schulwesen

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Critical of the Nazis, a member of the Bekennende Kirche and the HermannEhlers-Kreis, he was dismissed as principal of the Wilhlemshaven high school and his pension in early retirement was reduced. Wealthy Rotarian friends supported him financially.

After the war, he was reinstated as principal of the high school in Oldenburg, then became supervisor of the school system, and  finally minister in the Oldenburg government. A member of the Christian Democrats, he was elected to the state parliament of Lower Saxony.

Alfred Gramsch was a founding member of the Rotary Club Oldenburg. He was close to the confessing church and the Hermann Ehlers circle. Also for this reason he was probably discredited.

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Er wurde als Gymnasialdirektor behördlich abgesetzt und seine Pension im vorzeitigen Ruhestand wurde auch gekürzt. Wohlhabende rotarische Freunde unterstützen ihn finanziell. Nach dem Krieg wurde er zunächst als Gymnasialdirektor in Oldenburg wieder eingesetzt, wurde dann Oberschulrat und schließlich Ministerialdirektor in der oldenburgischen Regierung. Dann saß er im niedersächsischen Landtag für die CDU. Er war Gründungsmitglied des Rotary Clubs Oldenburg. Er stand der bekennenden Kirche und dem Hermann Ehlers Kreis nah. Auch deshalb wurde er wahrscheinlich diskreditiert.
Dr. Siegfried Gumbel

Club-Mitgliedschaft(en): Heilbronn/N. 1931, 1932, 1933, 1934

Eintritt: Gründungsmitglied

geboren: 22. September 1874 in Heilbronn – gestorben: 27. Januar 1942 in Dachau

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwalt

rotarische Ämter: 1. Schriftführer 1931-1933

Biographisches: Jewish
 A direct consequence of the political upheavals resulted on 11 April: Jewish secretary Siegfried Gumbel resigned from his office "for reasons of expediency". The club accepted this step, but at the same time gave this friend an "overwhelming demonstration of human, national and Rotarian trust."   Gumbel left the club on April 2, 1935 "out of loyalty to the cause of the club and concern for its favorable development".

He died in a concentration camp in 1942.

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Gumbel, Siegfried, geboren am 22. September 1874 in Heilbronn / - / Württemberg
wohnhaft in Heilbronn und Stuttgart
Inhaftierung: 14. November 1941 - 27. Januar 1942, Dachau, Konzentrationslager
Todesdatum: 27. Januar 1942, Todesort: Dachau, Konzentrationslager

Eine direkte Konsequenz aus den politischen Umwälzungen ergab sich am 11. April: Der -jüdische - Sekretär Gumbel legte "aus Zweckmäßigkeits- gründen" sein Amt nieder. Der Club akzeptierte diesen Schritt, brachte aber gleichzeitig diesem Freund einen "überwältigenden Vertrauensbeweis menschlicher, nationaler und rotarischer Art" entgegen. 27 (Schrenk, S. 168) 1933 auf und trat am 2. April 1935 "aus Treue zur Sache des Klubs und aus Sorge um dessen günstige Weiterentwicklung" aus dem Club aus; er starb 1942 in KZ Dachau

Quellen: Bundesarchiv Gedenkbuch, Schrenk, S. 174f
Richard C. Gütermann

Club-Mitgliedschaft(en): Freiburg i. B. 1932 1933 1934 1935 1936, 1937

Eintritt: 1933-03-18

geboren: 3.4.1892 – gestorben: 8.12.1979

Beruf: Nähseiden-Fabrikant, Vorsitzender der Gütermann & Co., Gutach/Breisgau

Klassifikation: Textilindustrie, Seidenindustrie

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: "Jewish" according to Nazi ideology
Richard C. Gütermann was an active church member, but had Jewish great-grandparents, who had turned Protestant. The Nazis repressed the company and its management as "not purely Aryan", which led to considerable economic damage. The company managers were arrested in September 1938 under the false for allegedly wanting to flee Germany and not having declared assets abroad. Richard C. Gütermann and his cousins remained in pre-trial custody until December, when all false accusations were completely cleared up. His brother-in-law Otto Welter was not up to the mental torture and committed suicide in prison, his cousin Kurt had already been sentenced to fines and imprisonment for alleged foreign exchange offences. Brother Oskar died in November by accident in the psychiatric hospital. Richard C. Gütermann was deprived of all public and economic honorary offices (Chamber of Commerce, Commercial Court, Pan-Europa Union, Technical Supervision Association, Mayors Office, etc.) as well as civil rights.

After the conclusion of a submission trial, the customs treason proceedings against Richard C. Gütermann were finally stopped in March, 1940, and he resumed his activities, leading the family company with determination and foresight through the war and post-war years. He was the backbone of the company and the family in these difficult times, which became even more acute at the end of 1944 due to the Nazi regime.

After the self-disbandment of the Freiburg Rotary Club in October 1937, he kept in contact with some of his club friends. They would meet sporadically to so-called gentlemen evenings in the old club restaurant "Zähringer Hof", up to its destruction on 27 November 1944 and later sporadically in the private houses of some members. In the difficult time after the bombing of Freiburg in November 1944, they helped each other with food and building materials. As early as August 1945, Richard C. Gütermann applied to the French military government for the re-establishment of the club.

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Richard C. Gütermann war evangelisch, hatte jedoch Urgroßeltern mit jüdischer Religionszugehörigkeit, die sich aber später dem protestantischen Glauben mit aktiver Beteiligung am kirchlichen Leben zuwandten. Von 1933 bis 1938 gab es dennoch Repressalien der Nazis gegen die Firma und das Management. Die aus Sicht des Regimes "nicht rein arische" Firma wurde von der Belieferung der "Reichszeugmeisterei der NSDAP" ausgeschlossen und damit bei ihren Kunden mit erheblicher wirtschaftlicher Schädigung diffamiert. Die Unternehmensleitung wurde am 24.09.38 durch die Zollfahndungsstelle Freiburg unter der falschen Verdächtigung und Begründung verhaftet, das Land endgültig verlassen zu wollen und Vermögenswerte im Ausland nicht angegeben zu haben.

Richard C. Gütermann blieb mit seinen Vettern bis zur restlosen Aufklärung der falschen Beschuldigungen bis zum 22.12.1938 in Untersuchungshaft. Schwager Otto Welter war den seelischen Torturen nicht gewachsen und verübte Suizid in der Haft, Vetter Kurt wurde schon zuvor wegen angeblichem Devisenvergehens zu Geldstrafe und Zuchthaus verurteilt. Bruder Oskar starb am 11.11.38 durch Unfall in der psychiatrischen Klinik. Die Herren Gütermann wurden aller öffentlichen und wirtschaftlichen Ehrenämter enthoben (Handelskammer, Handelsgericht, Pan-Europa Union, Technischer Überwachungsverein, Bürgermeisteramt u.a.m.) sowie bürgerliche Rechte entzogen. Das NSDAP Mitglied Herr Oberregierungsrat a. D. Dr. Johann Heinrich Wilckens (bisher Reichswirtschaftsministerium Berlin) wurde daher am 1.04.39 als weiterer Geschäftsführer zur Zukunftssicherung des Unternehmens und den Verkehr mit den Behörden eingesetzt.

Das Zollverratsverfahren gegen Richard C. Gütermann als Leiter der Geschäftsführung wurde schließlich nach Abschluß einer Unterwerfungsverhandlung Anfang März 1940 endgültig aufgehoben. Nachdem Richard C. Gütermann seine Tätigkeit im Januar 1939 wieder aufnahm, führte er die Familienfirma mit Entschlossenheit und Weitsicht durch die weiteren Kriegs- und Nachkriegsjahre. Er war in diesen schweren Zeiten, die sich gegen Ende 1944 durch die NS noch weiter zuspitzten, das Rückgrat der Firma und der Familie.

Nach der Selbstauflösung des akademisch-wissenschaftlich geprägten Freiburger Rotary Clubs im Oktober 1937, führte Richard C. Gütermann zu einigen seiner Clubfreunde wie Eucken, Brenzinger, Mez, v. Hohenzollern) seine Verbindungen fort. Man traf sich sporadisch zu sog. Herrenabenden im alten Club-Lokal „Zähringer Hof“, bis zu dessen Zerstörung am 27. November 1944 und später vereinzelt in den Privathäusern einiger Mitglieder (Brenzinger, Staudinger, Mez). Man half sich in der fortan schweren Zeit nach dem Novemberangriff mit Lebensmitteln und Baumaterialien. Aber schon im August 1945 ist Richard C. Gütermann Antragsteller bei der französischen Militärregierung zur Wiederbegründung des Clubs. Vorausgegangen war ein Treffen bei Clubfreund Mez, der im Mai 1945 auf Initiative Brenzinger bereits mehr als die Hälfte der alten Clubfreunde wieder zu sich ins Privathaus eingeladen hatte, um über eine mögliche Wiederbegründung zu sondieren, auch wenn die französische Besatzungsmacht jede Vereinsbildung strikt verboten hatte. Die durch Richard C. Gütermann vorgelegte „Liste des Membres de L’Ancien Rotary Club de Fribourg dissout par la Reichsleitung du Parti“ sollte dann, nach den bis dahin eingeleiteten NS-Überprüfungen von Staatswegen, die neue Mitgliederbasis zur Wiederbegründung bilden. Am 17. November 1949 wurde dann der wiederauferstehende Club gegründet.

(Informationen aus: "80 Jahre Rotary Club Freiburg" von Viktor Vanberg / Eberhard Breckel (Hrsg.) Verlag Herder GmbH, 2015; "Die Gütermanns - eine Familiengeschichte, Die dritte Generation" von Alexandra Gütermann, 2010; "An einem seidenen Faden" von Alexandra Gütermann, 2018, aus einer Mail von Richard P. Gütermann an Wilfried Gehart vom 9. April 2019)
Leon Guttmann

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Beruf: Inhaber der Fa. Guttmann & Widawer

Klassifikation: Eisenexport Guatemala

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Ich habe die Informationen von der jüdischen Gemeinde in Hamburg bekommen L.G., Inhaber der Firma Guttmann und Widawer in Hamburg, Export nach Guatemala, Generalkonsul von Rumänien, war ein  sehr angesehner und  vermögender jüdischer HamburgerKaufmann, der einen „beträchtlichen“ Teil seines Vermögens der Universität Hamburg und einem Hamburger Krankenhaus (Israelitisches?) vererbte (nach seinem Brief an einanderes Mitglied unseres Clubs). Ihm gehörte u.a das sog. „Judenhaus“ in derLenhartzstr. 3 in HH-Eppendorf, wo viele Juden untergebracht waren, die ihreursprüngliche Wohnung verlassen mussten, und die später deportiert und ermordet wurdenoder fliehen konnten. Guttmann verlies Hamburg 1934 nach Guatemala, kehrte 1937 noch einmal kurz zurück und ging dann endgültig nach Guatemala, wo er die Staatsangehörigkeit erwarb. Er starb am 16.9.1947 in Guatemala.

Quelle: PDF Gert Voltz, Mail vom 11.2.19 an Peter Diepold, 
Leon Guttmann, Hamburg: S. 262-267 inhttp://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/142/pdf/HamburgUP_HHF06_Berth.pdf [hup.sub.uni-hamburg.de]
Prof. Dr. Max Hachenburg

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1931, 1932

geboren: 1. 10. 1986 in Mannheim – gestorben: 23.9.1951 in Berkeley

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Reichswirtschaftsrat

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
From 1878 studied law in Heidelberg, Leipzig and Strasbourg. 1885 Admitted to the Mannheim bar.

From 1933 increasing repression by the Nazis. His apartment and his office were devastated in 1938. On 30 November 1938, his name was deleted from the bar as a lawyer.

Max Hachenburg escaped to Zurich in June 1939, later on to England, and iIn 1946 moved to the United States.

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 Prof. Dr. Max Hachenburg (1. Okt. 1860 in Mannheim, † 23. November 1951 in Berkeley (Kalifornien))

Seine ersten publizistisch-juristischen Lorbeeren errang Max Hachenburg mit seiner 1887 veröffentlichten Studie über „Das badische Landrecht unter Berücksichtigung des Rheinischen Rechts annotiert nach der Rechtssprechung der deutschen Gerichte“. Zu seinen wichtigsten Leistungen gehörte der zusammen mit dem Mannheimer Richter Adelbert Düringer (1855-1924) herausgegebene, mehrbändige Kommentar zum Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897. Damit begründete Hachenburg seinen Ruf als Wirtschaftsjurist, im Laufe der Jahre stieg er zur maßgeblichen Autorität auf dem Gebiet des Handels- und Aktienrechts auf.

Bereits 1927 publizierte er seine Lebenserinnerungen, auch sie stilistisch eher nüchtern und zurückhaltend im Ton, aber voller kenntnisreicher und kluger Beobachtungen über seine Zeit. In ihnen schildert Hachenburg, Sohn eines jüdischen Kaufmanns und einer Rabbinertochter aus einer alteingesessenen Mannheimer Familie, seinen Werdegang vom Musterschüler am Großherzoglichen Gymnasium, dem heutigen Karl-Friedrich-Gymnasium, bis hin zu seiner Tätigkeit als gefragter Rechtsanwalt und als parteiloses Mitglied des Reichswirtschaftsrats in Berlin zwischen 1920 und 1926. 1930 stand er im Zenit seines Ruhmes. Er erhielt aus der Hand von Oberbürgermeister Heimerich die goldene Bürgermedaille der Stadt verliehen.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, blieb Hachenburg aufgrund seines hohen Renommees noch anfänglich von größeren Repressionen verschont und konnte als Rechtsanwalt bis November 1938 arbeiten. Die Verschleppung seines Sohnes Hans ins Konzentrationslager Dachau, die Verwüstung der Heidelberger Wohnung und der Mannheimer Kanzlei im Novemberpogrom 1938 machten ihm jedoch unmissverständlich klar, dass nur die Emigration blieb. Sie erfolgte im Juni 1939 über die Schweiz nach England und dann im Mai 1946 ins kalifornische Berkeley.

Seine Tochter Liese musste er in Heidelberg zurücklassen. Sie wie die zweite Tochter Margaretha Bing, deren Mann Fritz Bing und ihr Kind Heinz wurden ebenso Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wie die Schwägerin Olga Strauß und deren Mann Sigmund Strauß. Strauß wie Fritz Bing hatten jahrzehntelang in der Kanzlei Hachenburgs gearbeitet.

Bis zuletzt schrieb Hachenburg in Berkeley juristische Kommentare zu aktuellen Fragen wie dem Rückerstattungsgesetz. Ressentiments, Hass, Bitterkeit oder der Bruch mit der Heimat lagen ihm stets fern. Als bewusstes Sühnezeichen verlieh ihm die Stadt Mannheim 1949 die Ehrenbürgerwürde, auch wenn er sie persönlich als 89-Jähriger nicht mehr entgegennehmen konnte. Nach seinem Tode 1951 wurde seine Urne im Familiengrab wunschgemäß neben seiner 1933 verstorbenen Gattin Lucie geb. Simons aus Düsseldorf auf dem jüdischen Friedhof in Mannheim beigesetzt.

Hachenburg wurde am 1. Dez. 1930 in den Club aufgenommen und war 1933 wegen seines jüdischen Hintergrunds nicht mehr dabei.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim
Prof. Dr. Lucien Albert Hahn

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt/M. 1929 1930 1931 1932

Austritt: 1933

geboren: 1889 Frankfurt – gestorben: 1986 Frankfurt

Beruf: Direktor der dtsch. Effekten- und Wechselbankk

Klassifikation: Kreditbanken

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Lucien Albert Hahn (1889-1986) came from one of the oldest Jewish families in Frankfurt. He studied law and philosophy. From 1919 he was a member of the board of the family-owned Deutsche Effecten und Wechsel-Bank AG. From 1928 to 1933 he was an honorary professor at Frankfurt University as a respected economist. The Rotarians Lehmann, Hirsch, Swarzenski and Riezler belonged to his personal circle of friends.

"Red. Dr. Hahn, who was Jewish, resigned his membership due to "too frequent absences. We returned his sincere greetings and wishes in the same friendly spirit." (Club minutes of November  24, 1933,)

He emigrated to Switzerland in 1936. After the war he returned to Europe, taught again in Frankfurt and was a member of the supervisory board of his bank as before. He donated the fountain of Mercury and received the Frankfurt plaque of honour
Reichsminister a. D. Dr. Eduard Hamm

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936 München 1937

Beruf: Reichsminister a. D.

Klassifikation: Reichsminister / Altmitglied

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
In 1922/23 Eduard Hamm was state secretary in Berlin in the central Reich government under Chanvellor Wilhelm Cuno, and from November 1923 to January 1925 Reich Minister of Economis under Chancellor Wilhelm Marx.

From 1925 to 1933 he was executive member of the presidium of the German Chambers of Industry and Commerce, member of the Provisional Reich Economic Council and editor of the German Business Newspaper, in which he criticized, among other things, the economic program of the Nazi party.

As early as 1920/1921, Hamm had denounced the "anti-Semitic agitation" of the National Socialists in the Bavarian cabinet and applied for a ban on the Nazi Völkischer Beobachter.  When the Nazi regime took power, Hamm was retired in 1933.

He retired from active political life and in the following years worked as a lawyer in Berlin and Munich. He continued to cultivate his contacts, above all with the Resistance Circle around Otto Geßler, Franz Sperr and Carl Friedrich Goerdeler. In the event of a coup, he was assigned to the shadow cabinet of Beck/Goerdeler as state administrator for Bavaria. After the assassination attempt on 20 July 1944, Hamm was arrested by the Gestapo in the course of the "Gitter" campaign on 2 September and taken to the Lehrter Strasse cell prison, where he died. According to a Gestapo official, he threw himself out of the window during an interrogation and died from the fall. The suicide thesis was later taken up repeatedly in literature and interpreted in such a way that Eduard Hamm wanted to avoid revealing the names of confidants in this way. (Wikipedia)

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1922/1923 war Eduard Hamm Staatssekretär in der Reichskanzlei unter Wilhelm Cuno, vom 30. November 1923 bis zum 15. Januar 1925 schließlich Reichswirtschaftsminister unter Reichskanzler Wilhelm Marx.

Nach seinem Ausscheiden aus der Reichsregierung war Hamm von 1925 bis 1933 geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Deutschen Industrie- und Handelstages, Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates und Herausgeber der Deutschen Wirtschaftszeitung, in der er unter anderem das Wirtschaftsprogramm der NSDAP kritisierte.

Schon 1920/1921 hatte Hamm im bayerischen Kabinett die „antisemitische Hetze“ der Nationalsozialisten angeprangert und ein Verbot des Völkischen Beobachters beantragt.[2] Nach der Machtübernahme des NS-Regimes wurde Hamm 1933 in den Ruhestand versetzt. Er zog sich aus dem aktiven politischen Leben zurück und war in den Folgejahren als Rechtsanwalt in Berlin und München tätig. Seine Kontakte pflegte er weiterhin, vor allem zum Widerstandskreis um Otto Geßler, Franz Sperr und Carl Friedrich Goerdeler. Für den Fall eines Umsturzes war er im Schattenkabinett Beck/Goerdeler als Landesverweser für Bayern vorgesehen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Hamm im Zuge der Aktion „Gitter“ am 2. September von der Gestapo verhaftet und in das Zellengefängnis Lehrter Straße verbracht, wo er unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kam. Nach Aussage eines Gestapo-Beamten soll er sich während eines Verhörs aus dem Fenster gestürzt haben und den Folgen des Sturzes erlegen sein. Die Selbstmordthese wurde später in der Literatur wiederholt aufgegriffen und so interpretiert, dass Eduard Hamm auf diese Weise vermeiden wollte, die Namen von Mitwissern preiszugeben. (Wikipedia)
Salie' Harris

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1930, 1931, 1932

geboren: 8, August 1982 in Nieder Woellstadt – gestorben: 18. Juni 1938 Buchenwald

Beruf: Mitinhaber d. Bankhauses Carl T. Herrmann & Co. Baden-Baden

Klassifikation: Privatbank

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Schatzmeister 1930-1933

Biographisches: Jewish
Since 1924, Salie Harris had been 192, co-owner of the renowned Baden-Baden private bank Hermann & Cie.  At the end of February 1934, the bank ran into financial difficulties. Salie Harris lost his nerves, became highly diabetic and thus physically and psychologically burdened, and initially tried to flee. However, after a few days he returned and was arrested by the authorities, accompanied by his friend Dr. Hugo Hauser.

This headless flight led to a suspension of payments by the bank at the beginning of March and to the opening of bankruptcy proceedings on March 25, 1934. Although the flight promoted the end of his company, it was probably not the only reason for it. He was accused of serious breaches of custody law, which he committed to save his company. In the subsequent trial, however, he had no chance of a correct defence and certainly no chance of an appeal. It should be noted that no citizens of Baden-Baden suffered financial losses as a result of this bankruptcy. These liabilities were settled by his partner Kahn from his own assets.

He was imprisoned for 32 months and then lived in Frankfurt, probably with his sister, from early 1937 until he was arrested again on June 14, 1938 in the course of the large-scale action "Arbeitsscheu Reich".

He was taken to the Buchenwald concentration camp and "died" there just 2 days later. (v.Wedemeyer, The Red Book, p. 54)

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Gedenken an den Privatbankier Salie Harris anlässlich des Verlegens der Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Baden-Baden am 27.Januar 2009 Daten: geboren am 8.8.1882 in Nieder Wöllstadt Verstorben am 16.6.1938 im KZ Buchenwald Ledig.

Seit 1924 Mitinhaber der renommierten Baden-Badener Privatbank Hermann & Cie in der Sophienstraße, gegenüber der heutigen Sparkasse, deren langjähriger Prokurist er bereits war. Ende Februar 1934 kam die Bank in eine finanzielle Schieflage. Salie Harris verlor, hochgradig zuckerkrank und damit physisch und psychisch stark belastet, die Nerven und versuchte zunächst zu fliehen. Er stellte sich jedoch aus eigenem Entschluss nach einigen Tagen den Behörden zur Verhaftung und wurde dabei begleitet von seinem Freund Dr. Hugo Hauser.

Diese wohl kopflose Flucht führte Anfang März zu einer Zahlungseinstellung der Bank und am 25. März 1934 zur Eröffnung eines Konkursverfahrens. Die Flucht hat das Ende seines Unternehmens zwar gefördert, war aber wohl nicht der einzige Grund dafür. Ihm wurden gravierende Depotvergehen zur Last gelegt, die er zur Rettung seines Unternehmens vornahm, die zumindest zum Teil nicht unbegründet waren. Er hatte im nachfolgenden Prozess jedoch auch keine Chance für eine korrekte Verteidigung und schon gar nicht für ein, an sich mögliches, Berufungsverfahren. Es ist zu beachten, dass durch diesen Konkurs keine Baden-Badener Bürger finanzielle Verluste erlitten. Diese Verbindlichkeiten wurden von seinem Teilhaber Kahn aus eigenem Vermögen beglichen.

Nach 14 Monaten Haft im Untersuchungsgefängnis in Bruchsal wurde Harris in einem Prozess vom 4. bis 6. Juli 1935 in Karlsruhe, zu weitern 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Er wohnte danach ab Anfang 1937 in Frankfurt a.M. Leerbachstr.118, wahrscheinlich bei seiner Schwester, bis er im Verlauf der Großaktion: „Arbeitsscheu Reich“ am 14.6.1938 erneut verhaftet wurde.

Er wurde eingeliefert ins KZ Buchenwald und „verstarb“ dort bereits 2 Tage später.  Ein Stolperstein für ihn und seine Familie wurde 2008 verlegt.

Quelle: v. Wedemeyer, Das Rote Buch, S. 54
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?id=572102
Dr. Gustav F. Hartlaub

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

Beruf: Direktor der Städtischen Kunsthalle

Klassifikation: Kunstausstellungen

rotarische Ämter: Aufnahme- und Klassifikations-Comitee 1930, Comitee für Veranstaltungen und Programme 1930

Biographisches: Prof. Dr. Gustav Friedrich Hartlaub (* 12. März 1884 Bremen; † 30. April 1963  Heidel­berg)
Der Kunsthistoriker kam im September 1913 an die Kunsthalle Mannheim, deren Direktor er in Nachfolge von Fritz Wichert 1923 wurde. Mit der am 14. Juni 1925 eröffneten Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ sollte er einer Kunst- wie Architekturrichtung ihren Namen geben. Gustav Friedrich Hartlaub konzentrierte sich bei Gemäldeankäufen für die Städtische Kunsthalle auf die Vertreter der Neuen Sachlichkeit und gilt heute „als einer der leidenschaftlichsten, instinktsichersten Verfechter der Moderne“ (Norbert Miller, zitiert nach C. Präger). Die Kunsthalle kam so in den Besitz einer umfangreichen und internationalen Ruf genießenden Sammlung mit Werken von Kanoldt, Schrimpf sowie Künstlern von Grosz und Dix, Scholz und Beckmann. Die mutige und beispielhafte Ankaufspolitik bot den Nationalsozialisten indes eine willkommene Angriffsfläche, um ihn als Direktor zu beurlauben bzw. zu entlassen. Bereits im April 1933 organisierte der langjährige Kritiker Hartlaubs und neue kommissarische Leiter Otto Gebele von Waldstein unter dem Titel „Kulturbolschewistische Bilder“ die erste Diffamierungs-Ausstellung moderner Kunst im 3. Reich. Hartlaub hatte unter den Nazis Redeverbot erhalten, durfte keine Vorträge halten oder über Kunst schreiben, fand aber dank des Freundes Wilhelm Hauenstein Gelegenheit über andere Themen in der Frankfurter Zeitung schreiben zu können. 

Nach Ende der NS-Zeit nahm Hartlaub seine breite Publikationstätigkeit wieder auf und zeichnete sich als produktiver wie an vielen Themen wissenschaftlich arbeitender Autor aus. Ebenso konnte er nach 1945 wieder eine Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg annehmen und wurde zum Professor für Kunstgeschichte ernannt.Bekanntheit erlangten seine Tochter, die Schriftstellerin Geno Hartlaub (1915-2017) und sein Sohn, der Schriftsteller Sohn Fritz Hartlaub (1913-1945, verschollen in Berlin).Hartlaub war Gründungsmitglied, gehörte zum Kreis des Mannheimer Oberbürgermeisters Hermann Heimerich. Er trat oft im Club als Redner auf, nach 1933 nicht mehr dabei, dann wieder im Club der Freunde, aber dann dem RC Heidelberg (?) beigetreten. 

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel
Dr. Hugo Karl Hauser

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1930, 1931, 1932, 1933, 1934

geboren: 26.8.1880 Offenburg – gestorben: 26. November 1938 in Auschwitz

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwalt

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, "freiwillig" ausgeschieden

Biographisches: Jewish
Hugo Hauser (1880-1944) Hugo Hauser founded his law firm in Baden-Baden in 1912. He was severely wounded and highly decorated in World War I. He belonged to the seven Jewish founding members of the RC Baden-Baden and was a leading figure of the club. To avert this damage, he selflessly sent his resignation to the club president in April 1933. The president initially suspended his  statement, but when the pressure of the Nuremberg Laws became so immense and professional bans were imposed on Jewish lawyers, accepted Hauser's request.

During the Reichspogromnacht on 9/10 Nov. 1938, father and son were arrested and had to present themselves in front of the synagogue set on fire for transport to the Dachau concentration camp. Trusting in proper jurisdiction, Hauser took the lead on the train. He tried to convey confidence to his Jewish fellow prisoners. After three months, he and his son were released. The family decided to emigrate to the USA, where an aunt lived. In order not to be a burden to her, only her son Hans travelled via England in 1939. His parents, like all Baden and Palatine Jews, were transported to the Gurs camp in southern France in October 1940. In the meantime his son Hans joined the US Army and tried in an unconventional way to get entry visas for his parents through Eleanor Roosevelt.

But for the Hauser couple it was too late, they were murdered in Auschwitz .(Brochure 2018)

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Dr. Hugo Hauser (1880–1944) 1912 gründete Hugo Hauser in Baden-Baden seine Anwaltskanzlei. Im 1. Weltkrieg schwer verwundet und hoch dekoriert, wurde er nach seiner Rückkehr Freimaurer und trat der DVP bei.

Er gehörte zu den sieben jüdischen Gründungsmitgliedern des RC Baden-Baden und war eine Leitfigur des Clubs. Um von diesem Schaden abzuwenden, schickte er im April 1933 selbstlos seine Austrittserklärung an den Clubpräsidenten. Dieser setzt Hausers Erklärung zunächst treuhänderisch aus. Erst als der Druck durch die Nürnberger Gesetze so immens wurde und Berufsverbote für jüdische Rechtsanwälte verhängt waren, trat Hauser endgültig aus.

In der Reichspogromnacht am 9./10. Nov. 1938 wurden Vater und Sohn verhaftet und mussten sich vor der in Brand gesetzten Synagoge zum Transport ins KZ Dachau einfinden. Im Vertrauen auf eine ordnungsgemäße Rechtsprechung setzte sich Hauser an die Spitze des Zuges. Er versuchte seinen jüdischen Mithäftlingen Zuversicht zu vermitteln. Nach drei Monaten kamen er und sein Sohn frei. Die Familie beschloss, in die USA auszuwandern, wo eine Tante lebte. Um ihr nicht zur Last zu fallen, reiste zunächst nur der Sohn Hans 1939 über England aus. Seine Eltern wurden im Oktober 1940, wie alle badischen und pfälzischen Juden, ins Lager Gurs in Südfrankreich transportiert. Sohn Hans trat unterdessen in die US-Armee ein und bemühte sich auf unkonventionelle Weise über Eleanor Roosevelt Einreisevisa für seine Eltern zu bekommen.

Doch für das Ehepaar Hauser war es zu spät, sie wurden in Auschwitz ermordet . 2008 wurde in der Vincentinstr. 26 ein Stolperstein für ihn und seine Famlie gesetzt. 

Quelle: v. Wedemeyer, Das Rote Buch, 2018, 59
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?id=835073

Ferdinand Hefele

Club-Mitgliedschaft(en): Stuttgart 1928 1929 1930 1931 1932 1934 1935 1936 1937,

geboren: 1876-1953

Beruf: Delegierter der Internationalen Donaukommission

Klassifikation: Schifffahrt

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
For political and ideological reasons a strong opponent to the National Socialists, he was seriously damaged professionally and financially by the Nazis.

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Durch die NSDAP beruflich und finanziell schwer geschädigt und aus politischen und weltanschaulichen Gründen von jeher in schärfster Opposition zu dieser Bewegung (siehe Bretschneider-Zeugnis, RK nach 1937)
Dr. rer. pol. h.c. Richard Heilner

Club-Mitgliedschaft(en): Stuttgart 1928 1929 1930 1931 1932 1933,

Beruf: Generaldirektor der Deutschen Linoleumwerke, Vorstand Reichsverband Deutsche Industrie, Vorstnad Padneuropäische Univon, 1. Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft

Klassifikation: Linoleum Fabrikation

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Heilner was of Jewish origin without having any contact with the synagogue. He left the club in July 1933 "because of the expiration of classification". He had already retired from his company as general director before 1933; so his step formally corresponded to the Rotarian regulations. His withdrawal from the RC Stuttgart, however, was probably due to his strong international political commitment with regard to the club. The club's friends regretted his departure and thanked him for his activities. They kept in touch with him.

He initially remained a member of the supervisory board and main shareholder of DLW. Soon,  but  he was completely expelled from the management of the company and all his other positions and honors were withdrawn, including the honorary senatorhip of the Technical University of Stuttgart. In their files, the Gestapo had listed him as a Jew, a Freemason and an active member of the Paneuropa Union.

During the November pogroms of 1938, he was committed to the Dachau concentration camp for one month. He was then imprisoned in a concentration camp on the Swabian Alb and finally taken to the Theresienstadt concentration camp. All his belonging were confiscated by the Nazis. 

He survived  imprisonment in the Theresienstadt concentration camp, returned to Stuttgart  "without bitterness, without hatred, without feelings of revenge" to the circle of his Rotarian friends, and attended their meetings until he moved to Nice, France. The Stuttgart club remained in contact with his son Helmut R. Heilner, who hat immigrated to US after the war.

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Heilner war jüdischer Herkunft, ohne Kontakt zur Synagoge zu pflegen.

Erim Juli 1933 mit der Begründung „wegen Erlöschens der Klassifikation“ aus dem Club aus. Er hatte sich als Generaldirektor bereits vor 1933 aus seiner Firma zurückgezogen; so entsprach sein Schritt formal dem rotarischen Reglement. Sein Rückzug aus dem RC Stuttgart dürfte jedoch vor allem wegen seines starken internationalen politischen Engagements mit Rücksicht auf den Club erfolgt sein. Die Clubfreunde bedauerten sein Ausscheiden und dankten ihm für seine Aktivitäten. Kontakt zu ihm hielten sie weiterhin.

Mitglied des Aufsichtsrates und Hauptaktionär von DLW war er zunächst geblieben. Bald wurde er jedoch völlig aus der Leitung des Unternehmens hinausgedrängt, und man entzog ihm alle seine übrigen Positionen und Ehrungen, darunter auch die Ehrensenatorwürde der TH Stuttgart, die ihm im Jahre 1924 verliehen worden war. Die Gestapo hatte ihn als Juden, Freimaurer und als aktives Mitglied der Paneuropa Union in ihre Karteien von NS-Gegnern aufgenommen (S. 264).

Bei den Novemberpogromen 1938 wurde er für einen Monat in das KZ Dachau eingeliefert. Danach wurde er in einem KZ-Lager auf der Schwäbischen Alb inhaftiert, schließlich in das KZ Theresienstadt gebracht. Sein gesamtes Vermögen wurde ihm entzogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg – seine Inhaftierung im KZ Theresienstadt hatte er glücklicherweise überlebt – kehrte er „ohne Verbitterung, ohne Hass, ohne Rachegefühle“ in den Kreis seiner rotarischen Freunde zurück und nahm bis zu seinem gesundheitsbedingten Wegzug nach Nizza regelmäßig an den Treffen teil. Mit seinem Sohn Helmut R. Heilner, der nach dem Kriege in die USA ging und in Stanford Connecticut lebte, blieben wir bis zu dessen Tode im Alter von über 90 Jahren korrespondierend in Kontakt. (Erdmann, 125f)
Dr. Hermann Heimerich

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 21. Dez. 1885 Würzburg – gestorben: 5. Jan. 1963 Heidelberg

Beruf: Oberbürgermeister der Hauptstadt Mannheim

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: Comitee für Veranstaltungen und Programme 1930

Biographisches:

Fraglos war Mannheims seit 1928 amtierender Oberbürgermeister Heimerich einer der wichtigsten Persönlichkeiten im RC Mannheim vor 1933. Obgleich nie mit einer Funktion oder Clubamt betraut, war Heimerich als Gründungsmitglied fast so etwas wie ein Gravitationszentrum, da eine ganze Reihe seiner engsten Vertrauten, Weggefährten und persönlichen Freunde ebenfalls dem Club angehörten.

Die aufgrund seines umfangreichen Nachlasses im MARCHIVUM gut dokumentierte und in mehreren Biographien gewürdigte Persönlichkeit entzieht sich indes einfachen Deutungsmustern. Heimerich entstammte großbürgerlichen Verhältnissen, engagierte sich früh für die freireligiöse Bewegung und die Sozialdemokratie. Den talentierten und gewandten Jurist und Ökonom, seit 1925 Bürgermeister in Kiel, zog es in eine Großstadt. Seine OB-Wahl am 30. Jan. 1928 mit den Stimmen von SPD, Zentrum und DDP im Bürgerausschuss bot ihm jene Gestaltungsaufgabe, die er sich gewünscht hatte. Er trat an, Mannheim auch als lebendige Stadt zu vermarkten.

Überschattet wurde jedoch seine Amtszeit immer mehr von der Weltwirtschaftskrise und dem Erstarken der NSDAP. Heimerich erlebte am 9. März 1933 das für ihn entwürdigende Hissen der NS-Hakenkreuzflagge und die Verbrennung der Flagge der Republik am Mannheimer Rathaus. In Schutzhaft genommen, wurde er am 17. März entlassen. Alsbald ging er mit seiner Familie nach Schliz/Thüringen., 1934 dann als Wirtschaftsberater nach Berlin.

In Berlin versuchte er beim dortigen Rotary Club aufgenommen zu werden. Doch versagte 1935 der damalige Mannheimer Präsident Fritz Marguerre ihm das gewünschte Empfehlungsschreiben. Wegen dieser als Kränkung empfundenen Absagen gerieten Heimerich und Marguerre 1946 heftig 
aneinander, weswegen Heimerich weder dem Club der Freunde noch dem wiedergegründeten Club zunächst beitrat, dann aber doch 1952, in seiner zweiten Amtszeit als Oberbürgermeister, wieder zum Club kam.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim 


Dr. phil. et med. Willy Hellpach

Club-Mitgliedschaft(en): Heidelberg 1931 1932

Beruf: Univ.-Prof.

Klassifikation: Angewandte Psychologie

rotarische Ämter: Vizepräsident 1931/32 1932 2. Vizepräsident

Biographisches:

Brief von Prof. Willy Hellpach, 1933 Vorstandsmitglied des RC Heidelberg, nach dem Krieg im Jahre 1947 an Ernst
Engelking, Gründungsmitglied des 1950 erneut konstituierten RC Heidelberg (Auszüge):

„Die Dinge haben sich folgendermaßen abgespielt: Im März 1933 sind die Herren Otto Winter und Wilhelm Ludowici als Heidelberger Rotarier an den Vorstand des RC mit dem Ansinnen herangetreten, den Club situationsgemäß zu „reinigen“, d.h. die jüdischen und auch die „demokratischen“ Mitglieder auszustoßen; ...Daraufhin wurde sofort nach meiner Heimkehr....eine RC-Vorstandssitzung einberufen; ich gehörte dem Vorstand an, desgleichen Herr Dr.Goldschmit. 

Wir beide, als „schwarze Schafe“ in den Augen jener genannten national= sozialistischen Herren, mussten uns naturgemäß Zurückhaltung auferlegen, erlebten es aber mit dankbarer Genugtuung, daß der übrige Vorstand sich unter keinen Umständen geneigt zeigte, jenem Ansinnen zu willfahren. Es überwog von Anfang an die Auffassung, daß dann der Club lieber seine Selbstauflösung vollziehen müsse, als daß er sich dazu hergebe, Mitglieder aus politischen Gründen auszustoßen.“

Quelle: Bettermann, 2014?
Kommerzienrat Franz Hesselberger

Club-Mitgliedschaft(en): München 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Gesellschafter Fa. Gebr. Hesselberger

Klassifikation: Lederfabrikation

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
Als Vorstand des Rotary-Clubs, München, zwang (Präs.) Arends auch die jüdischen Clubmitglieder, beispielsweise die Herren Sobotka und Hesselberger, aus dem Club auszuscheiden.(Erdmann, S. 353)
Konsul Carl Heumann

Club-Mitgliedschaft(en): Chemnitz 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935

Eintritt: 1929-11-12

geboren: 19.3.1886 Köln – gestorben: 5.3.1945 Chemnitz

Beruf: Mitinh. d. Fa. Bayer & Heinze

Klassifikation: Privatbanken

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Jewish banker (co-owner of the private bank since 1920) and  Vice-Consul of Portugal in Chemnitz.

As an art collector, he was interested in German Romantic art. His collection is still well known among experts today. Several exhibitions in the Städtisches Museum in Chemnitz, the Schlesisches Museum in Breslau and the Museum der bildenden Künste in Leipzig. He was a member of the Chemnitzer Kunsthütte and was appointed to its advisory board by Waldemar Ballersted in 1933.

In 1940 Carl Heumann had his collection transferred to his wife Irmgard, who was regarded as "Aryan". When Irmgard died in 1944, Waldemar Ballerstedt tried to save Carl Heumann from deportation. Carl Heumann died in 1945 in an attempt to rescue his collection case from the air-raid shelter of his burning house during a bombing raid. The drawings kept in the safes remained intact and could be recovered by one of the sons. Between 1939 and 1944, prints from the former Heumann Collection also reached the Albertina in Vienna via the Leipzig antiquarian bookshop C. G. Boerner and the art and literature antiquarian bookshop Karl & Faber in Munich.

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Jude, Bankier (Bankhaus Bayer & Heintze) und Konsul in Chemnitz. (seit 1908 Prokurist, seit 1920 Mitinhaber der Privatbank), Vizekonsul Portugals

Als Kunstsammler galt sein Interesse der deutschen Kunst der Romantik. Seine Sammlung ist bis heute unter Experten ein Begriff. Mehrere Ausstellungen in Städtischen Museum in Chemnitz im Schlesischen Museum in Breslau und im Leipziger Museum der bildenden Künste. Er war Mitglied der Chemnitzer Kunsthütte und wurde 1933 vom damaligen Leiter Waldemar Ballersted in den Beirat der selbigen berufen.

Carl Heumann hatte 1940 seine Sammlung auf seine als "arisch" geltende Frau Irmgard überschreiben lassen. Als diese 1944 starb, bemühte sich Waldemar Ballerstedt Carl Heumann vor der bevorstehenden Deportation zu bewahren. Carl Heumann kam 1945 beim Versuch, seinen Sammlungskoffer während eines Bombenangriffes aus dem Luftschutzkeller seines brennenden Hauses zu retten, ums Leben. Die in den Safes verwahrten Zeichnungen blieben unversehrt und konnten von einem der Söhne geborgen werden. Über das Leipziger Kunstantiquariat C. G. Boerner sowie das Kunst- und Literaturantiquariat Karl & Faber in München kamen zwischen 1939 und 1944 Blätter der ehemaligen Sammlung Heumann auch an die Albertina in Wien.

  • Thomas HEUMANN, Romantische Ironie. Erinnerungen an meinen Vater Carl Heumann, in: Thilo RICHTER (Hg.), Der Kaßberg. Ein Chemnitzer Lese- und Bilderbuch, Leipzig 1996, S. 184–189.
  • Julia Eßl, Beitrag zu Carl Heumann, in: Lexikon der österreichischen Provenienzforschung, www.lexikon-provenienzforschung.org
Emil Hirsch

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Buchantiquar

Klassifikation: Buchantiquariat

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, 1. Sekretär 1931

Biographisches: Jewish
Zusammen mit Thomas Mann u.a. im April 1933 aus dem Club ausgeschlossen.(Erdmann, 879) Hatte Deutschland rechtzeitig verlassen und war in die USA emigriert. Erdmann zitiert aus einem Brief von Hirsch an Rot. Aumer am 15. Nov. 1946) (S. 763)
Robert von Hirsch

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932

Austritt: 1933

geboren: 1883 Offenbach – gestorben: 1977 Basel

Beruf: Lederfabrikant und Kunstsammler

Klassifikation: Lederindustrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Robert von Hirsch (1883-1977) came from the Jewish upper middle classes of Frankfurt. The pupil of the Goethegymnasium became a partner of his uncle's leather factory in Offenbach. There he met Grand Duke Ludwig of Hesse and near Rhine, who elevated him to the nobility of Hesse in 1913. At the age of 24 he trained as an art expert, whose collection was advised by Städel director Georg Swarzenski. He was an administrator and founder of the Städel at an early age.

In 1933 he emigrated to Basel, where he continued his business and took his art collection with him. He did not enter German soil again, but supported the leather museum in Offenbach.

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1933 unter Mitnahme seiner Kunstsammlung nach Basel emigriert. Literatur: Wikipedia-Artikel; Hauck 2009, S. 45f.; 82f. Robert von Hirsch ( 1883-1977) entstammte dem jüdischen Frankfurter Großbürgertum. Der Schüler des Goethegymnasiums wurde in Offenbach Teilhaber der Lederfabrik seines Onkels Dort begegnete er Großherzog Ludwig von Hessen und bei Rhein, der ihn 1913 in den hessischen Adelsstand erhob. Schon 24jährig bildete er sich zum Kunstexperten aus, dessen Sammlung von Städeldirektor Georg Swarzenski beraten wurde . Früh war er Administrator und Stifter am Städel. 1933 emigrierte er nach Basel, wo er seine Firma weiterführte und wohin er seine Kunstsammlung mitnahm. Deutschen Boden betrat er danach nicht mehr, förderte aber das Ledermuseum in Offenbach. (Hauck,Albert Hahn, 45 f.; 82 f.)
Dr. Franz Hirschler

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1931, 1932

geboren: 7.3.1881 in Mannheim – gestorben: 16.6.1956 in Buenos Aires

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Stadtverordneter

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Der Jurist war ab 1907 in der Anwaltskanzlei des späteren Reichstagsabgeordneten Ludwig Frank tätig, die er nach dessen Soldatentod im Sept. 1914 alleine weiterführte. Schon bei den ersten Nachkriegswahlen am 18. Mai 1919 in den Bürgerausschuss gewählt, übernahm er 1927 den Vorsitz der SPD-Fraktion. Er galt als gewandter und mit Humor begnadeter Redner und schlug 1928 Hermann Heimerich als Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt vor, mit dem er dann auf das engste zusammenarbeitete. Wie Heimerich war Hirschler ein Förderer der Kulturszene, wobei sein Hauptinteresse dem Nationaltheater galt.

Von der NSDAP wurde er schon früh als „Jude“ beschimpft. Wegen seines mutigen Eintretens im Stadtrat und bei öffentlichen Auftritten war er bei einzelnen lokalen NS-Größen geradezu verhasst. Nach der Machtergreifung musste er, um einer Inhaftierung zu entgehen, bereits am 10. März 1933 erst nach Saarbrücken und später nach Paris fliehen, wo er sich eine neue Existenz als Rechtsberater aufbaute und zugleich für Flüchtlingsorganisationen tätig war. Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich wurde er als Emigrant in der Nähe von Bordeaux interniert, aber noch vor Eintreffen der deutschen Truppen entlassen. Er erreichte eines der letzten Schiffe nach Casablanca, um von dort zu seinen beiden Söhnen nach Argentinien auszuwandern. Auch seine Frau konnte noch ein Jahr später nachkommen. Beide verbrachten in Buenos Aires ihren Lebensabend.

Hirschler, am 13. Okt. 1930 aufgenommen, gehörte zu den äußert aktiven Rednern im Club. Seine Flucht im März 1933, die öffentliche Hetze gegen seine Person veranlasste die Clubführung, seinen Ausschuss aus dem Club zu beantragen, was einstimmig von der Clubversammlung am 30. März 1933 beschlossen wurde. Das Vorgehen erinnert an die Vorgänge beim RC München um Thomas Mann. 

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim 

Hans Hofmann-Montanus

Club-Mitgliedschaft(en): Salzburg 1929, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

Beruf: Leiter des Landesverkehrsamtes

Klassifikation: Fremdenverkehr

rotarische Ämter: 1. Vizepräsident 1935, 1936, 2. Sekretär 1932

Biographisches:
was forced to resign in 1938.

In 1951 he was the founding president of RC Salzburg.

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wurde 1938 zum Rücktritt aus seinem Amt gezwungen. 1951 war er der Gründungspräsident von Salzburg.
Moritz Israel

Club-Mitgliedschaft(en): Heilbronn/N. 1931, 1932

Eintritt: Gründungsmitglied

geboren: 3. März 1981 ? – gestorben: 1958

Beruf: Teilh. d. Fa. Wolf & Co., Sontheim

Klassifikation: Schuhfabrikation

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
From the end of September 1933 on he did not attend any meeting.
He moved to Berlin in 1934. Died in 1958.

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verlegte 1934 seinen Wohnsitz nach Berlin, nahm aber bereits ab Ende September 1933 nicht mehr an den Treffen teil. (Schrenk, S. 175)
Gestorben 1958 

Quellen:
 https://de.wikipedia.org/wiki/Mech._Schuhfabrik_Wolf_%26_Comp

(Mail von Maaß an Diepold, 10.1.20)
Jakob Friedrich Christian Jebsen

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1932, 1933, 1934

geboren: 27.12.187 – gestorben: 14.12.1941

Beruf: Inhaber der Fa. Jebsen & Jessen

Klassifikation: Reishandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Study of chemistry at the Technical University of Karlsruhe and the University of Berlin.1890 Abortion of studies.1893 Prokura for his father's company. In Hong Kong foundation of the company Jebsen & Co, which was forced to liquidate in 1919 as a result of the First World War. In 1919 the company was reopened in Canton and Hamburg. After the referendum, the head office in Apenrade becomes Danish. The unification of the German minority in North Schleswigs during the National Socialist period was deeply disliked by him. He retired from public work.

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Chemiestudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe und der Universität Berlin.1890 Studiumabbruch.1893 Prokura für die väterliche Firma. In Hongkong Gründung der Firma Jebsen & Co, die 1919 im Ergebnis des 1. Welkrieg zwangsliquidiert wird. 1919 erfolgte die Wiedereröffnung der Firma in Canton und in Hamburg. Nach dem Volksentscheid wird der Hauptsitz in Apenrade dänisch. Die Gleichschaltung der Deutschen Minderheit in Nordschleswigs während der nationalsozialistischen Zeit war ihm zutiefst zuwider. Er zog sich aus der öffentlichen Arbeit zurück.(Bednarek)
Prof. Dr. Otto Jüngling

Club-Mitgliedschaft(en): Stuttgart 1931 1932 1934 1935

geboren: 1884-1944

Beruf: Vorstand der chirurgischen Abteilung des Katharinenhospitals

Klassifikation: Chirurgie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Professor Otto Jüngling war Vorstand  der Chirurgie am Katharinenhospital Stuttgart gewesen. Als innovativer Radiologe hatte er sich einen weltweiten Ruf erworben. Weil er jüdische Mitbürger behandelte, wurde er auf Drängen des Gauleiters Murr entlassen. An der Evangelischen Diakonie in Flernsburg bekam er eine Anstellung, obwohl Gauleiter Murr dies über den doprtigen Gauleiter zu verhindern versuchte.

Die Clubfreunde verabschiedeten Otto Jüngling mit bewegenden Wortren der Solidarität und einem kostbar gestalteten Abschiedsbuch (ledergebundener Foliant im Kaschuber) mit Fotos aller Mitglieder.
Ernst Kahn

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt/M. 1929 1930 1931 1932

Eintritt: Gründungsmitglied 1927

Austritt: 1933

geboren: 1884 Frankfurt – gestorben: 1959 Jerusalem

Beruf: Dozent an der Universität, Bankier, Wirtschaftsredakteur

Klassifikation: Universität Volkswirtschaftslehre

rotarische Ämter: Schatzmeister 31/32/33

Biographisches: Jewish
Ernst Kahn (1884-1959) was the son of the Augsburg textile entrepreneur Aron Kahn. After studying at the commercial college, he was editor at the commercial section of the Frankfurter Zeitung from 1909 to 1921. From 1921 to 1933 he was a partner in the banking house Lazard Speyer-Ellissen and a member of the supervisory board of numerous companies.

In 1933 he emigrated via England and the USA to Palestine. He died in Jerusalem.

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Ernst Kahn ( 1884-1959) war Sohn des Augsburger Textilunternehmers jüdischen Glaubens Aron Kahn. Nach Studium an der Handelshochschule war er von 1909 bis 1921 Redakteur beim Handelsteil der Frankfurter Zeitung. Von 1921 bis 1933 war er Teilhaber des Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen und Aufsichtsrat zahlreicher Firmen.AufVorschlag der SPD war Kahn ehrenamtlicher Stadtrat und 1928-1930 Dezernent für Bauplanung. 1933 emigrierte er über England und die USA nach Palästina. Er verstarb in Jerusalem. (FB 1,382)
Dr. Ludwig Kander

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

geboren: 1. Juli 1877 in Mannheim – gestorben: 15. Oktober 1938, Freitod in Birmingham

Klassifikation: Spezialarzt HNO

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Ludwig Kander was one ot the four Jewish doctors of the clinic, who were already fired in March 1933.

In 1938 he lost his license to practice medicine. In September of 1938, he visited his daughter in Birmingham. The, British permit was valid for a stay of one month only.

Ludwig Kander committed suicide in England.

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Er wurde am 10. Juli 1877 in Mannheim geboren. Er studierte Medizin in Heidelberg und Berlin. Die ersten Berufsjahre verbrachte er in Karlsruhe, wo er am Aufbau der NHO-Abteilung des Städt.Klinikums wesentlich beteiligt war. Im Jahre 1907 wurde er Chefarzt dieser Abteilung. Vormittags übte er seine Tätigkeit dort aus, nachmittags hielt er Sprechstunde in seiner Praxis in der Kaiserstraße 145 ab. Er war Mitglied in zahlreichen Vereinen und Organisationen darunter auch Gründungsmitglied von Rotary.

Kander gehörte zu den vier jüdischen Ärzten des Klinikums, denen diese schon im März 1933 (nach Verkündigung des „Gesetzes über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“) gekündigt hat. Er konnte seine Privatpraxis noch fortführen. Viele der „arischen“ Patienten hielten ihm weiterhin die Treue. Wie bei Lust sanken aufgrund böswilliger Propaganda und aufgrund sozialen Drucks die Patientenzahlen mit der Zeit erheblich. Zu den beruflichen Problemen und der zunehmenden gesellschaftlichen Isolation kam noch der Tod seiner herzkranken Frau. Kander blieb allein in Deutschland zurück, Sohn und Tochter waren bereits 1935 und 1937 nach England ausgewandert. Er konnte noch ins Ausland reisen (Schweiz, Frankreich, Italien) auch zu seinen Kindern in England.

Offenbar gelang es ihm nirgends, eine Dauergenehmigung zu erhalten. 1938 wurde Kander die ärztliche Approbation entzogen. Im Mai 1938 versuchte seine Tochter ihren kranken Vater in Deutschland zu besuchen; die Gestapo verwehrte ihr aber den Grenzübertritt an der deutsch-holländischen Grenze. Nach einigem Aufwand konnte Kander im September 1938 nach Birmingham zu seiner Tochter reisen, jedoch wieder nur mit einer britischen Besuchserlaubnis für einen Monat. Danach hätte er wieder nach Deutschland zurückkehren müssen, was er in Anbetracht der Lage unter allen Umständen vermeiden wollte. Krank und durch die Umstände depressiv geworden, wählte er den Freitod. Am 15.Oktober 1938 starb er in Birmingham.

Heinrich Kappes

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

geboren: 30.11.1883 – gestorben: 1. Mai 1988 in Stuttgart

Beruf: Evang. Geistlicher

Klassifikation: Pfarrer

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Heinrich Kappes: Pfarrer, Stadtrat, * 30.11.1893 in Fahrenbach, Neckar-Odenwald-Kreis. Gest. 1.Mai 1988 in Stuttgart. Aufgewachsen in einem deutschnationalen Pfarrhaus trat er 1922 dem Bund Religiöser Sozialisten bei und wechselte im August 1922 als Vikar nach Karlsruhe. Seine 1.Mai- und Friedensgottesdienste in der Stadtkirche Karlsruhe mit ihrer Kapitalismuskritik trugen ihm den Ruf des „roten Kappes“ ein. 1924 trat er in die SPD ein und war von 1930-1933 Stadtrat.

Nach der Machtübernahme der Nazis versetzte ihn die Landeskirche, mit der er als religiös-sozialistisches Mitglied der Landessynode anhaltende Auseinandersetzungen führte, zunächst in die abgelegene Gemeinde Büchelbronn, kurz darauf wegen seiner anhaltenden Kritik an den Nazis zwangsweise in den Ruhestand. Danach wurde er des Landes verwiesen und emigrierte 1935 mit seiner Familie nach Palästina. Dort engagierte er sich in der Aussöhnungsarbeit zwischen Juden und Palästinensern.

1948 kehrte Heinz Kappes nach Deutschland zurück, erhielt von der badischen Landeskirche eine Anstellung als Religionslehrer in Karlsruhe bis 1952 und wurde dann Leiter des Evangelischen Gemeindedienstes bis zur Pensionierung 1959. Er war dabei, als sich der RC Karlsruhe am 13.09.1949 im Schlosshotel wieder gründete. 1981 übersiedelte er nach Stuttgart. Er war Ehrenmitglied des RC Karlsruhe. Seit 2000 verleiht der Club KA-Fächerstadt den Heinz-Kappes-Preis für ehrenamtliches Engagement.

Quelle: Hellmut Wagner, 2019, S. 5
Prof. Dr. Erich Felix Kaufmann

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Austritt: 1936

geboren: 21. September 1880 in Demmin – gestorben: 11. November 1972 in Heidelberg

Beruf: Prof. d. Rechte

Klassifikation: Staats- und Völkerrecht

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Erich Kaufmann was a lawyer and one of the leading experts in state and international law of the Weimar period and the early Federal Republic.

In World War I, Kaufmann served as a Bavarian artillery officer and was seriously wounded. He was called to Berlin in 1917, but moved to Bonn in 1920. Kaufmann served as an advisor to the Foreign Office and also represented the German Reich, the Free City of Gdansk and the Republic of Austria at  the Permanent  International Court of Justice in The Hague. In 1927 Kaufmann returned to Germany  and became  a law professor In 1933.

After the seizure of power, the National Socialists began to persecute Erich Kaufmann for his Jewish origins. He and his wife were considered Jews, although both were baptized Protestants. He was dismissed in 1934. He privately assnbled a circle of students in his Berlin-Nikolassee house ("Nikolasse Seminars"). After the Reichspogromnacht 1938 he fled to Holland, where he hid during the Second World War.

Kaufmann returned to Germany in 1946 and was a full professor in Munich from 1947 until his retirement in 1950. He was also Director of the Institute for International Law and Dean of the Faculty of Law. From 1950 to 1958 he served as an advisor to the Federal Chancellery and the Federal Foreign Office and was an honorary professor in Bonn. He spent the last decade of his life in Heidelberg.

He was highly honored. He was a member of the Order of Pour le Mérite for Science and the Arts and bearer of the Grand Cross of Merit of the Order of Merit of the Federal Republic of Germany. In 1960 he was awarded the Harnack Medal of the Max Planck Society.  (Wikipedia)

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Im Ersten Weltkrieg diente Kaufmann als bayerischer Artillerieoffizier an der Front und wurde schwer verwundet. Im Jahr 1917 wurde er nach Berlin berufen, wechselte aber 1920 nach Bonn. Kaufmann diente dem Auswärtigen Amt als Berater, außerdem vertrat er das Deutsche Reich, die Freie Stadt Danzig und die Republik Österreich vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. 1927 kehrte Kaufmann nach Berlin zurück und wurde Honorarprofessor an der Universität. 1933 wurde er noch ordentlicher Professor.

Nach der Machtergreifung begannen die Nationalsozialisten, Erich Kaufmann wegen seiner jüdischen Herkunft zu verfolgen. Er und seine Frau galten als Juden, obwohl beide evangelisch getauft waren. Der nationalsozialistische Rechtsprofessor Carl Schmitt betrieb die Vertreibung seines Kollegen von der Berliner Universität. Schmitt erreichte die ‚Entpflichtung‘ als Honorarprofessor und verhinderte einen weiteren Lehrauftrag, der Kaufmann als Ergebnis eines Vergleiches mit dem Kultusministerium zugestanden werden sollte, mit einem denunziatorischen Brief an das Kultusministerium: "Prof. Kaufmann ist zweifellos ein ganz ungewöhnliches Beispiel jüdischer Anpassung. Er ist Volljude, aber es ist ihm gelungen, sein Judentum, das auf manchen besonders aufreizend wirkt, gegenüber anderen mit größtem Erfolg zu verbergen und durch lautes Bekenntnis zum Deutschtum zu verbergen … Für deutsches Empfinden ist eine solche ganz auf Verschweigung der Abstammung und Tarnung angelegte Existenz schwer begreiflich. Sie muß unvermeidlich zu moralisch unmöglichen Situationen führen … Jeder deutsche Student, dem ein solcher Mann vom Staat als Lehrer des Rechts für die wichtigsten Gebiete vorgesetzt würde, müßte entweder dessen Tarnungskunst erliegen, oder aber, wenn er die Tarnung durchschaut, an dem nationalen Sozialismus irre werden."

Kaufmann wurde 1934 trotz heftiger Gegenwehr unter Zuhilfenahme des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen. Es gelang ihm in der Folgezeit, einen Kreis von Schülern in seinem Haus in Berlin-Nikolassee zu sammeln („Nikolasseer Seminare“). Nach der Reichspogromnacht 1938 floh er nach Holland, wo er sich während des Zweiten Weltkriegs versteckt hielt.

Schon 1946 kehrte Kaufmann nach Deutschland zurück und war von 1947 bis zur Emeritierung 1950 ordentlicher Professor in München. Außerdem war er Direktor des Instituts für Völkerrecht und Dekan der Juristischen Fakultät. Von 1950 bis 1958 diente er dem Bundeskanzleramt und dem Auswärtigen Amt als Berater und war Honorarprofessor in Bonn. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er in Heidelberg. (Wikipedia)
Kommerzienrat Friedrich Kaula

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Vorstand München-Dachauer Papierfabriken

Klassifikation: Papierfabrikation

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
Vgl. Kaula, Friedrich: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933 – 1945. (Erdmann, 960)
Dr. jur. Generalkonsul Paul Kempner

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Austritt: 1936

Beruf: Mitinh. des Bankhauses Mendelsohn & Co.,Berlin

Klassifikation: Privatbank

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
At the beginning of 1931 he was elected representative of Germany in the Finance Committee of the League of Nations. He also served on the boards of the Arbeitsstätte für sachliche Politik (Chairman), the Bund zur Erneuerung des Reiches (Treasurer), the Friedrich-List-Gesellschaft (Deputy Chairman), the Gesellschaft der Freunde des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs, the Kaiser Friedrich-Museums-Verein, the Verein zur Erhaltung des Kunsthistorischen Institutes in Florenz (Treasurer) and the Zentrale für private Fürsorge.

In the course of the "aryanization" of the banking house Mendelssohn & Co in 1938, he had to leave the company and leave Germany. In March of the following year, he also left the subsidiary in Amsterdam. He first emigrated to Great Britain and from there to the United States in 1939.

After the attempt to regain a foothold in the financial sector had failed, he and other emigrants founded Natvar Corporation, a company that produced insulating materials and was based in Rahway, New Jersey. At the same time, he studied accounting at Columbia University's School of Business and graduated with a Master of Science degree in 1946. From the United States, he maintained regular contact with Germany during and after the war and served as Treasurer of the American Committee to Aid Survivors of the German Resistance of July 20.

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Anfang 1931 wurde er zum Vertreter Deutschlands im Finanzausschuss des Völkerbundes gewählt. Er engagierte sich auch in den Vorständen der Arbeitsstätte für sachliche Politik (Vorsitzender), des Bundes zur Erneuerung des Reiches (Schatzmeister), der Friedrich-List-Gesellschaft (stellvertretender Vorsitzender), der Gesellschaft der Freunde des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs, des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins, des Vereins zur Erhaltung des Kunsthistorischen Institutes in Florenz (Schatzmeister) und der Zentrale für private Fürsorge.

Im Zuge der „Arisierung“ des Bankhauses Mendelssohn & Co. Ende 1938 musste er aus dem Unternehmen ausscheiden und Deutschland verlassen. Im März des Folgejahres schied er auch aus dem Tochterunternehmen in Amsterdam aus. Er emigrierte zunächst nach Großbritannien und von dort 1939 in die Vereinigten Staaten.

Nachdem der Versuch, wieder in der Finanzbranche Fuß zu fassen, gescheitert war, gründete er gemeinsam mit anderen Emigranten die Natvar Corporation, ein Unternehmen, das Isoliermaterial produzierte und seinen Sitz in Rahway, New Jersey, hatte. Parallel dazu studierte er Buchführung an der School of Business der Columbia University und schloss im Jahr 1946 mit dem Master of Science ab. Von den Vereinigten Staaten aus unterhielt er während und nach dem Krieg weiterhin regelmäßigen Kontakt nach Deutschland und wirkte unter anderem als Schatzmeister des American Committee to Aid Survivors of the German Resistance of July 20. (Wikipedia)
Dr. Wilhelm Kiesselbach

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Präsident des Oberlandesgerichts

Klassifikation: Höchste Gerichtsbarkeit

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Wilheln Kiesselbach was removed from office by the Nazis in 1933 because of his critical attitude, and was reinstalled in 1946 by the British military government

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wurde wegen seiner kritischen Haltung den Nazis ggüber 1933 seines Amtes enthoben, durch die britische Militärregierung 1946 wieder eingesetzt (Voltz)

Wilhelm Kiesselbach entstammte dem Bremer Patriziat. Sein Großvater mütterlicherseits war der hanseatische Reichshandelsminister und Bremer Bürgermeister Arnold Duckwitz. Sein Vater Theodor Kiesselbach wurde 1879 als Richter an das Hanseatische Oberlandesgericht berufen. Er wuchs in Bremen auf. Die Reifeprüfung legte er am Johanneum in Hamburg ab. Er studierte ebenfalls Rechtswissenschaften und besuchte die Universitäten Bonn, Leipzig und Berlin. Auch im englischen und amerikanischen Recht bildete er sich durch entsprechende Auslandsaufenthalte.

Ab 1895 war Kiesselbach in Hamburg als Anwalt niedergelassen und engagierte sich auch ehrenamtlich in berufsrechtlichen Zusammenschlüssen und der Juristenausbildung. Seine vorgesehene Wahl zum Senator der Hansestadt scheiterte durch die politischen Verwerfungen der Novemberrevolution 1918. 1921 wurde ihm die Hamburgische Gesandtschaft beim Deutschen Reich in Berlin angeboten. Dieses Angebot lehnte er ab.

1922 wurde er als Reichskommissar einer von zwei Schiedsrichtern der German American Mixed Claims Commission in Washington, D.C., die aufgrund des Berliner Vertrages von 1921 zum Zwecke der Feststellung der Reparationsansprüche der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg gebildet worden war und im Oktober 1922 ihre Tätigkeit aufnahm. Die Vereinigten Staaten entsandten den in Houston und New York zugelassenen Anwalt Edwin B. Parker als Commissioner in das Gremium. Als Umpire (Schiedsrichter) zwischen beiden fungierte zunächst der vom US-Präsidenten hierfür benannte ehemalige US-Außenminister und Richter am Supremecourt der USA William R. Day. Maßgeblich Kiesselbachs Mitwirkung ist es zu verdanken, dass die zur Sicherung dieser Ersatzansprüche in den USA als Pfand blockierten deutschen Vermögenswerte bereits 1928 in Höhe einer Quote von 80 Prozent freigegeben wurden, weil aufgrund der Tätigkeit der Kommission erkennbar wurde, dass der zunächst angenommene Sicherungsbedarf bei weitem unterschritten werden würde. Dieses wichtige Amt behielt er bis 1932 bei. 1929 wurde er überdies zum Präsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts bestellt.

Aus dem Präsidentenamt wurde Kiesselbach, der aus seiner Einstellung gegenüber den Nationalsozialisten keinen Hehl gemacht hatte, im Zuge der Gleichschaltung ab 1933 enthoben. Nach Kriegsende wurde er von der britischen Militärregierung am 29. Mai 1945 leitend mit dem Neuaufbau der Justiz in Hamburg betraut. Damit war zunächst bis zum 30. September 1946 auch die Präsidentenstelle am Hanseatischen Oberlandesgericht verbunden. Zum 1. Oktober 1946 übernahm Kiesselbach dann als Justizpräsident die Leitung des neu geschaffenen Zentral-Justizamtes für die Britische Zone und damit die Vermittlerrolle zwischen der Britischen Militärregierung und der deutschen Justiz in der gesamten Britischen Zone. Die Position entsprach also von den Kompetenzen der eines Justizministers. Diese Stelle bekleidete er bis zur Aufhebung des Amtes am 31. März 1950.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kiesselbach_(Jurist)
Dr. Ralph-Leopold Klemperer von Klemenau

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936

Austritt: 1935-10-16

geboren: 16.11.1884 Dresden – gestorben: 25. 4.1956 (Südafrika)

Beruf: Direktor der AG Kartonagenindustrie

Klassifikation: Verpackungen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
From 1910 to 1913 he worked as an engineer  in Pilsen and became 1913-1914 General Director of the Skoda factory  in Vienna, 1919-1936 Executive Director of AG für Cartonagen-Industrie (cardboard) in Dresden.

In 1937 he visted his eldest son in South Africa and later was able to obtain an  immigration visa. Up to his retirement in 1956, he held various industrial senior positions.

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1910-1913 Ing. in Pilsen,1913-1914 Generaldirektor der Skoda-Werke in Wien, 1919-1936 Leitender Direktor der AG für Cartonagen-Industrie in Dresden, 1937 Besuch des ältesten Sohnes und Emigration nach Südafrika mit Besuchervisum, später Einwanderungsvisum, bis 1956 versch. leitende Stellungen in der Industrie

Ralph Leopold v. Klemperer,  16.11.1884 in Dresden – 25. April 1956 in Südafrika, Fabrikant

Ralph Leopold v. Klemperer studierte 1904-1910 in Dresden und Jena und promovierte 19010 in Dresden zum Dr.-Ing.  1910-1913 ist er in Pilsen tätig und 1913-1914 in den Skoda-Werken in Wien. Nach dem 1. Weltkrieg wird er bis 1936 als Leitender Direktor der AG Cartonnagen-Industrie in Dresden tätig. 1937 emigriert mit seiner Frau er nach Südafrika und wird dort in leitender Stellung in versch. Unternehmen tätig.

Quelle:  Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945. Hsg von Werner Röder, Herbert A. Strauss. New York 2019
Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. herausgegeben von Werner Röder, Herbert A. Strauss, Dieter Marc Schneider, Louise Forsyth


Dr. h. c. Fritz Kohl

Club-Mitgliedschaft(en): Leipzig 1932 1933

Eintritt: 1932-09

Austritt: 1933-08

Beruf: Kaufmännischer Leiter d. MIRAG

rotarische Ämter: keine

Biographisches: In the course of the Gleichschaltung by the Nazis, regional broadcasting companies lost their property rights and legal independence. Fritz Kohl was arrested like numerous executives of the System Broadcasting of the Weimar Republic", which was denigrated as a "corruption swamp. 

Iin 1938 the proceedings against Kohl were stopped. Kohl was released and managed to emigrate to  Great Britain.

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im Zuge der "Gleichschaltung" durch die Nationalsozialistenverloren die regionalen Rundfunkgesellschaften ihre vermögensrechtliche und juristische Selbstständigkeit; Kohl wurde wie zahlreiche Führungskräfte des "Systemrundfunks der Weimarer Republik", der als "Korruptionssumpf" verunglimpft wurde, verhaftet; 1938 wurde das Verfahren eingestellt; Kohl kam frei und rettete sich ins Ausland (Großbritannien)
Dr. juris Richard Kohn

Club-Mitgliedschaft(en): Nürnberg 1929, 1930, 1931, 1932, 1933

Eintritt: 1929-09-16

Austritt: Juli 1933

geboren: 11. Februar 1881 in Nürnberg – gestorben: 15. Dezember 1941 in Riga

Beruf: Teilhaber einer Bankfirma

Klassifikation: Privatbank

rotarische Ämter: Schatzmeister, Clubmeister 1931

Biographisches: Jewish
Richard Kohn came from an esteemed Jewish family in Nuremberg. His great uncle, a hop merchant, was the first Jew to receive citizenship in Nuremberg in 1850. Grandfather Anton Kohn founded the important private bank Kohn. For several generations, members of the family worked voluntarily for the city: Anton Kohn acted as a bourgeois magistrate, his son Emil Kohn as well as his son Richard belonged to the college of the municipality plenipotentiaries.

After studying law, Richard Kohn joined the bank of his father, which he managed together with his brother Martin from 1906. In 1929 Richard Kohn was one of the 25 founding members of the RC Nuremberg and acted as its first treasurer. According to the current state of research, he left the club in July 1933 without request; two months earlier the lawyer Sigmund Dormitzer had already taken the same step.

Together with most members of his family Richard Kohn stayed in Nuremberg. In 1938, Julius Streicher's anti-Semitic inflammatory newspaper "Der Stürmer" made accusations against him for alleged "racial disgrace". Bankhaus Anton Kohn was liquidated or "aryanized" in 1938. Richard Kohn and other relatives were deported to Riga on 29 November 1941. He was presumably the victim of a mass executions on 26 March. (Brochure, 2018) "Without being asked and completely silent, the Jewish Rotarian friends Privy Justice Councillor Dormitzer (May 1933) and Commerce Councillor Richard Kohn (July 1933)l eft the club in order not to harm its existence. (RC Nuremberg, commemorative publication 1954)

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Richard Kohn entstammte einer bedeutenden jüdischen Familie Nürnbergs. Sein Großonkel, ein Hopfenhändler, war 1850 der erste Jude, der in Nürnberg das Bürgerrecht erhielt. Der Großvater Anton Kohn begründete das bedeutende Privatbankhaus Kohn. Über mehrere Generationen waren Mitglieder der Familie ehrenamtlich für die Stadt tätig: Anton Kohn wirkte als bürgerlicher Magistratsrat, sein Sohn Emil Kohn gehörte ebenso wie dessen Sohn Richard dem Kollegium der Gemeindebevollmächtigten an.

Nach dem Studium der Rechte trat Richard Kohn in das väterliche Bankhaus ein, das er seit 1906 zusammen mit seinem Bruder Martin leitete. Richard Kohn zählte 1929 zu den 25 Gründungsmitgliedern des RC Nürnberg und fungierte als dessen erster Schatzmeister. Nach bisherigem Forschungsstand verließ er den Club im Juli 1933 ohne Aufforderung; bereits zwei Monate zuvor hatte der Rechtsanwalt Sigmund Dormitzer den gleichen Schritt getan. Zusammen mit den meisten Mitgliedern seiner Familie blieb Richard Kohn in Nürnberg.

1938 wurden in Julius Streichers antisemitischem Hetzblatt „Der Stürmer“ Vorwürfe wegen angeblicher „Rassenschande" gegen ihn erhoben. Das Bankhaus Anton Kohn wurde 1938 liquidiert bzw. „arisiert". Richard Kohn wurde zusammen mit anderen Angehörigen am 29. November 1941 nach Riga deportiert. Vermutlich wurde er am 26. März Opfer einer Massenerschießung. (Broschüre, 2018) "Ohne aufgefordert zu sein und völlig geräuschhlos verließen die jüdischen rotarischen Freunde - Geheimer Justizrat Dormitzer (Mai 1933) und Kommerzienrat Richard Kohn (Juli 1933) - den Club, um seiner Existenz nicht zu schaden." 

Quellen: RC Nürnberg, Festschrift 1954, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de?id=902921

Viktor Heinrich Ernst Kraemer

Club-Mitgliedschaft(en): Heilbronn/N. 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

Eintritt: Gründungsmitglied

geboren: 26.5.1881 – gestorben: 17.2.1937

Beruf: Teilh. der Seheilsehen Buchdruckerei (bis 1933?)

Klassifikation: Altmitglied (früher: Verlag)

rotarische Ämter: Vizepräsident 1935/36 Präsident 1936 (!)

Biographisches:
Viktor Kraemer joined his father's publishing house in 1902, published the Neckar-Zeitung, the Heilbronner General-Anzeiger and the Heilbronner Abend-Zeitung.

In 1933 Kraemer was urged to sell the publishing house. His newspapers were discontinued in 1934.

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trat 1902 in den Verlag seines Vaters ein, gab die Neckar-Zeitung, den Heilbronner General-Anzeiger sowie die Heilbronner Abend-Zeitung heraus. 1933 wurde Kraemer zum Verkauf des Verlages gedrängt, seine Zeitungen wurden im Lauf des Jahres 1934 eingestellt.
Dr. Dr. Konrad Krieger

Club-Mitgliedschaft(en): München 1936

geboren: 24. Juli 1893

Beruf: eit 1922 verantwortlicher Schriftleiter der Münchner Zeitung. Nach 1945: Statistisches Landesamt

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Konrad Krieger, editor of Münchner Zeitung, lived with widowed journalist Karoline Dor, whose father was a "full Jew". Krieger held on to the household community despite the Nuremberg Laws. In 1938 he made it possible for Mrs. Dor and her son to emigrate to Switzerland. She later emigrated to Argentina.

Krieger was the soul of the resistance in the Münchner Zeitung and confidant of the former Bavarian envoy and former minister Franz Sperr, who was executed for preparation for high treason. Franz Sperr had planned for Konrad Krieger to lead the press and propaganda after the 1944 planned coup against Hitler.

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"In den Spruchkammerakten heißt es: Die Münchner Zeitung war im Jahre 1923 das offizielle Organ der Regierung Kahr. Sie habe sich gegen den Hitler-Putsch 1923 gewandt, auch später dem Nationalsozialismus nicht gebeugt. Sie sei ein Sammelbecken antifaschistischer Kreise gewesen. Dem scheinen Auskünfte von Hoser, Paul: Die politischen und sozialen Hintergründe der Münchner Tagespresse zwischen 1914 und 1934 zu widersprechen. Zu bedenken ist: Ohne Loyalitätsbekundungen hätte die Zeitung keine Chance gehabt, weiter zu bestehen. Natürlich war die Zeitung auch gebunden an den einzig bestehenden, nationalsozialistischen Nachrichtendienst. „Widerstand“ gegen die vorgeschriebene Linie konnte nur durch redaktionelle Mäßigung der gewünschten Linie und durch betonte Berücksichtigung unpolitischer Informationen und Beiträge aus dem Bereich von Kirche und Kultur geleistet werden.

Haushaltsgemeinschaft mit der verwitweten Journalistin Frau Karoline Dor. Deren Vater war Volljude. Krieger hielt trotz der Nürnberger Gesetze an der Haushaltsgemeinschaft fest. Er ermöglichte 1938 Frau Dor und dem Sohn Emigration in die Schweiz. Unter Druck der Frontistenverfolgung emigrierte sie nach Argentinien. Krieger war die Seele des Widerstands in der Münchner Zeitung. Vertrauter des bayerischen Gesandten und Ministers a.D. von Franz Sperr, der wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet wurde. Franz Sperr hatte Konrad Krieger für die Leitung der Presse und Propaganda nach dem geplanten Umsturz vorgesehen."

Quelle: Erdmann, München
Prof. Dr. phil. Richard Kroner

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933

Eintritt: 1932-05-06

Austritt: 1933

geboren: 8.3.1884 Breslau – gestorben: 02.11.1974 Mannern

Beruf: Prof. der Philosophie Uni Kiel

Klassifikation: Philosophie

rotarische Ämter: Besitzer 1932/33

Biographisches: Jewish
Richard Kroner wurde am 8. März 1884 in einem gutbürgerlich jüdischen (nicht konfessionell praktizierenden) Arzthaushalt in Breslau geboren. Er studiert nach seinem Abitur Philosophie, Literaturwissenschaft und Psychologie in Breslau, Berlin, Heidelberg und Freiburg, um ein möglichst breites Wissensspektrum dieser Fachrichtungen bei den führenden  Lehrern Deutschland zu erlangen. „Über logische und ästhetische Allgemeingültigkeit – Kants Kritik der Urteilskraft“ wurde er 1908 bei Heinrich Rickert in Freiburg promoviert.

Nach langer Wartezeit, evangelisch getraut, heiratet er die ebenfalls aus einer wohlsituierten schlesisch-jüdischen Familie stammende Alice Marie Kauffmann. Sie bekommen 1909 ihre einzige Tochter Gerda Margarete.

Im ersten Weltkrieg wird er als Hauptmann mit den EK I und II ausgezeichnet. Nach Freiburg zurückgekehrt beginnt er seine wissenschaftliche Laufbahn mit der naturphilosophischen Habilitationsschrift „Zweck und Gesetz in der Biologie“. Erst nach
acht weiteren Jahren wird er zum a.o. Professor ernannt und erhält einen dreijährigen Lehrauftrag für Philosophie. Hieraus entsteht sein zweibändiges elementar wichtiges Standardwerk „Von Kant bis Hegel“. Kroner wird Mitbegründer und Herausgeber der führenden Philosophie-Zeitschrift Logos und Präsident der internationalen Hegel-Gesellschaft.

1924 wird er mit Unterstützung von Victor Klemperer gegen völkische und antisemitische Widerstände auf den Lehrstuhl für theoretische Pädagogik und Philosophie an die Technische Hochschule Dresden berufen und erfreut sich persönlich und fachlich großer Beliebtheit. Andererseits legt er sich nach kurzer Zeit mit seinem dogmatisch philosophierenden Kollegen Baeumler an, welcher später zum gewichtigsten Vertreter der NS-Dienststelle Rosenberg an den deutschen Universitäten wird. Bereits nach vier Jahren bekommt er den Ruf der Universität Kiel auf den Lehrstuhl für Philosophie. Er kann sich seinem besonderen Thema deutscher Idealismus widmen und veröffentlicht 1931 seine Schrift „ Kulturphilosophische Grundlegung der Politik“. Hierin kritisiert er die faschistische und bolschewistische Idee vom von beiden Richtungen angestrebten „absoluten Staates“.

Seine weltoffene, konservativ-liberale Grundeinstellung zeichnet Kroner zu einem sehr geeigneten Kandidaten für Rotary aus. So wird Kroner 1932 als Gründungs- und als Beisitzer Vorstandsmitglied im Kieler Club einer der acht vertretenen Professoren von der Universität Kiel. Über Forschungs- und Lehrtätigkeit hinaus sorgten Kroner und Frau Alice für vielfältige Geselligkeit durch Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Tanz mit namhaften Gästen angrenzender Wissenschaften und anderer Berufsgruppen.

Seine überzeugt demokratische Einstellung und seine jüdische Abstammung sind schließlich Ursache, dass er nach der Machtergreifung Hitlers zur willkommenen Zielscheibe nationalsozialistisch gesinnter Studenten wird und seine Vorlesungen gewalttätig gesprengt werden. Noch hat Kroner das „Frontkämpferprivileg als Weltkriegsteilnehmer“ und ist zunächst nicht vom Gesetz zur Wiederherstellung des preußischen Berufsbeamtentums betroffen. 1934 wird er plötzlich suspendiert und nach Frankfurt zwangsversetzt. Dort legt man ihm dringend nahe, sich emeritieren zu lassen. Daraufhin geht er als  unauffällig arbeitender Forschungsprofessor bis zu seiner geglückten Flucht, doch völlig mittellos dastehend, nach dem Nazi-November-Progrom nach Oxford/England. Behilflich waren ihm dabei der ehemalige Kieler VWL-Kollege Jens Jessen, der vom Anhänger zum späteren Verschwörer in Plötzensee hingerichtet wurde und Kroners früherer Schüler Michael Foster. Dort hält er viel beachtete, aber spärlich bezahlte Gastvorlesungen. Erst 1939 gelingt es auch seiner Frau und seiner Mutter nachzukommen.

Ende 1939 scheint sich ein Ruf an das Vassar College (WASP) Upstate N.Y. zu konkretisieren. Die Kroners siedeln in die Vereinigten Staaten über. Aufgrund der kriegsbedingten Feindseligkeiten gegenüber geflüchteten Gelehrten aus Nazi-Deutschland erfüllt sich das sicher geglaubte Angebot nicht und Kroner muss sich erneut mit Honorarvorlesungen durchschlagen. Durch seinen bereits früher ausgewanderten Dresdner Freund und Kollegen Paul Tillich erhält er die Empfehlung für einen Lehrauftrag am Union Theological Seminary der Columbia University in New York. Hier lehrt er beruflich recht zufrieden, familiär aber durch schwere Schicksalsschläge im NS-Deutschland getroffen und persönlich von der Sehnsucht nach einer Heimat erfüllt bis zu seiner Emeritierung 1951.

Drei späte Höhepunkte in seinem letztlich erfolgreichen wissenschaftlichen Leben sind die erste Nachkriegs-Festrede anlässlich des Kongresses der Internationalen Hegelgesellschaft in Heidelberg 1962, die Ernennung zu deren Ehrenpräsidenten, die Teilnahme an der 300 Jahrfeier der Kieler Uni 1965, wo er stolz in dem Zug der Professoren durch die Stadt  mitschreitet, welche ihn einst verstieß und heute wieder zu den Ihren rechnet und die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der BRD für sein Wirken als wissenschaftlicher Lehrer und geistiger Brückenbauer zwischen den Völkern der alten und neuen Heimat.

Erschütternd ist andererseits das Bekenntnis des 90jährigen in die Schweiz zum Sterben gekommenen deutschen Patrioten: „Wir deutschen Juden haben keine Heimat mehr, in den Staaten haben wir uns nie eingelebt und sind Fremde geblieben, und in Deutschland können wir auch nicht mehr Fuß fassen, da alle unsere Leute umgebracht wurden“.  (Karsten Wick)
Dr. jur. Gottfried Kuhnt

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933

Eintritt: 1932-05-06

Austritt: 1933

geboren: 25.6.1884 Jena – gestorben: 30.11.1967 Hamburg

Beruf: Oberlandesgerichtspräsident

Klassifikation: Richter (Höchste Gerichtsbarkeit)

rotarische Ämter: keine

Hugo Kuppenheim

Club-Mitgliedschaft(en): Pforzheim 1931, 1932

geboren: 18. November 1872 – gestorben: 13. August 1938

Beruf: Vorstand der Louis Kuppenheim GmbH

Klassifikation: Emallwaren Fabrik

rotarische Ämter: Vizepräsident 1931, 1932

Biographisches:
Hugo KUPPENHEIM , Silberwarenfabrikantm 
Vater Louis Kuppenheim, Silberwarenfabrikant, Firma gegründet 1854 (mit Heinrich Witzenmann), liquidiert 1939 
Träger des Eisernen Ritterkreuzes im 1. Weltkrieg

Selbsttötung am 13. August 1938 in Pforzheim
(Verzweiflungstat wg. Schikanen)

Quellen: Bundesarchiv, Fuhrmann, Pforzheim

Ludwig Landmann

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932

Austritt: 1933

geboren: 1868 – gestorben: 1945

Beruf: Oberbürgermeister von Frankfurt

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Ludwig Landmann (1868-1945) was Lord Mayor of Frankfurt from 1924 to 1933. He came from a poor Jewish family in the Palatinate, studied law and economics in Heidelberg, Munich and Berlin and joined the Mannheim city administration. His political home was southern German liberalism, tolerant, faithful to progress and keen to experiment. In 1916, he was appointed head of the economic department in Frankfurt and in 1924, as a member of the left-liberal DDP, he was elected mayor of the city.

Immediately before the National Socialist election victory in the local elections on 12 March 1933, he was driven out of office by threats and submitted his resignation. Landmann then moved from Frankfurt to Berlin. Because of his Jewish origin he was subjected to harassment. Among other things, the new magistrate withdrew his pension payments from him in June 1933 on the grounds that the Jew Landmann had imposed enormous burdens on the city through his "megalomaniac management".

Towards the end of his life, Landmann increasingly found himself in material need. Illnesses, the Jewish wealth tax and finally the Reich Flight Tax left him almost destitute. In 1939, shortly before the outbreak of war, he fled to the Netherlands, the home of his wife. After the German occupation of the Netherlands in May 1940, relatives and friends hid him in order to protect him from deportation. On 5 March 1945 he died in hiding from malnutrition and cardiac insufficiency. (Wikipedia)


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Ludwig Landmann ( 1868-1945) war von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt. Er entstammte einer ärmlichen jüdischen Familie in der Pfalz, machte Abitur in Mannheim, studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Heidelberg, München und Berlin und trat zunächst in die Mannheimer Stadtverwaltung ein. Seine politische Heimat war der süddeutsche Liberalismus, tolerant, fortschrittsgläubig und experimentierfreudig. 1916 Wirtschaftsdezernent in Frankfurt und 1924 als Mitglied der linksliberalen DDP zum Oberbürgermeister gewählt, prägte er als energische Führungskraft maßgeblich das „neue Frankfurt". Im März 1933 wurde er entlassen und zog nach Berlin um.

Unmittelbar vor dem nationalsozialistischen Wahlsieg bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 wurde er durch Drohungen aus dem Amt vertrieben und reichte seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger wurde Friedrich Krebs (NSDAP). Landmann zog danach von Frankfurt nach Berlin. Wegen seiner jüdischen Herkunft war er Schikanen ausgesetzt. Unter anderem entzog ihm der neue Magistrat im Juni 1933 seine Pensionszahlungen mit der Begründung, der Jude Landmann habe durch seine „größenwahnsinnige Wirtschaftsführung“ der Stadt ungeheure Lasten aufgebürdet. Auf Anweisung der Kommunalaufsicht musste die Stadt ab November 1933 seine Ruhestandsbezüge wieder auszahlen.

Gegen Ende seines Lebens geriet Landmann zunehmend in materielle Not. Krankheiten, die Judenvermögensabgabe und schließlich die Reichsfluchtsteuer hinterließen ihn nahezu mittellos. 1939 floh er kurz vor Kriegsausbruch in die Niederlande, die Heimat seiner Frau. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 versteckten ihn Verwandte und Freunde, um ihn vor der Deportation zu bewahren. Am 5. März 1945 starb er im Versteck an Unterernährung und Herzmuskelschwäche. (Wikipedia)
Prof. Dr. Julius Lehmann

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932

Austritt: 15.6. 1933

geboren: 1884 Frankfurt – gestorben: 1951 USA

Beruf: Rechtsanwalt für Wirtschaftsrecht und internationales Privatrecht. Professor der juristischen Fakultät der Universität

Klassifikation: Internationales Privatrecht

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Julius Lehmann ( 1884-1951 ), member of an old Frankfurt banking family, graduated from the Goethegymnasium in 1903. He was a lawyer specializing in commercial law and international private law and taught as a professor at Frankfurt University's Faculty of Law. He was close to Albert Hahn, with whom he was a friend. After his forced dismissal from his profession and university, he emigrated to Switzerland in 1933 and to the USA in 1941 (Hauck, Albert Hahn, 79 f.).


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Julius Lehmann ( 1884-1951 ), aus einer alten Frankfurter Bankiersfamilie stam- mend, machte 1903 Abitur am Goethegymnasium. Er war Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Wirtschaftsrecht und Internationales Privatrecht und lehrte als Professor an der Juristischen Fakultät der Universität. Fachlich stand er Albert Hahn nahe, mit dem er befreundet war. Nach erzwungener Entlassung aus Beruf und Universität emigrierte er 1933 in die Schweiz, 1941 in die USA (Hauck, Albert Hahn, 79 f.).
Dr. Walter Leiske

Club-Mitgliedschaft(en): Leipzig 1929 1930 1931 1932 1933

Eintritt: 1929-06-11

Austritt: 1933-06-20

geboren: 7.2.1889 – gestorben: 22.10.1971

Beruf: Stadtrat

Klassifikation: Stadtverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Studied law and political science. 1914 doctorate.1920 to 1925 senator in Wilhelmshaven. full-time city councillor in Leipzig, dismissed for political reasons in 1934. Active in Berlin until 1946 as a chartered accountant. 1947 General Manager of the Chamber of Industry and Commerce in Frankfurt am Main, 1948 to 1960 Mayor of Frankfurt. Leiske was a member of the German Bundestag from 1953 to 1961.

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Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. 1914 Promotion.1920 bis 1925 Senator in Wilhelmshaven. hauptamtlicher Stadtrat in Leipzig, 1934 aus politischen Gründen entlassen. In Berlin bis 1946 als Wirtschaftstreuhänder tätig. 1947 Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt am Main, 1948 bis 1960 Bürgermeister in Frankfurt. Leiske gehörte dem Deutschen Bundestag von 1953 bis 1961 an.
Dr. Gustav Leo

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

geboren: 3. Mai 1868 in Hamburg – gestorben: 8. Dezember 1944 Hamburg

Beruf: Oberbaudirektor a. D.

Klassifikation: Bau-Ing.-Wesen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Gustav Leo retired in 1933 at the age of 65. In 1935 it was established that he was "a quarter non-Aryan". Charged with "broadcasting crimes" - eavesdropping on prohibited stations, he was arrested on Sept. 1944, and died in Fuhlsbüttel concentration camp because he did not receive necessary medication. (Voltz)

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trat 1933 mit 65 Jahren in den Ruhestand. 1935 wurde festgestellt, dass er „ zu einem Viertel Nichtarier“ sei. Angeklagt wegen „Rundfunkverbrechen“ - Abhören verbotener Sender. Sept. 1944 verhaftet, verstorben im KZ Fuhlsbüttel
In Hamburg erinnert ein Stolperstein an Gustav Leo.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Leo



Major a.D. Friedrich Lessing

Club-Mitgliedschaft(en): Friedrichshafen-Lindau 1934

Eintritt: 1934-06-16

Austritt: 1934-09-01

geboren: 1876-8-21 – gestorben: 1959-06-26, Markdorf

Beruf: Gutsbesitzer

Klassifikation: Landwirtschaft

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Friedrich Lessing, a former WW I major, was of Jewish descent. In 1919 he bought a farm in Markdorf and expanded the agricultural business.

Friedrich Lessing was active in the preparatory meetings for the foundation of the Club Friedrichshafen-Lindau. Though listed as a member in the foundation meeting on 16 June 1934,  he was no longer allowed to take part in the charter party in September and was is not listed as a member in the membership directory. The Munich and/or Stuttgart clubs made him give up his membership. The club minutes of October 11, 1934, offered him to attend club meetings as a guest, which he did at various occasions.

In 1934 Friedrich Lessing transfered the farm to his children; his wife (of "Arian" descent) took over the management of the farm. Friedrich Lessing subsequently spent time at various unknown places in the region. The family was harassed by the local authorities, but managed to keep their property until the end of the war.

Friedrich Lessing returned to his farm after the war and lived there until his death in 1959. He did not  join the re-established Club Friedrichshafen-Lindau.

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Friedrich Lessing war jüdischer Abstammung. Er erwirbt 1919 einen Gutshof in Markdorf und baut den landwirtschaftlichen Betrieb aus.

Friedrich Lessing war an den vorbereitenden Sitzungen zur Gründung des Clubs Friedrichshafen-Lindau 1933/34 beteiligt, in der Gründungsversammlung am 16. Juni 1934 wird er als Mitglied geführt, an der Charterfeier im September darf er nicht mehr teilnehmen und er taucht auch in den Mitgliederlisten nicht mehr auf. Nach Einflussnahme der Patenclubs München und/oder Stuttgart wurde er zwischenzeitlich zum Verzicht auf seine Mitgliedschaft gedrängt. Am 11. Oktober protokolliert der Club: Herrn Major Lessing wird nach seinem Ausscheiden die Möglichkeit gegeben, auch weiterhin an den Zusammenkünften als Gast teilzunehmen, was er dann auch mehrfach tat.

Noch 1934 überschreibt Friedrich Lessing den Hof auf seine Kinder; seine Frau (keine jüdische Abstammung) übernimmt die Bewirtschaftung des Hofes. Friedrich Lessing hält sich in der Folge an verschiedenen unbekannten Orten in der Region auf. Die Familie wird von den örtlichen Behörden schikaniert und ist dadurch psychisch stark belastet, behält aber bis Kriegsende Leben und Eigentum. Lessing kehrt nach dem Krieg zurück auf seinen Hof und lebt dort bis zu seinem Tode im Jahr 1959. Dem wiedergegründeten Club Friedrichshafen-Lindau tritt er nicht mehr bei.
Prof. Dr. phil. Wolfgang Liepe

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933

Eintritt: 1932

Austritt: 1933

geboren: 27.8.1888 Schulzendorf Kreis Ruppin – gestorben: 10.07.1962 Kiel

Beruf: Direktor Institut Literatur- + Theaterwissenschaft Uni Kiel

Klassifikation: Literatur-und Theaterwissenschaft

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Präsident 1932/33

Biographisches:
Wolfgang Liepe wird am27. August 1888 in Schulzendorf als Sohn des protestantischen Pastors Carl Liepe (1855 – 1895) und seiner Ehefrau Emma (geb. Rauth 1860) geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule in Herzberg und dem Gymnasium Potsdam legt er 1906 sein Abitur ab. Unmittelbar danach nimmt er ein Studium der Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Französisch an der Humboldt Universität in Berlin auf. In Paris und Halle setzt er sein Studium mit dem weiteren Studienfach Romanistik fort.

1913 wird er mit einer Arbeit über „Das Religionsproblem im neueren Drama von Lessing bis zur Romantik“ promoviert. Im Jahr darauf legt Liepe das Staatsexamen zum Lehramt ab. Er hat allerdings den Berufswunsch, eine Theaterlaufbahn einzuschlagen, nach Kriegsende verworfen, um schließlich eine wissenschaftliche Laufbahn an der Universität Halle zu beginnen. 

Wegen seines seit der Kindheit schwachen Gesundheitszustandes wird er nicht in den inzwischen begonnenen 1. Weltkrieg in Kampfhandlungen eingezogen. Stattdessen wird er 1916 als Lehrer an der Franckeschen Stiftung in Halle verpflichtet. 1915 heiratet Liepe Gertrud Neustadt (1891 – 1976) mit der er drei Kinder haben wird.

Bereits 1919 wird Liepe mit einer sehr beachteten Arbeit „ Elisabeth von Nassau Saarbrücken, Entstehung und Anfänge des Prosaromans in Deutschland“ habilitiert. Liepe bleibt in Halle als Privatdozent und wird 1925 außerordentlicher Professor. Daneben arbeitet er seiner stillen Leidenschaft nachgehend als Dramaturg am Haller
Stadttheater. 

1928 bekommt er einen Ruf nach Kiel auf den Lehrstuhl „Neuere deutsche Sprache Und Literatur“. Hier beginnt er die Arbeit seines Vorgängers fortsetzend mit seinen umfangreichen Forschungen und musealen Dokumentationen zum Lyriker und Dramatiker Friedrich Hebbel mit dem er sich einen hohen Bekanntheitsgrad in der Literaturwissenschaft verschafft. Im Wintersemester 1929/30 bekommt er die seinerzeit seltene Berufung als deutscher Gastprofessor an die Harvard University in Cambridge/ Mass. und kann sich hierdurch einen ersten guten Ruf in den USA verschaffen.

Er ist Mitglied der DDP und befreundet sich mit dem Kieler Soziologen Ferdinand Tönnies Mit dem er im republikanischen Club zu Kiel im kleinen Kreis demokratisch-liberaler Professoren ein uneingeschränktes Bekenntnis zur parlamentarischen Integration verficht. Damit zieht er sich bereits vor der Machtergreifung den Zorn der Nationalsozialisten zu.

Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit ist Liepe gesellschaftlich gut vernetzt. Er wird deshalb vom damaligen Präsidenten Leisler Kiep, Korvetten Kapitän a.D. und Direktor der Hamburg-Amerika-Linie mit der Klassifikation „Seeschifffahrt“ des ersten Deutschen Rotary-Clubs Hamburg beauftragt, einen Rotary-Club in der Marine- und Universitätsstadt Kiel zu gründen.

Gründungsbeauftragter wird Fregatten Kapitän a.D. und Generalkonsul der Union Südafrikas Fritz Brehmer (Klassifikation“ Ausländischer Konsulardienst, Diplomatie“). Brehmer sollte in der Hamburgischen Clubgeschichte noch eine sehr unselige Rolle als PG und überzeugter Nationalsozialist spielen (Rotary Mitglied im RC HH von 1931-1936, sein Austritt erfolgte aus Opportunität nach dem Heydrich Dekret 1936, wonach kein PG mehr Rotarier sein durfte).

Am 9.08.1932 wird der Kieler Rotary-Club mit 34 von Liepe handverlesenen angeworbenen Mitgliedern unter der Nr. 3543 gechartert. Liepe wird Gründungspräsident mit der Klassifikation „ Literatur- und Theaterwissenschaft“.Vizepräsident wird der Physiker Wolfgang Otto, geschäftsführender Gesellschafter der Anschützwerke mit der Klassifikation „Kreiselkompasse“. Beisitzer im noch jungen Vorstand wird der ebenfalls ab der NS-Zeit diskriminierte liberale Professor Richard Kroner Klassifikation „Philosophie“. Liepe und Kroner werden im nächsten Mitgliederverzeichnis 1934/35, das in diesem Zeitraum erst nach zwei Jahren erschien, gar nicht mehr erwähnt.

Die Gründungsmitglieder rekrutierten sich aus sieben weiteren eher linksliberal eingestellten Hochschulprofessoren, bedeutenden Unternehmensführern der Kieler Wirtschaft, Persönlichkeiten aus dem Kulturbereich, stadtbekannten Selbstständigen und Kleinunternehmern der Region und dem unabhängigen liberalen Kieler Oberbürgermeister
Emil Lueken.

Im März 1933 eskaliert die Stimmung an der Kieler Universität zu Gunsten der Nationalsozialisten. Studenten werfen Liepe Rassenschande vor, da er mit einer Jüdin verheiratet ist. Sein Kollege Brüggemann intrigiert gegen Liepe, um seinen Lehrstuhl zu bekommen. Er  schafft es, daß die Studenten Liepes Lehrtätigkeit aus „rassischen und nationalen Gründen boykottieren. Ein Ermittlungsverfahren, das Liepe selbst gegen sich erwirkt, um die Vorwürfe zu klären, endet mit dem Ergebnis, daß man ihm politische Unzuverlässigkeit vorwirft. Schon zu Beginn der Streitigkeiten im April 1933 wird Liepe beurlaubt. Dies wird im Nachhinein damit begründet, daß er nicht „rein arisch“ sei und auch im 1. Weltkrieg nicht fürs Vaterland gekämpft habe. Im September desselben Jahres stuft das Reichsinnenministerium ihn nicht mehr als Juden ein, wohl jedoch als „jüdisch versippt“. Um ihn schließlich dennoch von seinem  Lehrstuhl zu entfernen wird er, wie mehrere Kollegen aus anderen Fakultäten auch, im November 1934 an die Universität Frankfurt versetzt. Dort wird er im besten Alter von 48 Jahren 1936 emeritiert. 

Perspektiven für eine Fortsetzung seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit sieht er in Deutschland nicht mehr und zusätzlich sieht er seine jüdische Ehefrau durch die Nationalsozialisten als ständig bedroht. Er schafft es glücklicherweise -zwar mittellos und ohne seinem wissenschaftlichen Fundus - während der Einladung der Carl-Schurz-Gesellschaft zu Vorträgen in die USA zu emigrieren. Zunächst arbeitet er an der Theologischen Fakultät des Yankton College in South Dakota, wo er im Fach der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte liest. 1947 bekommt er einen Ruf an die University of Chicago als Associate Professor für das Fach „Deutsche Literaturwissenschaft“.

Nach Kriegsende entwickelt Liepe einen intensiven Kontakt zur Universitätsleitung in Kiel. Er bekommt zunächst ein Angebot für eine Gastprofessur. Er entscheidet sich bald anders als viele seiner Kollegen mit ähnlichen Schicksalen für die es undenkbar ist, doch wieder in die alte Heimat zurückzukehren. 1954 übernimmt der aus dem Exil in USA zurückgekehrte Liepe seinen alten Lehrstuhl in Kiel bis zu seiner Emeritierung 1956 mit 68 Jahren.

Wolfgang Liepe beschäftigte sich in Forschung und Lehre intensiv mit der deutschen Literatur des !8. Jahrhunderts, sein Forschungsschwerpunkt war der Dithmarscher Dichter und Schriftsteller Friedrich Hebbel über den er umfangreich veröffentlichte. 1960 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Kiel (heute Kultur- und Wissenschaftspreis).

Wolfgang Liepe stirbt am 10. Juli 1962 im Alter von 73 Jahren, seine Frau überlebt ihn um 14 Jahre

Quellen: 
  • Mechthild Kirsch: Wolfgang Liepe, In: Christoph König (Hrsg.) Internationales Germanistenlexikon 1800-1950, Band 2, Berlin 2003, S. 1092-1094
  • Eberhard Wilhelm Schulz: Liepe, Wolfgang, In: Neue deutsche Biographie (NDB) Band 14, Duncker&Humblot, Berlin 1985, S.532 ff
  • Ralph Uhlig (Hrsg.): Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, CAU nach 1933.
  • Erich Hoffmann (Hrsg.):  Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus.  Kieler Werkstücke, Reihe A, Frankfurt am Main 1991, S. 29-32
  • Wikipedia https://de.Wikipedia.org/w/index.php?title=Wolfgang_Liepe&oldid=155003755”
  • Harald Wohlthat RC Kiel (Hrsg.) Mai 2007  75 Jahre Rotary Club Kiel 1932-2007
Gustav Lindemann

Club-Mitgliedschaft(en): Düsseldorf 1930, 1931, 1932

geboren: 1872

Beruf: Generalintendant Ddf Schauspielhaus

Klassifikation: Öffentliche Veranstaltungen

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Gustav Lindemann, with the participation of the Lord Mayor of Cologne Konrad Adenauer, sought a collaboration with the Städtisches Schauspiel Köln, which initially came about for a season of 1932/33 under the joint title Deutsches Theater am Rhein.

Due to the change of power in 1933 the project lost all support and had to give up. Almost at the same time, in early 1933, the Berlin audience became aware of Gustav Lindemann when he successfully staged Faust II at the Berlin Staatstheater. The stage technology and the stage design designed by Teo Otto set new standards. Even the National Socialist press celebrated the production of the director of Jewish descent. Lindemann was even offered the orphaned directorship of the Berlin Staatstheater, which he rejected.

Due to the pressure of the regime on the "Jew" Lindemann, he withdrew from theatre life. From 1936 he lived secluded on his estate in Sonnenholz, where he survived the time of National Socialism with the help of influential friends like Ernst Poensgen and Gustaf Gründgens. In silence he devoted himself to the documentary safeguarding of the joint life achievement with Louise Dumont, for which he was able to erect the first memorial site in the Stahlhof in Düsseldorf from 1940 by order of the general director of the Vereinigte Stahlwerke, Ernst Poensgen.

After the war, Lindemann returned to Düsseldorf at the age of 73, where he took part in the reconstruction of the city's cultural life. In 1947 he bequeathed his archive to the city of Düsseldorf. Today, the Dumont-Lindemann Archive is part of the Düsseldorf Theatre Museum. In memory of his deceased wife, Lindemann donated the Louise Dumont Topas. On 5 May 1960, Gustav Lindemann died at the age of 87 on his estate in Sonnenholz near Rosenheim.

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Die allgemeine Theaterkrise zu Beginn der 1930er Jahre zwangen Louise Dumont und Gustav Lindemann, auch Kooperationen mit kommunalen Bühnen der Umgebung in Betracht zu ziehen. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Louise Dumonts 1932 strebte Gustav Lindemann unter Beteiligung des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer eine Zusammenarbeit mit dem Städtischen Schauspiel Köln an, die zunächst für eine Spielzeit 1932/33 unter dem gemeinsamen Titel Deutsches Theater am Rhein zustande kam.

Durch den Machtwechsel 1933 verlor das Projekt jegliche Unterstützung und musste aufgeben. Das verwaiste Schauspielhaus wurde an die Städtischen Bühnen, Düsseldorf unter Walter Bruno Iltz als zusätzliche Spielstätte für den Schauspielbereich verpachtet. Düsseldorfer Schauspielhaus auf der Kasernenstraße 1905.

Fast zur gleichen Zeit, Anfang 1933, wurde das Berliner Publikum auf Gustav Lindemann aufmerksam, als dieser am Berliner Staatstheater den Faust II erfolgreich inszenierte. Die Bühnentechnik und das von Teo Otto entworfene Bühnenbild setzen neue Maßstäbe. Selbst die nationalsozialistische Presse feierte die Inszenierung des jüdischstämmigen Regisseurs. Man trug Lindemann sogar den verwaisten Intendantenposten des Berliner Staatstheaters an, den er ablehnte.

Durch den Druck des Regimes auf den „Juden“ Lindemann zog sich dieser vom Theaterleben zurück. Ab 1936 lebte er zurückgezogen auf seinem Gut in Sonnenholz, wo er die Zeit des Nationalsozialismus mit Hilfe einflussreicher Freunde wie Ernst Poensgen und Gustaf Gründgens überlebte. Im Stillen widmete er sich der dokumentarischen Sicherung der gemeinsamen Lebensleistung mit Louise Dumont, für die er ab 1940 durch Verfügung des Generaldirektors der Vereinigten Stahlwerke, Ernst Poensgen, im Stahlhof in Düsseldorf eine erste Memorialstätte errichten konnte.

Nach dem Krieg kehrte Lindemann mit 73 Jahren nach Düsseldorf zurück, wo er sich am Wiederaufbau des kulturellen Lebens der Stadt beteiligte. 1947 vermachte er sein Archiv der Stadt Düsseldorf. Das Dumont-Lindemann-Archiv ist heute Teil des Düsseldorfer Theatermuseums. Im Gedenken an seine verstorbene Frau stiftete Lindemann den Louise Dumont Topas. Am 5. Mai 1960 starb Gustav Lindemann im Alter von 87 Jahren auf seinem Gut in Sonnenholz bei Rosenheim.

Quellen: Wikipedia, www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/L/Seiten/GustavLindemann.aspx
Max Loeb

Club-Mitgliedschaft(en): Pforzheim 1931, 1932

geboren: 31.1.1880 in Kallstadt/Pfalz – gestorben: 1954 in USA

Beruf: Direktor der Deutschen Bank und Disconto-Gesellscltaft, Filiale Pforzheim

Klassifikation: Banken

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Max LOEB, Bankkaufmann
geb. am 31.1.1880 in Kallstadt/Pfalz; verheiratet mit Marie Weil (1873-1943*);
 Tochter Friederike-Susanne „Susie“ Loeb
Direktor bei Deutsche Bank Pforzheim (1929-37: Deutsche Bank & Disconto Gesellschaft)
am 22. Oktober 1940 nach Gurs, Pyrenäen, deportiert, zusammen mit seiner Frau 
 „ Wagner-Bürckel-Aktion“: Deportation von 6500 Südwestdeutschen; Auszug aus der 
 Deportationsliste (Landesarchiv Baden): „Nr. 5177: Loeb, Max Israel, geb. 31.1.80, 
 wohnhaft Pforzheim Lameystr. 36; Nr. 5178 Loeb, Marie Sara, geb. Weil 7.8.1873, 
 wohnhaft Pforzheim Lameystr. 36“ 
gerettet 31.8.1944 (libération de Gurs)
gestorben 1954 in USA ?
Quelle: Fuhrmann, Pforzheim
Dr. jur. Emil Heinrich Wilhelm Lueken

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933

Eintritt: 1932

Austritt: 1933

geboren: 2.3.1879 Oldenburg – gestorben: 20.03.1961 Bremen

Beruf: Oberbürgermeister

Klassifikation: Kommunalverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Lueken was born on 20.3.1879 in Oldenburg/O. into a family of bourgeois Protestant teachers. He graduated from a traditionally humanistic grammar school and studied law and economics in Göttingen and Heidelberg. With the first state law examination in 1900 , he completed his studies at the Higher Regional Court in his home town of Oldenburg. In the same year he received his doctorate in Heidelberg. His academic thinking and later professional actions were strongly influenced by his two socially liberal teachers Friedrich Naumann and Max Weber.

In 1905 Lueken got married to Frieda Cropp. The couple had four suns. In 1917 he became Mayor of the newly formed Prussian town of Rüstringen-Wilhelmshaven in 1919 and In 1920 Lord Mayor of the city of Kiel. His success in Rüstringen-Wilhelmshaven and his great expertise in the economic and cameralistic fields convinced a large majority of the population that Lueken was the best solution to the municipal problems of Kiel in the post-war period. As a non-partisan with a moderate national-liberal attitude, he succeeded in mediating between the traditionally bourgeois and the Social Democrats. He successfully changed the one-dimensional naval orientation of the city by investing in new residential areas, in modern supply structures and in traffic engineering such as road, airport and free port construction, but also in cultural, artistic and scientific facilities. New trade structures and large-scale projects were created and should lead to the re-employment of the population.

Even before Lueken became a Rotarian, he took up a suggestion from the University Institute for the World Economy to hold the autumn week for "Art and Science" under his leadership parallel to the Nordic fair. There were theatre and opera performances, scientific lectures, art exhibitions and social events. Lueken's special idea was not to organise this event on a one-sided national basis, but to invite the festival activists and participants from the capitals of the surrounding Baltic Sea states in accordance with his international attitude at that time.

Unfortunately, the dramatically changed economic and political situation in Germany and the global economic crisis also had a negative effect on Kiel. The bourgeois parties lost the confidence of the people of Kiel and turned resignedly to the NSDAP. Nevertheless, Lueken was convincingly confirmed in 1932 for another 12 years against the votes of the SPD and the NSDAP in the Lord Mayor's Office.

After the "seizure of power", Hitler implemented the unification of states and municipalities,. He used terror to exert targeted pressure on the electoral behaviour of the population. Lueken was accused of not deposing three members of the Social Democratic magistrate. Despite massive threats by the National Socialists, Lueken steadfastly refused. He declared that "democratically elected city councils cannot be dismissed without a legal basis". The day before the Prussian local elections forced by the NSDAP, SA columns marched in front of the town hall. Nazi district leader Walter Behrens penetrated the town hall with a group of Nazi vassals, occupying it and forcibly removing Lueken from his office in a coup d'etat.

As Rotarians became city leaders in many old Rotary clubs, the cosmopolitan national-liberal mayor Emil Lueken was a founding member of the RC-Kiel in 1932. Now, however, he lost his Rotarian classification of "local government" and the associated membership in the club.

Not a member of the Nazi party, Lueken hat to look a professional and left Kiel. Recommended by the Prussian Minister of Finance Johannes Popitz, a member of the resistance who was later executed in Plötzensee, he found a new job as director of Comerz- und Privatbank AG in Bremen. As a pensioner, Emil Lueken acted as trustee of the German assets of the National Securitas Corp. London (BING "Orga-Schreibmaschinen Nürnberg") based in Berlin, an originally Jewish private company.

After three years, Luekens suffered another blow of fate: his eldest son Dr. jur. Hillert Lueken hat moved to Berlin with his girlfriend, a member of the Jewish Goldmann merchant family, and later an artist and cabaret artist known throughout Germany under the name Lotte Huber. Hillert was the in-house lawyer of a machine factory, Lotte hat studied expressive dance. The unmarried couple was denounced by a friend, and both were imprisoned for so-called "racial disgrace". Hillert was shot behind the back in custody on 6 May 1937, his death disguised as suicide by the Nazi authorities. Lotte was taken to the Moringen concentration camp. She was released in 1938 with the help of her brother Kurt and was able to emigrate to Palestine.

In December 1943, his third son Klaus,died when his submarine was hit during a British bombing raid in the Bay of Biscay - no member of the crew survived.

The second son Bernd Lüder-Lueken studied medicine in Kiel and Berlin during the war. There he became a professor for physiology. In 1946 he accepted an appointment at the University of Halle (East Germany) where he taught until his retirement. He war hightly honored for his research activities and chaired numerous national expert committees. In addition, Bernd was intensively involved in the Protestant Church. He was therefore suspiciously observed by the State Security Service of the East German Governorment as well as because of his close family ties to West Germany.

On his 75th birthday, Emil Lueken was awarded the Grand Cross of the Order of Merit of the Federal Republic of Germany "for outstanding achievements for the common good". Emil Lueken died on his 82nd birthday in Bremen and was buried in the family grave in his home town of Oldenburg.

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Lueken wurde am 20.3.1879 in Oldenburg/O. geboren. Dort wuchs er in einer an gese-henen gutbürgerlichen evangelischen Seminarlehrerfamilie auf. Er legte am humani-stischen Alten Gymnasium sein Abitur ab. Er begann 1897 sein Studium in Göttingen in den Fächern Rechtswissenschaft und Na-tionalökonomie, welches er in Heidelberg fortsetzte. Mit der ersten juristischen Staatsprüfung schloss er 1900 sein Studium am OLG in seiner Heimatstadt Oldenburg ab. Noch im gleichen Jahr promovierte er in Heidelberg. Sein akademisches Denken und späteres berufliches Handeln wurde stark durch seine beiden sozialliberalen Lehrer Friedrich Naumann und Max Weber geprägt.

1905 heiratet Lueken die Forstmeisterstochter Frieda Cropp. Sie haben zusammen 4 Söhne: Hillert 1906, Bernd 1908, Klaus 1910 und Reiner 1919.

Über einen einjährigen Militärdienst beim oldenburgischen Infanterieregiment und Berufsstationen als Referendar, Amtsanwalt, sein zweites juristisches Staatsexamen am OLG Oldenburg und als Regierungsassessor in Brake wurde er Stadtsyndikus in Del-menhorst und schließlich 1907 Ortsbürgermeister von Heppens. Nach einem Gemeindezusammenschluss 1911 mit Bant und Neuende zu Rüstringen wur-de er Bürgermeister und 1917 Oberbürgermeister sowie schließlich 1919 OB der neu ge-bildeten preußischen  Stadt Rüstringen-Wilhelmshaven.
Hier konnte er auf eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken.

1920 bewarb sich Lueken in einer Direktwahl zum Oberbürgermeister der Stadt Kiel. Sein Erfolg in Rüstringen-Wilhelmshaven und seine große Sachkenntnis auf wirt-schaftlichem und kameralistischem Gebiet überzeugte eine große Mehrheit der Bevölkerung, dass mit Lueken die kommunalen Probleme Kiels der Nachkriegszeit am besten gelöst werden können. Als Parteiloser mit gemäßigt national-liberaler Einstellung gelang es ihm zwischen den traditionell bürgerlichen und den idealisierten Sozialdemokraten zu vermitteln. Er veränderte erfolgreich die eindimensionale Marineausrichtung der Stadt mit In-vestitionen in neue Wohngebiete, in moderne Versorgungsstrukturen und in Verkehrs-technik wie Straßen-, Flughafen- und Freihafenbau aber ebenso in Kultur-, Kunst- und Wissenschaftseinrichtungen.  Neue Handelsstrukturen und Grossprojekte wurden ge-schaffen und sollten zur Wiederbeschäftigung der Bevölkerung führen.

Bereits bevor Lueken Rotarier wurde, griff er eine Anregung des Uni-Institutes für Weltwirtschaft auf, parallel zur nordischen Messe die Herbstwoche für „Kunst und Wissenschaft“ unter seiner Leitung durchzuführen. Es gab Theater- und Opernauf- führungen, wissenschaftliche Vorträge, Kunstausstellungen und gesellige Veranstaltungen. Luekens besondere Idee war, diese Veranstaltung nicht einseitig national auszurichten, sondern seiner schon damals internationalen Einstellung entsprechend die Festivalaktivisten und – teilnehmer aus den Hauptstädten der umliegenden Ostseeanrainerstaaten einzuladen.

Leider wirkte sich die dramatisch veränderte wirtschaftliche und politische Situation Deutschlands und die Weltwirtschaftskrise auch auf Kiel negativ aus. Die bürgerlichen Parteien verloren das Vertrauen der Kieler Bevölkerung und wandten sich resignierend großenteils der NSDAP zu. Dennoch wurde Lueken 1932 für weitere 12 Jahre gegen die Stimmen der SPD und der NSDAP überzeugend im Oberbürgermeisteramt bestätigt.

Nach der „Machtergreifung“ setzte Hitler die Gleichschaltung u.a. von Ländern und Kommunen um. Er übte mit Terror gezielten Druck auf das Wahlverhalten der Bevölkerung aus. So wurde Lueken beschuldigt, drei sozialdemokratische Magistratsmitglieder den neuen Machtverhältnissen entsprechend nicht vorzeitig abgesetzt zu haben. Trotz massiver Drohungen der Nationalsozialisten weigerte sich Lueken standhaft. Er erklärte, „dass demokratisch gewählte Stadträte nicht ohne Rechtsgrundlage entlassen werden können“. Am Vortag der von der NSDAP erzwungenen preußischen Kommunalwahlen marschierten daraufhin SA- Kolonnen vor das Rathaus. NS-Kreisleiter Walter Behrens drang mit einem Stoßtrupp von NS-Vasallen in das Rathaus ein, besetzten es und entfernten in einem Handstreich Lueken gewaltsam aus seinem Amt.

Wie in vielen rotarischen Altclubs Stadtoberhäupter Rotarier wurden, war auch im RC-Kiel der weltoffene national-liberale Oberbürgermeister Emil Lueken 1932 Gründungsmitglied. Nun jedoch ohne Amt verlor er seine rotarische Klassifikation „Kommunalverwaltung“ und damit verbunden die Mitgliedschaft im Club.

Verzweifelt dürfte Lueken nach einer beruflichen Perspektive gesucht und deshalb Kiel verlassen haben. Es war aber definitiv nicht so wie Hans-Henning Freitag im von Hans F. Robert herausgegebenen Band „Kieler Lebensläufe aus 6 Jahrhunderten“ fälschlicherweise behauptet und die Wikipedia Fassung 2016 ebenso falsch übernimmt, dass Lueken Ende April 1933 zur Vermeidung beruflicher und gesellschaftlicher Nachteile in die NDSAP eingetreten sei (Kieler Stadtarchiv, Signatur 37416 und Bremer Stadtarchiv, Signatur 454- E 9068 sowie Geheimes Preußisches Staatsarchiv). Es könnte allenfalls behördlicherseits ein kumulativer Aufnahmeantrag zum 28. April 1933 im Rahmen der Gleichschaltung seiner seit 1925 bestehenden DVP-Mitgliedschaft gestellt worden sein, welcher jedoch nicht auf Luekens Initiative erfolgte und welcher nie zu einer NSDAP-Mitgliedschaft Luekens führte. Die Aussage in seinem Wiedergutmachungsverfahren 1947, nie NSDAP- Mitglied gewesen zu sein, ist wahrheitsgemäß.

Stattdessen fand er nach einem Zwischenaufenthalt in Hamburg auf Empfehlung des preußischen Finanzministers Johannes Popitz und späteren in Plötzensee hingerichteten Widerstandskämpfers von 1934 bis 1943 eine neue Aufgabe als Direktor der Comerz- und Privatbank AG in Bremen.
Nach drei Jahren traf die Luekens ein weiterer schwerer Schicksalsschlag: Der älteste Sohn Dr. jur. Hillert Lueken zieht mit seiner aus der jüdischen Kaufmannsfamilie Goldmann stammenden Freundin und später unter dem Namen Lotte Huber deutschlandweit bekannten Künstlerin und Kabarettistin nach Berlin. Hillert ist Syndikus einer Maschinenfabrik, Lotte studiert Ausdruckstanz. Das unverheiratete Paar wird von einer Kieler Bekannten denunziert und beide wegen sogenannter „Rassenschande“ inhaftiert. Hillert wird in der U-Haft am 6. Mai 1937 hinterrücks erschossen. Sein Tod wurde von den NS-Behörden als Suizid getarnt. Lotte wird in das KZ Moringen/Niedersachsen eingeliefert. Sie kommt 1938 mit Hilfe ihres Bruders Kurt frei und kann über die Schweiz nach Palästina emigrieren.

Als Pensionär betätigte sich Emil Lueken als Treuhänder des deutschen Vermögens der National Securitas Corp. London (BING „Orga-Schreibmaschinen Nürnberg“) mit Sitz in Berlin, ein ursprünglich jüdisches Privatunternehmen.

Im Dezember 1943 ereilte die Luekens der nächste Schicksalsschlag. Der dritte Sohn Klaus, LT.zS. starb, nachdem sein U-Boot 291 auf erster Feindfahrt bei einem britischen Bombenangriff in der Biscaya voll getroffen wurde – kein Besatzungs-mitglied überlebte.

Der zweite Sohn Bernd Lüder-Lueken studierte Medizin in Kiel und habilitierte sich während des Krieges in Berlin. Er wurde dort apl. Professor für Physiologie. Er nahm 1946 einen Ruf an die Universität Halle an, wo er bis zu seinem Ruhestand lehrte. Er erwarb hohe Auszeichnungen für seine Forschungstätigkeit und stand zahlreichen nationalen Fachgremien vor. Daneben engagierte sich Bernd intensiv in der evangelischen Kirche. Er wurde deshalb sowie durch seine engen familiären Bande in den Westen misstrauisch durch den Staatssicherheitsdienst der DDR beobachtet.

Der jüngste Sohn Reiner Egt Lueke Lueken, als Kriegsteilnehmer schwer verwundet, studierte ebenfalls Medizin und wurde ein angesehener Allgemeinarzt in Bremen. Nach dem Krieg saß Lueken von 1945 bis 1959 zunächst für die von ihm mitgegründete Bremer Demokratische Volksparteil (BDV) und seit 1949 in der darin aufgegangenen FDP in der Bremischen Bürgerschaft.

Am 75. Geburtstag wird Emil Lueken „wegen hervorragender Leistungen für das Gemeinwohl“ mit dem großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD ausgezeichnet. Die längst fällige Ehrung durch die Stadt Kiel kam zu Luekens Lebzeiten nicht zustande. Zwar waren seine Verdienste um die Stadt hochgeschätzt und das Unrecht seiner Entlassung eindeutig anerkannt. Doch blieb das Verhältnis durch ein langwieriges Schadensersatzverfahren gestört.

Emil Lueken verstarb an seinem 82. Geburtstag in Bremen und wurde im Familiengrab in seiner Heimatstadt Oldenburg bestattet.

Quellen- und Literaturangaben:
    • Bremische Biographie 1912 – 1962, H.M. Hauschild Verlag GmbH Bremen 1969 S. 327 Autor Georg Borttschelle
    • Kieler Lebensläufe aus 6 Jahrhunderten, Hans F. Rothert, Wachholz Verlag Neumünster 2006 Autor Hans-Henning Freitag S. 207 f
    • Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg, Isensee Verlag Oldenburg 1992 Hrsg. Friedl, Günther, Günther-Arndt, Schmidt, S. 428 Auto Peter Haupt
    • Kieler Stadtarchiv Autorin Christa Geckeler Kieler Erinnerungstag 20. März 1961
    • Wikipedia Emil Lueke
    • KZ-Gedenkstätte Moringen/Niedersachse
    • Lotti Huber „ Die Zitrone hat noch viel Saft“ 5. Auflage 1995 dtv S. 24 f
    • Familie Lueken: Gert Lueken Bremen, Dr. med. Rolf-Peter Lueken, Hamburg, Lueke Lueken Wichita, USA
    • Silke Boß geb. Lueken, Leipzig
Dr. Hermann Luppe

Club-Mitgliedschaft(en): Nürnberg 1931 1932 1933

Eintritt: 1931-03-??

Austritt: 01.05.1933

geboren: 06.08.1874, Kiel – gestorben: 03.04.1945, Kiel

Beruf: Oberbürgermeister

Klassifikation: Kommunalverwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Willy Hermann Rudolf Ernst Luppe was a German lawyer and politician. From 1913 to 1919 he was second mayor in Frankfurt am Main, from 1920 to 1933 mayor of the city of Nuremberg and founding member of the liberal German Democratic Party (DDP). Luppe was a member of the Weimar National Assembly and a determined democrat. He is regarded as one of the most important local politicians of the Weimar Republic.

Luppe was an uncompromising defender of democracy and was caught early in the gunfire of criticism by the National Socialists under Julius Streicher. In 1933 Luppe was illegally removed from office and had to flee Nuremberg. He belonged to conservative resistance circles against National Socialism and was arrested several times. He lived to Nuremberg in Berlin and Kiel. (Wikipedia)

Willy Hermann Rudolf Ernst Luppe (* 6. August 1874 in Kiel; † 3. April 1945 ebenda) war ein deutscher Jurist und Politiker. Er war von 1913 bis 1919 zweiter Bürgermeister in Frankfurt am Main, von 1920 bis 1933 Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und Gründungsmitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Luppe war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und ein entschiedener Demokrat. Er gilt als einer der bedeutendsten Kommunalpolitiker der Weimarer Republik.

Luppe war ein kompromissloser Verteidiger der Demokratie und geriet früh ins Schussfeuer der Kritik der Nationalsozialisten unter Julius Streicher. 1933 wurde Luppe widerrechtlich seines Amtes enthoben und musste aus Nürnberg flüchten. Luppe gehörte zu konservativen Widerstandskreisen gegen den Nationalsozialismus und wurde mehrfach verhaftet. Er lebte nach Nürnberg in Berlin und Kiel. (Wikipedia)

In den posthum veröffentlichten Memoiren Luppes ist an zwei Stellen davon die Rede, dass er Mitglied des RC Nürnberg war. Im Zusammenhang mit seiner Schutzhaftinhaftierung im März 1933 schreibt er: "Auch die Bemühungen meiner Frau um meine Freilassung blieben erfolglos. Kommerzienrat Schmidt, der Präsident des Rotary-Klubs, dessen Mitglied ich war, stellte sich ihr zur Verfügung, aber ohne Erfolg ... Von den übrigen Rotariern rührte sich keiner, nachdem Polizeipräsident Gareis Nürnberg verlassen hatte. Wohl aber bemühten sich sein Vertreter ... und Regierungsrat Martin sehr um meine Freilassung." An anderer Stelle ist zu lesen: "Ich war aus dem Rotaryklub und allen Nürnberger Vereinen ausgetreten; einige von ihnen sandten mir, ebenso wie meiner Frau, freundliche Dank- und Abschiedsschreiben ... "

Quelle: Wikipedia und Ewald Behrschmidt, Mailan P.S.  vom 13.0120.19
Prof. Dr. Franz Lust

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

geboren: 28. 7.1880 Frankfurt – gestorben: 23.3.1939

Beruf: Direktor Kinderkrankenhaus

Klassifikation: Hospitäler

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Franz Lust was highly decorated in World War .He became the head of the newly established children's clinic in Karlsruhe, a leading institution in Germany.

Although he and his wife had converted to Christianity in 1926, he was banned from his hospital in 1933, in 1938 prohibited to work as a doctor and taken to the  Dachau concentration camp. Friends hat tried in vain to persuade him to emigrate.

He committed suicide on March 22, 1939. His widow survived, returned to Karlsruhe after the war and played a socially important role in public life.

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Franz Lust wurde am 28.Juli 1880 als Sohn eines Kaufmannes in Frankfurt geboren. Obwohl er eigentlich Pianist werden wollte, studierte er Medizin in München, Berlin und Heidelberg. Die dortige Universität ernannte ihn 1919 zum a.o. Professor. Großherzogin Luise berief ihn als Oberarzt an die preußisch-badische Kadettenschule, und zwar in das Kadettenkrankenhaus (das ist die heutige OFD). Im Ersten Weltkrieg erhielt er hohe Auszeichnungen. Nach Ende des Krieges wurde er Geschäftsführer des Bad. Landesverbandes für Säuglings- und Kleinkinderfürsorge.1920 wurde er Leiter der neu eingerichteten Kinderklinik am Durlacher Tor in Karlsruhe. Lust machte die Klinik zu einer der führenden Einrichtungen diese Art in Deutschland. Dort richtete er für Mütter Kurse zur Säuglingspflege ein; seiner Zeit voraus gab es eine Kindergrippe für berufstätige Mütter. Seine wissenschaftliche Erfahrung war geschätzt; sein einfühlender Umgang mit seinen Patienten und deren Eltern machten ihn sehr beliebt. Er war Herausgeber des Lehrbuches „Diagnostik und Therapie der Kinderkrankheiten“, das –nach Aussage von Prof. Kühl, Städt. Klinikum- noch bis in die 80iger Jahre verwendet wurde.

1926 kaufte das Ehepaar Lust ein Haus in der Bachstraße 19. In diesem Jahr trat das Paar gemeinsam zum christlichen Glauben über; sie fühlten sich dadurch noch mehr in die Karlsruher Gesellschaft integriert. Bekannt waren in dieser Zeit die Kammermusikabende im Hause Lust. Lily sang und Franz begleitete sie auf dem Flügel. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 baten Freunde der Familie mehrfach vergeblich, Deutschland zu verlassen. Am 1. April 1933 lag dann der für Lust unfassbare Brief auf dem Frühstückstisch: „Von heute ab können Sie das Krankenhaus nicht mehr betreten“. Franz Lust wurde wegen seiner jüdischen Abstammung als Leiter der Kinderklinik suspendiert. Er führte seine Arbeit zunächst in der Wohnung fort. Seine Praxis war immer gut besucht, auch von nichtjüdischen Patienten. 1938 musste er seine Privatpraxis aufgeben; er erhielt Berufsverbot. Die Lusts mussten ihr Haus verkaufen und zogen nach Baden-Baden um in das Haus eines Bekannten, der in die U.S.A emigrierte. Im selben Jahr verhaftete die Gestapo Franz Lust und brachte ihn in das Konzentrationslager Dachau, wo er vom 9.11. bis 12.12.bleiben musste. Freigelassen wurde er, weil der Direktor der Badischen Bank in einer Eingabe erklärte, dass Lust das Kind eines hohen Beamten Mussolinis gerettet habe.

Lust hat mehrfach angekündigt, seinem Leben ein Ende zu setzten. Immer wieder wurde er von seiner Frau Lilly und Freunden gedrängt, im Ausland einen beruflichen Anfang zu wagen. Vergeblich. Am 23.03.1939 setzte er seinem Leben ein Ende. Ein Stolperstein in Baden-Baden in der Nähe seines Hauses, die Franz-Lust-Straße in der Nähe des Städt. Klinikums und ein Stolperstein in der Bachstraße erinnern an diese bedeutende Persönlichkeit. Bis zum Umzug der Kinderklinik in die Kussmaul Straße trug sie den Namen „Dr. Franz Lust Kinderklinik“. Heute trägt sie auf der Internetseite der Klinik die Bezeichnung „Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin“. Das Städt.Klinikum und die Karlsruher Rotary Clubs wollen am 10.10.dieses Jahres Franz Lust mit der Enthüllung einer Gedenktafel im dortigen Foyer ehren. Seiner Frau Lilly gelang die Flucht über die Schweiz in die USA (New York). 1990 kehrte sie im Alter von 101 Jahren nach Karlsruhe zurück, wo sie im Jahre 1992 im Alter von 103 Jahren starb.

Ein Stolperstein, finanziert vom RC Karlruhe, wurde 2014 vor seiner letzten Wohnstatt verlegt. 

Quelle: Hellmut Wagner, Rotarier unterm Hakenkreuz - Freunde in Not. Vortrag im RC Karlsruhe-Schloß am 02.09.2019, v. Wedemeyer, Das Rote Buch, S. 9 Bundesarchiv Nr. 11586228

Kommerzienrat Berthold Manasse

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1929, 1930, 1931, 1932

Austritt: 25.09.1933

Beruf: Treuhänder AG

Klassifikation: Treuhänder

rotarische Ämter: Schatzmeister 1929 - 1933

Biographisches: Jewish


Konsul Georg Manasse

Club-Mitgliedschaft(en): Stettin 1934

geboren: 22.10.1898 in Stettin – gestorben: 1961 in Schweden

Beruf: Mitinhaber Fa. O.E.Meisters

Klassifikation: Saaten- und Salz-Großhandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Georg Manasse was listed in 1922 as co-owner of the company L. Manasse Jr. and, after the death of his father in 1934, continued the company together with Franz Manasse.

He was excluded from his club as a "non-Aryan member" on November 6, 1934.

While alle his relatives were deported and murdered, as a Swedish vice consul, with the help of the Swedish embassy in Berlin, Georg Manasse was able to emigrate to Sweden in 1938. There he worked as an editor of a conversation encyclopedia at a publishing house in Stockholm. In 1939 he was deprived of his German citizenship and his assets were confiscated (the Hohenleese estate and the company premises in Stettin were sold in Dec. 1938 and the trading company of Franz and Georg Manasse liquidated).

Georg Manasse died in Sweden in 1961.(Wikipedia)

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Georg Manasse jun. ist der Sohn des hochgeehrten Kaufmanns Georg Manasse. 1922 erstmals als Mitinhaber der Firma L. Manasse jun. Nach 1923 (Tod des Vaters) Geschäftsführer mit seinem Onkel Frank. Königlich schwedischer Vizekonsul in Stettin. 1938 Emigration nach Schweden. 1939 Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit und Einzug des Vermögen. Arbeitete in Schweden als Redakteur eines Konversationslexikons in einer Stockholmer Verlagsbuchhandlung.

Er wurde am 6. November 1934 als "nichtarisches Mitglied" von seinem Club  ausgeschlossen.

Hohenleese war Manasses letzter Wohnsitz, bevor er 1938 nach Schweden emigrieren musste. Er arbeitete dort als Redakteur eines Konversationslexikons bei einer Verlagsbuchhandlung in Stockholm (wohnhaft Djursholms Ekeby). 1939 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und sein Vermögen eingezogen (das Anwesen Hohenleese und das Firmengrundstück in Stettin wurden im Dez. 1938 verkauft und die Handelsgesellschaft von Franz und Georg Manasse liquidiert).

Die im Landesarchiv Greifswald erhaltene Akte über die Vermögenseinziehung von Georg Manasse enthält ein von Manasses Schwager Fritz Toepffer, der als sein Vermögensverwalter fungierte, in Auftrag gegebenes Wertgutachten über die Bibliothek in Hohenleese, das am 28.2.1939 von Leon Sauniers Buchhandlung (Stettin) erstellt wurde und 4.500 Einzelbände im Wert von 3.500 RM angibt. Am 7. bzw. 11. März 1939 erfolgte die Freigabe des Umzugsgutes durch die Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten Pommern in Stettin (explizit einschließlich der Bibliothek und der Gemälde, auch des Liebermann-Porträts von Manasses Vater). Für die Freigabe des gesamten Umzugsgutes hatte sich wegen seines Status als schwedischer Vize-Konsul auch die schwedische Gesandtschaft in Berlin beim Reichswirtschaftsministerium verwendet (Schwierigkeiten machten v.a. Schmuck und Tafelsilber).

Georg Manasse starb 1961 in Schweden. (Wikipedia)
Prof. Dr. Thomas Mann

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

Austritt: ausgeschlossen am 4. April 1933

geboren: 6. Juni 1875 in Lübeck – gestorben: 12. August 1955 in Zürich

Beruf: Schriftsteller

Klassifikation: Literatur - Prosa

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches:
World famous novelist Thomas Mann, founding member of the Munich Rotary Club and Nobel Laurate in 1929,  was excluded from his club only two months after Hitler came to power in 1933. While on a lecture tour abroad, he received notice from his president stating "that we consider it inevitable to remove you from our membership list." Thomas Mann was an outspoken opponent of the Nazis, besides he was married to a Jewish woman, which the Nazis considered a "racial disgrace". 

Warned that the Gestapo was ready to arrest him upon return to Germany, he stayed in Switzerland. He lost his German citizenship and all his property, In 1936. he received Czechoslovak citizenship and a passport. In 1939, following the German occupation of Czechoslovakia, he emigrated to the United States and began to teach at Princeton University. In 1942, the Mann family moved to Pacific Palisades, California. The Manns were prominent members of the German expatriate community of Los Angeles.  In 1942 the RC West Los Angeles made Thomas Mann an honorary member.

The outbreak of World War II in 193, prompted Mann to offer anti-Nazi speeches (in German) to the German people via the BBC. In October 1940 he began monthly broadcasts, recorded in the U.S. and flown to London, where the BBC broadcast them to Germany. In these eight-minute addresses, Mann condemned Hitler and his "paladins" as crude philistines completely out of touch with European culture. In one noted speech he said, "The war is horrible, but it has the advantage of keeping Hitler from making speeches about culture."

With the start of the Cold War he was increasingly frustrated by rising McCarthyism. As a 'suspected communist', he was required to testify to the House Un-American Activities Committee, where he was termed "one of the world's foremost apologists for Stalin and company."  Being in his own words a non-communist rather than an anti-communist, Mann openly opposed the allegations: "As an American citizen of German birth I finally testify that I am painfully familiar with certain political trends. Spiritual intolerance, political inquisitions, and declining legal security, and all this in the name of an alleged 'state of emergency.' ... That is how it started in Germany." Finally he was forced to quit his position as Consultant in Germanic Literature at the Library of Congress and in 1952 he returned to Europe, to live near Zurich, Switzerland. He never again lived in Germany, though he regularly traveled there. (Wikipedia et al.)

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"Sie dürften aber die Entwicklung in Deutschland genügend verfolgt haben, um zu verstehen, dass wir es für unvermeidlich halten, Sie aus unserer Mitgliederliste zu streichen. Mit vorzüglicher Hochachtung, Rotary Club München, Der Präsident". (Schreiben vom 4. April 1933, wenige Wochen nach der Machtübernahme Adolf Hitlers)

Thomas Mann hatte eine jüdische Ehefrau, damit galt er als "jüdisch versippt" und betrieb "Rassenschande".

Die Münchner Rotarier rühmten sich Thomas Manns als ihres Mitgliedes, dessen der Sozialdemokratie zuneigende Einstellung zur Zeit der Gründung stadtbekannt war. Als ihm der Nobelpreis verliehen wurde, wurde dies im Club großartig gefeiert. 1932 fand eine öffentliche Wohltätigkeitsveranstaltung des Klubs statt zugunsten der „Stadtarmen“, auf der Thomas Mann und Bruno Frank lasen und die von Mitgliedern aus Oper und Theater (also wohl Paul Bender und Hans Knappertsbusch, Clemens von Frankenstein Arthur Bauckner und Falckenberg) gestaltet wurde. (Erdmann, München)

1942 machte der RC West Los Angeles Thomas Mann zum Ehrenmitglied.
Dr. Erich C. Mayer

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 19. Juli 1878 Mannheim – gestorben: 18. April 1942 Mannheim

Beruf: Gebr. Mayer A.G.

Klassifikation: Zigarrenindustrie

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
Dr. Erich (Karl Sigmund) Mayer (* 19.07.1878 in Mannheim; Suizid † 18.04.1942 in Mannheim)

Erich Mayer war bis 1934 Vorstand der Zigarrenfabriken Gebrüder Mayer AG in Mannheim. Bis 1935 wurde er noch von der arischen Nachfolgefirma Bruns beschäftigt, danach war bis zu seinem Tod nicht mehr berufstätig.

1939 musste er wie alle in Deutschland verbliebenen Juden eine Judenvermögensabgabe leisten, angeblich mindestens 50.000 RM. Nachdem ihm eine schriftliche Aufforderung zur Deportation erging, beging er Suizid; seine Frau Luise Rosine, geb. Hernsheim aus Hamburg, deren Mutter eine geborene Hohenemser aus Mannheim ist, verstarb einen Tag später an Veronalvergiftung, ebenfalls durch Suizid. Das Paar lebte bis zu seinem Tode in der bekannten Villa Mayer in L 5, 1. Der einzige Sohn Klaus Wilhelm, der 1934 seine Kaufmannsausbildung abbrechen musste, konnte 1942 in die Schweiz emigrieren und wanderte 1950 nach Australien aus. 

Mayer war Gründungsmitglied im RC Mannheim, trat aber mit keinem Amt mehr hervor. Im September 1933 wurde er, wie alle jüdischen Mitglieder, durch die Neugründung des Clubs ausgeschlossen.

Quelle: Rot. Ulrich Nieß und Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim 

Heinrich Mayer

Club-Mitgliedschaft(en): Mainz 1932, 1933

Eintritt: 1932

geboren: 14.12.1878, Essenheim – gestorben: 15.05.1971, Seattle (USA)

Beruf: Direktor Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Filiale Mainz

Klassifikation: Großbank

rotarische Ämter: Schatzmeister 1932 - 1933

Biographisches: Jewish
Heinrich Mayer was born on 14.12.1878 in Essenheim and was married to Else or Elsa Mayer, born Oppenheimer. After finishing secondary school, Heinrich Mayer completed an apprenticeship at Bankhaus Oppenheim, later Bamberger & Co., in Mainz. From 1909 he was employed at the Mainz branch of Disconto-Gesellschaft, which later merged with Deutsche Bank. In 1913 he was appointed authorized signatory, in 1919 deputy director and later director of the Mainz branch. He held this position until his leave of absence in 1938, when he was fully paid.

Because of his Jewish background, the bank initially dismissed him after December 1936 together with 102 other bank employees. The married couple Heinrich and Elsa Mayer managed to escape to the USA in August 1940. There they settled in Seattle. Heinrich Mayer died on 15.5.1971. (Litzenburger)

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Er wurde am 14.12.1878 in Essenheim geboren und war verheiratet mit Else bzw. Elsa Mayer geborene Oppenheimer. Nach dem Realschulabschluss absolvierte Heinrich Mayer eine Banklehre beim Bankhaus Oppenheim, später Bamberger & Co., in Mainz. Seit 1909 war er bei der Mainzer Filiale der Disconto-Gesellschaft beschäftigt, die später mit der Deutschen Bank fusionierte. Diese bestellte ihn 1913 zum Prokuristen, 1919 zum stellvertretenden Direktor und später zum Direktor der Filiale Mainz. Diese Funktion nahm er bis zu seiner Beurlaubung bei vollen Bezügen 1938 wahr.

Die Bank hat ihn wegen seiner jüdischen Herkunft zusammen mit 102 weiteren Bankmitarbeitern nach dem Dezember 1936 zunächst entlassen. Dem Ehepaar Heinrich und Elsa Mayer gelang im August 1940 die Flucht in die USA. Dort siedelten sie sich in Seattle an. Gestorben ist Heinrich Mayer am 15.5.1971. (Litzenburger)
Dr. Ing h.c. William Meinhardt

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1929, 1930, 1931, 1932

geboren: 29.8.1872 – gestorben: 31.5.1955

Beruf: Vors. d. Direktoriums d. Osramwerke GmbH KG

Klassifikation: Beleuchtungsindustrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
1914 Vorstandsvorsitzender der Auer Gesellschaft Deutsche Gasglühlicht AG (DGA). 1919 Vorsitzender des Direktoriums der neuen Osram GmbH. Mitglied des Hauptausschusses des Reichsverband der Deutschen Industrie.

1933 Emigration nach London
Prof. Dr. Emil Meirowsky

Club-Mitgliedschaft(en): Köln 1930 1931 1932 1933 1934

Eintritt: 03.11.1930

Austritt: 30.09.1935

geboren: 9.3.1876, Guttstadt – gestorben: 22.01.1960, Nashville (USA)

Beruf: Arzt (Dermatologie) apl Professor Uni Köln

Klassifikation: Dermatologie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Emil Meirowsky was chairman of the Cologne Medical Association and a member of the German Democratic Party. On 24 November 1933 he was deprived of his teaching licence at the University of Cologne, his academic titles were revoked in February 1936, and in 1938 he was forced to give up his medical practice. In 1939 he emigrated to England together with his wife Clara and his son.

In November 1930 Meirowsky became a member of the RC Cologne. He gave numerous lectures there on general medical questions and topics from his field, the last two in November and December 1934. At the end of September 1935 he was the last Jewish member to leave the club. Previously, the National Socialists had already revoked his right to teach at Cologne University in November 1933; in 1936, his academic titles were revoked.

After being forced to close his practice in 1938, Meirowsky and his wife emigrated to England shortly before the start of the war. When he learned after the war that his daughter Lisamaria, who had been converted to Catholicism, had been murdered in Auschwitz, he decided not to return to Germany and not to accept the professorship offered to him at Cologne University.

Emil Meirowsky died in 1960 in Nashville (USA). (Brochure, 2018), Wikipedia

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Meirowsky war Vorsitzender der Kölner Ärztekammer und Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Mitglied des RC Köln wurde er im November 1930. Er hielt dort zahlreiche Vorträge zu allgemeinen medizinischen Fragestellungen und Themen aus seinem Fachgebiet, die letzten beiden noch im November und Dezember 1934. Ende September 1935 schied er als letztes jüdisches Mitglied aus dem Club aus. Zuvor hatten ihm die Nationalsozialisten bereits im November 1933 die Lehrbefugnis an der Kölner Universität entzogen; im Februar 1936 folgte die Aberkennung seiner akademischen Titel.

Nachdem er 1938 auch noch gezwungen worden war, seine Praxis zu schließen, emigrierte Meirowsky zusammen mit seiner Frau Clara und seinem Sohn kurz vor Kriegsbeginn nach England. Als er nach dem Kriege erfuhr, dass seine zum Katholizismus konvertierte Tochter Lisamaria (ebenfalls Ärztin) in Auschwitz ermordet worden war, entschloss er sich, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren und die ihm 1946 angebotene Professur an der Kölner Universität nicht anzunehmen. Im Mai 1947 wanderte er in die USA aus. Er ist 1960 in Nashville gestorben.“
Wikipedia
Hans Alfred Meißner

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 7. August 1886 in Kassel

Beruf: Chefredakteur der Neuen Mannheimer Zeitung

Klassifikation: Presse

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Hans Alfred Meißner (geb. 7.8.1886 in Kassel, † ???)
Hans Alfred Meißner, der aus Kassel stammte, kam Anfang Februar 1925 nach Mannheim. Er arbeitete hier als Chefredakteur der Neuen Mannheimer Zeitung. In der lokalen Mannheimer NS-Zeitung, dem Hakenkreuzbanner, ist am 2. Juni 1933 ein Artikel mit der Überschrift betitelt „Will der Rotarier Meißner nach Kislau? Der Chefredakteur Meißner der NMZ beschimpft uns.“ Offen wird dem Journalisten wegen seiner Kritik am Nationalsozialismus mit dem KZ im badischen Kislau gedroht. Doch lieferte der Hakenkreuzbanner am 21. Juli 1933 einen Widerruf. In dieser nicht ganz so großen Notiz mit der Überschrift: „Es war nicht Herr Meißner!“ ist zu lesen: „In unserer Nr. 133 vom Freitag, den 2. Juni 1933, haben wir unter der Überschrift: „Will der Rotarier Meißner nach Kislau?“ Herrn Hauptschriftleiter Meißner beschuldigt, die Schriftleiter des „Hakenkreuz-Banner“ beleidigt zu haben. Wir haben uns nach genauer Untersuchung der Angelegenheit überzeugen können, daß die beleidigende Äußerungen nicht von Herrn Meißner ausgegangen ist, sondern von anderer Seite, die zugab, diese beleidigende Äußerung dem Sinne nach getan zu haben.“

Wie auch immer, die Neue Mannheimer Zeitung hatte 1933 versucht, eine gewisse Eigenständigkeit zu wahren, weswegen sie vom Hakenkreuzbanner als „judenfreundliche bürgerliche Presse“ beschimpft und wie die Neue Badische Landeszeitung sukzessive vereinnahmt wurde. Meißner verließ den NMZ Ende 1935. Sein Nachfolger war Dr. Alois Winbauer, der die Position bis zur Zwangszusammenlegung des NMZ mit dem Hakenkreuzbanner am 31.12.1944 innehatte.

Nach dem Historiker Konrad Dussel hielt sich die NMZ weitgehend an die Vorgaben der NS-Oberen und wurde letztlich geduldet, um auch die Bevölkerungsschichten anzusprechen, die der Partei nicht ganz so nahe standen.  Dennoch war die NMZ spätestens 1936 voll auf die NS Vorgaben eingestellt.

Meißner selbst meldet sich bereits am 30. April 1936 nach Stuttgart ab. Das Gründungsmitglied des RC Mannheim war ab Sommer 1933 nicht mehr im Rotary Club.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel

Dr. Carl Melchior

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1929, 1930, 1931, 1932

geboren: 13.1.1871 – gestorben: 30. 12. 1933

Beruf: Mitinhaber der Fa. M. M. Warburg & Co.

Klassifikation: Stellvertr. Vors. d.Verwalt.-Rates d. Bank für Internat. Zahlungsvergleich in Basel

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Carl Melchior, born on 13.10.1871, was a founding member of the RC - Hamburg, banker in the company Warburg, member of the finance committee of the League of Nations, very respected in Hamburg, comes from an old Jewish family. He had a stroke after a long illness and many stays at a health resort, after he had resigned from all offices because of the political development. According to my information, there is no talk of suicide.

Interestingly, there is no mention of Melchior's death in the minutes of the RC-Hamburg from this time, which I have complete records of. Probably for two reasons: Melchior was not present for a long time because of his illnesses, and - the death of Cuno overshadowed everything."


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Carl Melchior, geb. am 13.10.1871, war Gründungsmitglied im RC - Hamburg, Bankier in der Fa. Warburg, Mitgl. des Finanzausschusses im Völkerbund, in Hamburg sehr angesehen, stammt aus alter jüdischer Familie. Er nach langer Krankheit und vielen Kuraufenthalten an einem Schlaganfall, nachdem er wegen der politischen Entwicklung alle Ämter niedergelegt hatte. Nach meiner Information ist von Freitod keine Rede.

Interessanterweise ist vom Ableben Melchiors in den Protokollen des RC-Hamburg aus dieser Zeit, die mir komplett vorliegen, keine Rede. Wohl aus zwei Gründen: Melchior war wegen seiner Krankheiten lange Zeit nicht mehr präsent, und - der Tod von Cuno überschattete alles."

Quelle: E-mail Voltz an P.D. vom 19.1.2019)
Prof. Dr. Kurt H. Meyer

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 29.09.1883 in Dorpat – gestorben: 14.04.1952 in Menton)

Beruf: Vorstandsmitglied der i.G. Farbenindustrie A.G., Ludwigshafen a. Rh.

Klassifikation: Chemische Industrie, Farben

rotarische Ämter: 1. Besitzer 1931

Biographisches:
Prof. Dr. Kurt H. O. Meyer (*29.09.1883 in Dorpat (Baltikum), † 14.04.1952 in Menton) 
Prof. Meyer hatte 1907 in Leipzig bei A. Hantzsch promoviert und nach Assistententätigkeit in Marburg 1908/09 sich in München 1911 mit der Bestimmung  des Enolgehalts in Keto/Enol-Tautomeriegleichgewichten durch Bromtitration habilitiert. Ab 1920 bei der BASF in der Polymerforschung tätig und seit 1921 in Mannheim wohnhaft stieg Meyer vom Abteilungsleiter rasch auf. Der analytisch-physikalisch denkende Organiker und ideenüberreicher Hauptlaborleiter kam wurde bald in den Vorstand der BASF- später IG-Farben – berufen in den Vorstand der BASF – später IG-Farben – auf. Zusammen mit Hermann Mark forschte er auf dem Gebiet der Cellulose bzw. Polymere und veröffentlichte mit Mark das erste Lehrbuch der Makromolekularen Chemie.

Der Personalchef der BASF legte Vorstandsmitglied K. H. Meyer und seinem Laborleiter Hermann F. Mark nahe, sich als Juden doch im gemeinsamen Interesse bei baldigster Gelegenheit ins Ausland zu verändern. Im Herbst 1932 soll vor allem Carl Bosch sein Vorstandsmitglied K. H. Meyer innerhalb einer Viertelstunde davon überzeugt haben, dass es für ihn wohl besser sei, rechtzeitig aus dem Unternehmen auszusteigen.

Meyer bekam eine Million Reichsmark und betrat das Werk nicht mehr. Sein Schreibtisch wurde ihm mit samt  Inhalt in seine Wohnung in der Augusta-Anlage in Mannheim gebracht. Er trat sogleich die sich bietende, gegenüber seiner bisherigen Funktion aber weniger attraktive Nachfolge von Pictet in Genf an, wo er der Celluloseforschung als international gefragter Fachmann treu blieb. Er starb 1952 überraschend während eines Urlaubsaufenthalts an der französischen Küste.

Infolge seines Umzugs nach Genf ist Meyer bereits Ende 1932 aus dem RC Mannheim ausgeschieden.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel

Ludwig Meyer

Club-Mitgliedschaft(en): Mainz 1932, 1933

Eintritt: 09.01.1932, Gründung

Austritt: 1933

geboren: 01.09.1869, Neustadt a. d. Haardt – gestorben: 13.07.1953, Garmisch-Partenkirchen

Beruf: Inhaber Fa. Chemische Fabriken, Handelskammerpräsident

Klassifikation: chemische Fabriken

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Jewish
Ludwig Meyer wurde am 1.9.1869 in Neustadt a. d. Haardt geboren. Er lebte seit 1898 in Mainz und war verheiratet mit Rosa Haas, mit der er drei Kinder hatte.

Er kam um die Jahrhundertwende nach Mainz und gründete hier ein "Chemisches Produktengeschäft" und später die Chemische Fabrik Mainz. Die Firma stellte Kupferkalkpulver, Lacke, Abbeizmittel und Schädlingsbekämp-fungsmittel (z.B. Corbin) her. Dies geht aus Rechnungen und Mahnungen mit einer Lithografie des Fabrikgebäudes hervor, die in beachtlicher Zahl von verschiedenen Antiquariaten bis zum heutigen Tage angeboten werden. Unter dem 14.11.1931 erhielt die Firma ein Patent für „Fliegenfreßlack“.

1936 übernimmt die Lackfirma DUCO AG in Berlin, eine Tochterfirma der Schering AG, die Produktion des Abbeizmittels “mit der Krähe” von der Chemischen Fabrik Ludwig Meyer, Mainz.47 Bis 1934 ist Ludwig Meyer als Mitinhaber der Firma "Chemische Fabrik Ludwig Meyer" (Ingelheimstr. 3/5) erwähnt. Mitin-haber war Dr. Ing. Fr. Meyer-Bolin, der ab 1936 als alleiniger Firmeninhaber im Adressbuch genannt ist, aber bereits 1931 bei der Firma beschäftigt gewe-sen sein muss. Möglicherweise handelt es sich bei diesem um den Sohn Ludwig Meyers, Johann Friedrich.49 Seit 1938 ist die Chemische Fabrik Ludwig Meyer im Firmenverzeichnis mit dem Vermerk "i. L." eingetragen und es wird nur noch der Name des Liquidators Gustav Neidlinger genannt. Die Firma wurde von der benachbarten Firma R. Schneider & Co., der Blendax-Fabrik, übernommen.

Ludwig Meyer war von 1931 bis 1933 Präsident der Handelskammer in Mainz. Sein Amt als Kammervorsitzender musste er erzwungenermaßen bereits am 3. April 1933 abgeben. Ihm folgte zunächst Freund Otto Jung im Amt und ab 1. August 1933 der Freund Rudolf Scholz. Nach 1934 wohnte er in Wiesbaden. Am 15.9.1939 ist er nach Frankreich nach Mont-Dore in der Auvergne ausgereist.

Weitere Stationen seiner Flucht vor den Nationalsozialisten waren Paris, Nizza und Monte Carlo. Nach dem Krieg kehrte er 1950 nach Wiesbaden zurück. Verstorben ist Ludwig Meyer am 13.7.1953 in Garmisch-Partenkirchen.
Dr. med. Otto Meyerhof

Club-Mitgliedschaft(en): Heidelberg 1931 1932

geboren: 12. April 1884 in Hannover – gestorben: 6. Oktober 1951 in Philadelphia

Beruf: Univ.-Prof., Direktor Kaiser-Wilhelm-Institut

Klassifikation: Physiologie

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Otto Fritz Meyerhof wurde am 12. April 1884 als Sohn jüdischer Eltern in Hannover geboren; der Vater Felix Meyerhof war ein wohlhabender Textilkaufmann; die Mutter Bettina, geb. May, war Hausfrau. Um 1888 zog Familie Meyerhof von Hannover nach Berlin, wo Otto Fritz 1903 sein Abitur machte und danach ein Medizin-Studium aufnahm. 

1912 ging Meyerhof an die Universität Kiel, habilitierte sich 1913  und wurde dort 1918 Professor.

1922 erhielt er, als Assistent am Physiologischen Institut der Universität Kiel, gemeinsam mit A. V. Hill für Forschungen zur Energieumwandlung im Muskel den Nobelpreis für Medizin verliehen.

Das Angebot einer Professur in den USA, das er 1923 nach dem Nobelpreis erhielt, schlug er 1924 zugunsten der Berufung an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin aus, von wo er 1929 an das von Ludolf von Krehl initiierte Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg berufen wurde, an dem er ab 1930 als Direktor der Physiologischen Abteilung wirkte und zu weiteren bahnbrechenden Entdeckungen gelangte. Meyerhof wurde 1931 zum ordentlichen Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewählt. Er widmete sich den phosphorylierten Energielieferanten des Intermediärstoffwechsels (ATP). Als „Meyerhof–Quotient“ wird das Verhältnis von anaerobem Abbau und aerobem Wiederaufbau bezeichnet. 

1935 wurde Otto Meyerhof aus rassistischen Gründen seine seit 1929 bestehende Honorarprofessur entzogen. 1937 erfolgte der Austritt aus der Akademie und seit 1947 die Wiederaufnahme als korrespondierendes Mitglied. Als Institutsdirektor einer nicht unmittelbar staatlichen Einrichtung konnte Meyerhof 1933 zunächst die Leitung des Institutes ungeachtet seiner jüdischen Herkunft behalten, der badische Kultusminister entzog ihm allerdings 1935 unter nationalsozialistischem Einfluss die Lehrbefugnis. In den folgenden Jahren hielten zwar die Institutskollegen an Meyerhof fest, die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich dennoch bis zum Unerträglichen, so dass Meyerhof im September 1938 mit Hilfe seines ehemaligen Schülers Alexander von Muralt zunächst in die Schweiz floh und von dort aus nach Paris ging.

1940 flüchtete er vor den einmarschierenden deutschen Truppen über Spanien und Portugal in die Vereinigten Staaten. Dort bezahlte ihm die Rockefeller Foundation eine Forschungsprofessur für physiologische Chemie an der University of Pennsylvania in Philadelphia. 1949 wurde er in die National Academy of Sciences gewählt. Hier starb er mit 67 Jahren an seinem zweiten Herzinfarkt, nachdem er den ersten sieben Jahre zuvor überlebt hatte.

Quelle: Wikipedia 2020


"Im März 1933 sind die Herren Otto Winter und [Wilhelm] Ludowici als Heidelberger Rotarier an den Vorstand des RC mit dem Ansinnen herangetreten, den Club situationsgemäß zu „reinigen“, d.h. die jüdischen und auch die „demokratischen“ Mitglieder abzustoßen; zu den letzteren wurden die Herren Bergius, R.K.Goldschmit und meine Wenigkeit [Hellpach] gerechnet.

Der Vorstand beschloss daraufhin die Selbstauflösung. "Es überwog von Anfang an die Auffassung, dass dann der Club lieber seine Selbstauflösung vollziehen müsse, als dass er sich dazu hergebe, Mitglieder aus politischen Gründen auszustoßen."

Quelle: Bettermann, 2014
Wilhelm Michaelis

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1930

geboren: 8.5.1861

Beruf: Immobilienbüro

Klassifikation: Immobilien

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Wilhelm Michaelis was a founding member. There is very little information available about him. According to the documents in the city archive he was born in Gdansk in 1861. He was naturalized as a German in 1917. His wife comes from Australia and therefore remains "stateless". Coming from Bad Harzburg and moving to Baden-Baden in 1915, they were deregistered after two changes of residence with the remark: 1.8.39 "n. England". Thus they emigrated probably with the rather last departure possibility.

According to a newspaper article, in 1935 the complaint of the "Aryan real estate dealers" in Baden-Baden about allegedly unfair business methods of "typically Jewish" dealers led to a professional ban of their "non-Aryan colleague". Subsequently, he was able to keep his head above water by renaming his business a "correspondence office". The couple is registered as Protestants, while his sister Anna Michaelis, born 1859 in Gdansk, has continued to keep her "Israeli religion". She was a language teacher and was honoured in 1933 as a "homeland poet" in Baden-Baden. She was deported to Theresienstatt on 22.8.1942, where she died at the age of 82 on 31.8. (see "The Burnt Dream p.36 -38)

Red. Michaelis had already announced on 2 January 1931 that he was not in a position to comply with the obligation to be present because of the "catastrophic economic situation" and probably asked for leave of absence. However, this was rejected with reference to the articles of association. The result of the subsequent discussion with the President is not substantiated. He is no longer listed in the 1931/32 list of members.

For Michaelis and his sister a stumbling block was also laid.


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Wilhelm Michaelis was Gründungsmitglied. Von ihm liegen nur sehr wenige Informationen vor. Lt. den Unterlagen im Stadt Archiv ist er 1861 in Danzig geboren. Er wurde 1917 als Deutscher eingebürgert. Seine Frau stammt aus Australien und bleibt deshalb „staatlos“. Von Bad Harzburg kommend 1915 nach Baden-Baden zugezogen, wurden sie nach zweimaligem Wohnungswechsel abgemeldet mit der Bemerkung: 1.8.39 „n. England“. Somit sind sie wohl mit der ziemlich letzten Ausreisemöglichkeit emigriert.

Gemäß einem Zeitungsartikel habe 1935 die Beanstandung der „arischen Immobilienhändler“ in Baden-Baden wegen angeblich unlauteren Geschäftmethoden von „typisch jüdischen“ Händlern zu einem Berufsverbot ihres „nicht arischen Kollegen“ geführt. Nachfolgend hat er sich mit der Umfirmierung seines Geschäftes in ein „Korrespondenz-Büro“ über Wasser halten können. Das Ehepaar ist als evangelisch gemeldet, während seine Schwester Anna Michaelis geb 1859 in Danzig, weiterhin ihre „israelische Religion“ behalten hat. Sie war Sprachlehrerin und ist 1933 als „Heimatdichterin“ in Baden-Baden geehrt worden, und am 22.8.1942 nach Theresienstatt deportiert, dort 82- jährig am 31.8. ums Leben gekommen. (s. „Der Verbrannte Traum S.36 -38)

Rot. Michaelis hat bereits am 2.Jan. 1931 mitgeteilt, dass er sich wegen der „katastrophalen Wirtschaftsverhältnisse“ nicht in der Lage sehe, die Präsenzpflicht einzuhalten und hat wohl um Beurlaubung gebeten. Dies wurde ihm aber mit Hinweis auf die Satzung abgelehnt. Das Ergebnis des nachfolgenden Gespräches mit dem Präsidenten ist nicht belegt. In der Mitgliederliste 1931/32 ist er nicht mehr aufgeführt.

Für Michaelis und seine Schwester wurde gleichfalls ein Stolperstein gelegt. (v.Wedemeyer, Das Rote Buch, S. 61)
Dr. jur. Friedrich Milch

Club-Mitgliedschaft(en): Breslau 1931 1932 1933

Austritt: Oktober 1933

Beruf: Vorstand Dt. Centralbodenkredit-A.G.

Klassifikation: Hypothekenbanken

rotarische Ämter: Schatzmeister 1932/33

Dipl.-Ing. Julius Moser

Club-Mitgliedschaft(en): Pforzheim 1931, 1932

geboren: 18.7.1882 – gestorben: 12.2.1970

Beruf: Inhaber der Firma Adolf Moser

Klassifikation: Herrenbekleidung Einzelhandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Studied engineering sciences at the technical universities of Stuttgart, Darmstadt and Karlsruhe. In 1918 he entered the family business in the menswear industry. 1930 to 1933 member of the advisory board of the  Pforzheim Chamber of Industry and Commerce.  1930 to 1935 commercial judge. Although baptized, he was nevertheless listed as a "full Jew". In 1935 he had to withdraw from the business world. In 1945 he was  deported to the Theresienstadt ghetto and survived..

In 1946 he founded an import-export and wholesale business for jewellery and watches. President of the Pforzheim Chamber of Industry and Commerce until 1959. Honorary citizen of the city of Pforzheim.

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„ Volljude“, obwohl Protestant – wie Eltern –, aber 4 jüdische Großeltern 
ab 1941? Zwangsarbeit Papierfabrik Dillweißenstein (Rüstungsproduktion)
14.2.1945 Deportation KZ Theresienstadt. Befreiung am 3.5.45; Rückkehr nach Pforzheim  am 17.6.45

Studium der Ingenieurswissenschaften an der TH Stuttgart, Darmstadt und Karlsruhe. 1918 Familienunternehmen in der Herrenkonfektionsbranche. 1930 bis 1933 Mitglied des Beirates der IHK Pforzheim. 1930 bis 1935 Handelsrichter. Obwohl getauft wurde er dennoch als „Volljude“ geführt. 1935 mußte er sich aus der Geschäftswelt zurückziehen.1945 Deportation in das Ghetto Theresienstadt.

ab 1945 eigener Uhrengroßhandel
1945-1959 IHK-Präsident
1948-1958 Gemeinderat (FDP)
1952 Bundesverdienstkreuz
1962 Ehrenbürger der Stadt PF
Präsident RC-PF 1951/52 
 (Präsident nach Re-Charter 1950)
1965: Ehrenmitglied RC-PF 

17.11.1956: Moser-Vortrag zum 25jähr. Clubjubiläum: „ Materielles–Psychisches–Metaphysisches–Rotarisches“ (10 Seiten, klein gedruckt):
„…..erfreulich, daß noch 6 unserer Mitglieder aus der Zeit der Gründung vor 25 Jahren 
unserem Rotary Club angehören: ….. Viele haben uns aus beruflichen und ähnlichen 
Gründen verlassen oder sie wurden durch revolutionäre und kriegerische Ereignisse 
oder durch den Tod von uns gerissen. Wir haben sie nicht vergessen: sie leben in 
unserer Erinnerung.“ [Anmerkung des Archivars: Freund Moser erwähnt in dieser 
Jubiläumsrede – obwohl selbst betroffen – mit keiner Silbe, daß die jüdischen Freunde 
1933 hinausgedrängt wurden und schon deshalb nicht am Jubiläum 1956 teilnehmen 
konnten; außer ihm, der 1950 wieder in den Club eintrat.]

Quelle: Dokumentation "Jüdische Mitglieder des Rotary Clubs Pforzheim" A.Fuhrmann
Dr. Hugo Müller

Club-Mitgliedschaft(en): Mainz 1932, 1933

Eintritt: 09.01.1932, Gründung

Austritt: 1933

geboren: 18.7.1868, Kopenhagen – gestorben: 08.01.1943, Mainz

Beruf: Stadtobermedizinalrat, Vorstand Hautklinik

Klassifikation: Hautarzt

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Although Hugo Müller was of Jewish descent, he was not himself a Jew but was baptized as a Protestant. He was born on 18.7.1868 in Copenhagen, but had a German passport. He received his license to practise medicine in 1894. He belonged to the leading dermatologists of his time.

Hugo Müller moved to Mainz in 1915 and took over the management of the dermatology clinic of the municipal hospital as the citys chief medical officer. He retired at the age of 65 on May 1st, and subsequently lived in Mainz. His first wife Ida Maria Ottilie Berthy, born on 5.7.1869 in Stargard, died on 27.12.1935 in Mainz. He married a second time in 1936, namely Susanna Johanna Zisch, born on 21.5.1892 in Antwerp.

Since this was only allowed Halbjuden according to the Nuremberg Race Laws, this indicates that he was to be classified as being "half Jewish". Hugo Müller died on Januar 8, 1943 in Mainz.

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Hugo Müller war zwar jüdischer Abstammung, jedoch selbst kein Jude sondern evangelisch getauft. Er wurde am 18.7.1868 in Kopenhagen geboren, hatte aber einen deutschen Pass. Seine Approbation erhielt er 1894. Er gehörte zu den führenden Dermatologen seiner Zeit. Hugo Müller zog 1915 nach Mainz und übernahm hier als Stadtobermedizinalrat die Leitung der Hautklinik des Städtischen Krankenhauses.

Er wurde mit 65 Jahren am 1.5.1933 pensioniert und lebte anschließend in Mainz. Seine erste Ehefrau Ida Maria Ottilie Berthy, geb. am 5.7.1869 in Stargard, starb am 27.12.1935 in Mainz. Er heiratete 1936 ein zweites Mal, nämlich Susanna Johanna Zisch, geb. am 21.5.1892 in Antwerpen.

Weil dies nach dem Inkrafttreten der sog. Nürnberger Rassegesetze nur noch „Halbjuden“ gestattet war, deutet dies darauf hin, dass er nach diesen Vorschriften als sog. „Halbjude“ einzustufen war. Hugo Müller starb am 8.1.1943 in Mainz. (Litzenburger)
Dr. Alfred Narath

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 12.02.1891 in Barmen – gestorben: 03.01.1962 in New York

Beruf: Medizin

Klassifikation: Arzt, Urologe

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Prof. Dr. Alfred Narath (12.02.1891 in Barmen, 03.01.1962 in New York)

Alfred Narath war in zweiter Ehe mit Laura Maria Kutzer verheiratet, einer Tochter des Mannheimer Oberbürgermeisters Theodor Kutzer. Mit ihr kam er 1920 aus Ribnitz nach Mannheim und betrieb in der Oststadt eine eigene Privatklinik am Philosophenplatz 2, wo er auch wohnte, ebenso wie seine verwitwete Mutter Emilie, die zuvor in Heidelberg gelebt hatte. 

1925 wurde die Ehe mit Laura M. Kutzer geschieden. In dritter Ehe heiratete Alfred Narath am 2. April 1928 in Mannheim die jüdische Witwe Antonie „Toni“  Loeb, geb. Kaufmann (*11.04.1888 in Frankfurt am Main, + März 1985 in New York). Ihre beiden Kinder aus erster Ehe erhalten 1929 zusätzlich auch den Namen Narath. 

Am 19. Dez. 1935 meldete sich das Paar als auf Reisen befindlich aus Mannheim ab, dahinter vermerkte die Meldebehörde den Eintrag „Amerika“. Am Northern Westchester Hospital in New York gelang ihm der Neuanfang, hier galt er als einer der führenden Urologen weltweit. Mit der von ihm gegründeten Zeitschrift Urologia Internationalis vernetzte er sein Fach und hielt zugleich Kontakt zur alten Heimat. Kollegen bewunderten ihn für seine ungewöhnliche Sprachbegabung und umfassende Bildung.

Sein Stiefsohn Herbert Alfred Löb-Narath geb. am 09.07.1913 in Frankfurt/Main, wurde aus Holland deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet. 

Alfred Narath war Gründungsmitglied und musste wegen seiner jüdischen Ehefrau 1933 den RC Mannheim verlassen.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobel
Emil Wolfgang Netter

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1931 1932 1933 1934 1935 1936 ,

Austritt: 28.11. 1935

geboren: 1878 – gestorben: 1951

Beruf: Geschäftsinhaber der Wolf Netter und Jacobi Werke K a A

Klassifikation: Eisenblechindustrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Emil Wolfgang Netter was co-owner of Wolf Netter & Jacobi-Werke K.a.A., the market-dominating company in the establishment of archives and libraries. In 1905 it was one of the largest companies in the iron and steel industry in Germany. In iron sheet processing, it entered into a joint venture with Hoesch AG. The world economic crisis halved turnover and capital, but that was compensated by the re-armament of Germany after 1933.

In 1938 Mannesmann took over the Jewish family business and paid the owners who had emigrated to England 10.3 million Reichsmark and 38,000 pounds sterling.

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Emil Wolfgang Netter war Mitinhaber der Wolf Netter &Jacobi-Werke K.a.A., dem marktbeherrschenden Unternehmen bei der Einrichtung von Archiven und Bibliotheken. 1905 war es eines der größten Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie in Deutschland. Bei der Eisenblechverarbeitung ging es eine Interessengemeinschaft mit der Hoesch AG ein. Die Weltwirtschaftskrise halbierte Umsatz und Kapital, was infolge der Aufrüstung nach 1933 kompensiert wurde.

1938 übernahm Mannesmann das jüdische Familienunternehmen und zahlte den nach England emigrierten Eigentümern 10,3 Millionen Reichsmark und 38.000 Pfund Sterlin
Leopold Neumann

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

gestorben: 3.8.1959 in Karlsruhe

Beruf: Teilhaber Fa. L.F.Ettlinger

Klassifikation: Eisengroßhandlung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Like most of the Karlruhe Jews, Leopold Neumann was deported to Gurs (Southern France). He  survived the Holocaust and returned to Karlsruhe, but did not join the Rotary club anymore.   

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mit den meistern Karlsruher Juden nach Gurs (Südfrankreich) deportiert, überlebte den Holocaust kehrte nach Karlsruhe zurück, trat aber nicht in den Club mehr ein.

Quelle: Hellmut Wagner, 2019, .S.4

Direktor Leo Niebyl

Club-Mitgliedschaft(en): Baden-Baden 1934, 1935

Austritt: April 1936

geboren: 12.4.1874 Myslowitz (Oberschlesien) – gestorben: 1952

Beruf: Vertrauensmann f. Süddtld. d. dt. Stahlbau-Verbandes

Klassifikation: Brückenbau

rotarische Ämter: 2. Sekretär 1935/36

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
Leo Niebyl served on the Rotary Board of Directors as assistant secretary and club secretary until 1936. His resignation in a letter dated April 11, 1936 is accompanied by a detailed medical history as a reason for his resignation. President Clemm promoted his resignation, but invited him as a "welcome permanent guest".

Apparently not harassed any further, .he played an enriching role as club rapporteur, lecturer and with many ethically oriented contributions to the discussion. He left his club April 1936, never again to be invited!

Niebyl, although marked as a Jew in all identity papers, was not transported to Dachau with the other Jews in connection with the pogrom night of 1938. During the  war , he lived in Baden-Baden and died there  in 1952.

When the Baden-Baden Rotary Club was rechartered, he was neither contacted nor invited to join.

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Er war im Rotary-Vorstand bis 1936 als stellvertretender Sekretär und als Club-Berichterstatter tätig. Er hat mehrere Vorträge gehalten und war eifrig am Clubleben beteiligt. Sein Ausscheiden mit Schreiben vom 11.April 1936 ist mit einer eingehenden Krankheitsgeschichte als Begründung verbunden.- Dennoch hat Präsident Clemm auf sein Ausscheiden hingewirkt, ihn aber als „gerngesehen Dauergast“ dazu eingeladen.

Niebyl, obwohl in allen Ausweispapieren als Jude auffällig gekennzeichnet, wurde nicht mit den anderen Juden in Verbindung mit der Pogrom- Nacht 1938 nach Dachau transportiert, und offenbar auch nicht weiter behelligt. (Er war 1919 aus der katholischen Kirche ausgetreten.) 
Im Clubleben spielte er als Clubberichterstatter, Vortragswart und mit vielen ethisch ausgerichteten Diskussionsbeiträgen eine bereichernde Rolle. Er hat den Club fast gleichzeitig mit Rot. Besag im April 1936. Niemals wurde er wieder eingeladen! Er hat den ganzen Krieg über in Baden-Baden gelebt und ist erst 1952 hier gestorben... Es findet sich (auch heute in den wieder gefundenen Akten) kein Hinweis darauf, dass man ihn 1949 bei der Neugründung als Mitglied wieder eingeladen oder mit ihm überhaupt Kontakt aufgenommen hätte. (v.Wedemeyer, Das Rote Buch, S. 14)
Max Niedermeier

Club-Mitgliedschaft(en): Berlin 1929, 1930, 1931, 1932

Austritt: 30.04.1933

Beruf: Dir. d. Johannes Haag Maschinen u. Röhrenfabrik AG, Fabr. f. Zentralheizungs- u. LüftungsanlagenAG (Heizung/Lüftung)

Klassifikation: Zentralheizung

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish

weitere Recherhen nötig (vgl. Oberndorfer: Jüdische_Mitglieder_Berlin.pdf)
Willibald Omankowski (seit 1939: Omansen)

Club-Mitgliedschaft(en): Danzig 1932

Austritt: 1934/35 nicht mehr im Mitgl.verz.

geboren: 24. 3. 1886 Danzig – gestorben: 5. 7. 1976 Berlin

Beruf: Volksschullehrer, Lehrer für Musikästhetik am Danziger Konservatorium, Mitarbeiter im Feuilleton Danziger Zeitungen, Schriftsteller/Dichter; ab April 1948 Leiter des Kulturressorts der in Essen ersch

Klassifikation: Literatur

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Agnes Koblenzer, Nachtschleier über Danzig. Der vergessene Dichter Willibald Omankowski/Omansen [Internet]
Hans Peter Oppenheimer

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

Beruf: Teilhaber der Firma L. Oppenheimer & Cie. u. H. Oppenheimer & Oerson

Klassifikation: Hopfengroßhandel

rotarische Ämter: keine

Biographisches: jewish
Hans Peter Oppenheimer (13.01.1902 in Mannheim, †??)
war Teilhaber der Firma L. Oppenheimer in Mannheim bzw. Hans Oppenheimer & Gerson, die eine florierende Hopfenhandlung betrieb. Oppenheimer leitete das Geschäft zusammen mit seinem Vater Siegfried und seinem Onkel Franz Karl. Nach der Machtergreifung emigrierte er am 16.09.1935 über Straßburg, Brüssel, Antwerpen, ehe er 1939 in die USA auswanderte. Zunächst hatte er seine Firma von Brüssel aus weitergeführt, ehe er sie in Amerika „zu größer Blüte“ führte, wie er 1987 an das Stadtarchiv Mannheim schrieb.

Oppenheimer war 1930 Gründungsmitglied, wurde aber bei der Neugründung 1933 als Jude ausgeschlossen. Aus den Protokollen ist ersichtlich, dass Oppenheimer als Geschäftsmann viel im Ausland unterwegs war, z.B. im Juni 1931 in Panama, und so berichtete er im Club über seine Besuche der auswärtigen Rotary Clubs, z.B. im Okt. 1930 über die englischen Clubs oder im Juli 1931 von seiner Nord- und Südamerikareise. 




Dr. Georg Pauly (früher Plaut)

Club-Mitgliedschaft(en): Saarbrücken 1931, 1932

geboren: 4.6.1883 – gestorben: 16.6.1950

Beruf: Intendant, Stadttheater Saarbrücken

Klassifikation: Theater

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Georg Pauly studied physics, philosophy, literature and theatre at the Technical University of Darmstadt and later at the University of Berlin. He received his PhD in 1905. In 1908 his theater career began. From 1910 to 1911 he conducted the New Berlin Operetta Ensemble. Actor in Leipzig, Bad Freienwalde and Berlin. From 1917 to 1922 he was director and dramaturge at the opera stage of the Stadttheater Breslau. From 1923 to 1928 as head director and dramaturge in Berlin. He also taught at the Staatliche Akademische Hochschule für Musik. Afterwards he went to the Staatstheater Kassel as a deputy of Ernst Legal for one year and took over the direction of the Stadttheater Saarbrücken from 1929 to 1933.

In 1935 Pauly emigrated to Buenos Aires because of his Jewish religion. There he was a theatre director. From 1945 to 1950 he was senior director at the National Theatre and lecturer for theatre studies.

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Georg Plaut wuchs als eines von vierzehn Geschwistern als Sohn einer jüdischen Familie in Hessen auf. Sein Vater war Rabbiner. Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt und später an der Universität Berlin Physik, Philosophie, Literatur und Theaterwissenschaft. 1905 Promotion. 1908 Karriere am Theater. Leitete 1910 bis 1911 Neue Berliner Operettenensemble. Schauspieler in Leipzig, Bad Freienwalde und Berlin. 1917 bis 1922 als Spielleiter und Dramaturg an der Opernbühne des Stadttheater Breslaus. 1923 bis 1928 als Oberspielleiter und Dramaturg in Berlin. Zusätzlich lehrte er an der Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik. Danach ging er für ein Jahr als Stellvertreter von Ernst Legal an das Staatstheater Kassel und übernahm von 1929 bis 1933 die Leitung des Stadttheaters Saarbrücken.

Verlor seine Anstellung wegen seiner jüdischen Religion 1935 emigrierte Pauly nach Buenos Aires. Dort Theaterregisseur.

1945 bis 1950 war er Oberspielleiter am Nationaltheater und Dozent für Theaterwissenschaft. (Wikipedia)
Hans Petschek

Club-Mitgliedschaft(en): Baden bei Wien 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

Beruf: Verwaltungsrat der J. Petschek AG Wien

Klassifikation: Kohle

rotarische Ämter: Sekretär 1930 - 1937

Biographisches: Jewish
Hans Petschek, member of the board of J. Petschek AG in Vienna, was he soul of RC Baden bei Wien. He was expropriated and fled via Great Britain to the United States.

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Die Seele des RC Baden bei Wien, Hans Petschek, Verwaltungsrat der J. Petschek AG in Wien, wurde enteignet und flüchtete über Großbritannien in die USA. (Rathkolb, 2018)
Prof. Dr. phil. Ernst Polaczek

Club-Mitgliedschaft(en): Görlitz 1932 1933

Eintritt: 1932-09-29

Austritt: Mai 1933

geboren: 187-7-6, Reichenberg – gestorben: 1939-01-26, Freiberg i.Br.

Beruf: Museumsdirektor

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Ernst Polaczek was born on 6 July 1870 as the son of a Jewish family of factory owners in Reichenberg, Bohemia (today Liberec/Czech Republic). From 1889 to 1893 he studied art history in Prague, Munich, Vienna and Strasbourg. He received his doctorate in Strasbourg in 1894 and habilitated there in 1899. After employment with the Provincial Conservator of the Prussian Rhine Province and from 1900 with Georg Dehio, he became director of the municipal Museum of Decorative Arts in 1907 and of the Museum of Fine Arts in 1913. In 1913 he was appointed professor at the University of Strasbourg. After the end of the 1st World War he was expelled from the now French Strasbourg. In April of 1919.

In 1928 he was appointed director of the Oberlausitzer Gedenkhalle with Kaiser-Friedrich-Museum in Görlitz. His meritorious work in Görlitz coincides with the time of a museum reorientation. In June 1932 Ernst Polaczek became a member of the Görlitz Rotary Club and enriched the meetings with numerous lectures and guided tours.

As a citizen of the Jewish faith, the Nazis forced him into early retirement in 1933. At the same time, Polaczek left the Rotary Club. The circumstances as to whether he was forced out of the circle or retired freely remain in the dark. Ernst Polaczek moved to Freiburg im Breisgau and died there on 26 January 1939, possibly as a result of the pogrom night. His wife Friederike was deported in 1940 and died in 1942 in the Auschwitz extermination camp.

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Ernst Polaczek wurde am 6. Juli 1870 als Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie im böhmischen Reichenberg (heute Liberec/Tschechien) geboren. Er studierte 1889 bis 1893 Kunstgeschichte in Prag, München, Wien und Straßburg. Er promovierte 1894 in Straßburg und habilitierte sich dort im Jahr 1899. Nach Anstellungen beim Provinzialkonservator der preußischen Rheinprovinz und ab 1900 bei Georg Dehio übernahm er 1907 die Direktion des städtischen Kunstgewerbemuseums und 1913 des Museums der Schönen Künste. 1913 erhielt er den Ruf als Professor an die Universität Straßburg. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde er aus dem nun französische Straßburg ausgewiesen. Im April des Jahres

1928 wurde er als Direktor der Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser-Friedrich-Museum in Görlitz berufen. Sein verdienstvolles Wirken in Görlitz fällt in die Zeit einer musealen Neuorientierung. Im Juni 1932 wird Ernst Polaczek Mitglied des Görlitzer Rotary Clubs und bereichert die Zusammenkünfte durch zahlreiche Vorträge und Führungen.

Als Bürger jüdischen Glaubens zwangen ihn die Nationalsozialisten 1933 in den vorzeitigen Ruhestand. Zur gleichen Zeit verlässt Polaczek den Rotary Club. Die näheren Umstände, ob er aus dem Kreis gedrängt wurde oder er sich in freier Entscheidung zurückgezogen hat, bleibt im Dunkeln. Ernst Polaczek zog nach Freiburg im Breisgau und starb dort am 26. Januar 1939, möglicherweise in Folge der Pogromnacht. Seine Frau Friederike wurde 1940 deportiert und starb 1942 im Vernichtungslager Auschwitz.
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 1. Jahrgang, Berlin-Leipzig 1925 (bis 5. Ausgabe 1935)
  • Chatelet-Lange, L.: Ernst Polaczek et Alsace. In: CAHIERS ALSACIENS ´HISTORE, Strasbourg 1990, Tome XXXIII, S. 237-240
  • Wlaschek, R. W.: Biographia Judaica Bohemiae. Dortmund 1995, S. 163
Prof. Dr. Emil Probst

Club-Mitgliedschaft(en): Karlsruhe 1931 1932

geboren: 1.1.1877 – gestorben: 27.1.1950

Beruf: Technische Hochschule

Klassifikation: Betonbau

rotarische Ämter: Vizepräsident 1931-1933

Biographisches: Jewish
Emil Probst studied medicine at the University of Vienna and from 1896 civil engineering at  Vienna Technical University and in 1903 reinforced concrete construction in Paris. In 1904 he worked as an engineer in the United States and from 1906 on as civil engineer in Berlin. In 1916 he became full professor for reinforced concrete construction at the Karlsruhe Technical Univeristy.

In 1933 he was expelled by the National Socialists and went into exile in Great Britain in 1939. 1943 to 1945 lecturer at the University of Bristol and then self-employed engineer.

In 1947 he was formally reinstated to his professorship in Karlsruhe and retired at the same time. (from Wkipedia)

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Studierte zunächst Medizin an der Universität Wien und ab 1896 Bauingenieurwesen an der TH Wien und nach 1903 Eisenbetonbau in Paris. 1904 Ingenieur in den USA und ab 1906 Bauingenieur in Berlin. 1916 wurde er ordentlicher Professor für Eisenbetonbau an der TH Karlsruhe.

1933 wurde er von den Nationalsozialisten vertrieben und ging 1939 nach Großbritannien ins Exil. 1943 bis 1945 Dozent an der University of Bristol und danach selbständiger Ingenieur. 1947 wurde er formal wieder in seine Professur in Karlsruhe eingesetzt und gleichzeitig emeritiert.

Qelle: Bednarek sowie Hellmut Wagner, Robert Mürb und Wolfgang Sieber: Rotarier unterm Hakenkreuz - Freunde in Not. ?Club-Vortrag am 30. Januar 2018. Vortrag im RC Karlsruhe am 30. Januar 2018
Dr. jur. Georg Quabbe

Club-Mitgliedschaft(en): Breslau 1932 1934 1935 1936 ,

Eintritt: 1931

Austritt: 7. August 1936

gestorben: 1. Juli 1950 in Wiesbaden

Beruf: Rechtsanwalt

Klassifikation: Rechtsanwaltschaft

rotarische Ämter: Sekretär 1934/35

Biographisches: prominenter Anwalt, NS-kritisch, hat Juden bei Ausreisen unterstützt, gehörte zu den 8 nicht-jüdischen Clubmitgliedern, die 1936 aus Solidarität mit den 3 jüdischen Mitgliedern den Club verlassen haben.

Der Rabbiner von Breslau, von der Roten Armee aus dem KZ befreit, identifizierte ihn zufällig und rettete ihn, als Quabbe, denunziert als angebliches NS-Mitglied, von Russen abtransportiert werden sollte.

Qabbe war 1946-49 Generalstaatsanwalt in Hessen (Vorgänger von Fritz Bauer), und verantwortlich für die Euthanasieprozesse Eichberg und Hadamar. 1949 krankheitshalber in den Ruhestand versetzt starb er enttäuscht und verarmt 1950.


Quellen: K. Steimann, "Leben lassen. Auf den Spuren eines unbequemen Anwalts, Leipzig 1999, siehe auch Wikipedia
Prof. Dr. phil. Heinrich Frhr. v. Traubenberg Rausch

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933 1934 1935 1936, 1937

Eintritt: 1932-05-06

Austritt: 1933-10-15

geboren: 17.3.188 Jörden / Estland – gestorben: 15.09.1944 Hirschberg am See Böhmen

Beruf: Direktor Institut ExperimentalPhysik Uni Kiel

Klassifikation: Physiker

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Beisitzer 1935/36/37

Dipl.-Ing. Georg N. Reinhart

Club-Mitgliedschaft(en): München 1929, 1930, 1931, 1932 Berlin 1935, 1936

Austritt: 2. Juni 1933 (?)

Beruf: Direktor Siemens-Schuckert-Werke GmbH

Klassifikation: Elektrische Industrie

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
According to the party-political survey form, Georg Reinhart joined the NSDAP on May 1st, 1933, but cancelled it because he was not a German citizen at that time. He contributed to the NSDAP from 1933. on and was admitted as party member on May 1st, 1938.

After the post-war denazification procedures, unencumbered Rot. Dr. Schmittmann testified that  Reinhart had participated in the meetings of the former Rotarians even after the dissolution of the club, which had not been without danger. Since 1943 he was supervised by the Gestapo, because he maintained relations with his brother in Switzerland and with the Jesuits. Judgement of the Spruchkammer: "The person concerned actively participated in a resistance movement, protected a politically, racially, or religiously persecuted person, and sabotaged the National Socialist measures and goals. It is therefore the positive proof which fulfils the purpose of the limited act according to Art. 12." Letter from the Jewish Rotarian Friedrich Kaula that he had protected the interests of the Jewish owners (Jandorf and Wormser) as best he could. (Erdmann, Munich)

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Laut parteipolitischem Erhebungsbogen Mitglied der NSDAP seit 1.5.1933 mit Mitgliedsnummer 1 725 699. Wohl aber storniert, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht deutscher Staatsbürger war. Finanzielle Zuwendungen an NSDAP ab 1933. Gültige Aufnahme in die NSDAP erfolgte erst mit Wirkung vom 1.5.1938. Mitglied der DAF ab 1934.

Der völlig unbelastete Rot. Dr. Schmittmann bezeugt, dass er auch nach Auflösung des Clubs an den Treffen der ehemaligen Rotarier teilgenommen habe, was nicht ungefährlich gewesen sei. Seit 1943 von der Gestapo überwacht, weil er Beziehungen zu seinem Bruder in der Schweiz und zu den Jesuiten unterhielt. Urteil der Spruchkammer: „Der Betroffene hat aktiv an einer Widerstandsbewegung teilgenommen, einen politisch, rassisch oder religiös Verfolgten geschützt und die nationalsozialistischen Maßnahmen und Ziele sabotiert. Es ist daher der positive Beweis erbracht, der im Sinne des Befr. Ges. gem. Art 12 erfüllt.“ Schreiben von dem juedischen Rotarier Friedrich Kaula, er habe die Interessen der juedischen Besitzer (Jandorf und Wormser) so gut es ging, geschützt.

Quelle: Erdmann, München
Friedrich Reitlinger

Club-Mitgliedschaft(en): Innsbruck 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

Beruf: Besitzer der Jenbacher Berg- und Hüttenwerke

Klassifikation: Eisenwerke

rotarische Ämter: Präsident 1929-1933

Biographisches: Jewish according to Nazi ideology
The first and long-standing president of the Innsbruck RC, Friedrich Reitlinger, and his daughter, assimilated Jewish fellow citizens, lost their lives in March 1938 under still unsettled circumstances". (Schütt 2017,6)

There were also numerous Rotarians who became victims of National Socialism, such as Friedrich Reitlinger, founding president of the Innsbruck RC and general director of the Jenbacher Berg- und Hüttenwerke, who, together with his daughter Johanna, was de facto forced to commit suicide.

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"Der erste und langjährige Präsident des RC Innsbruck, Friedrich Reitlinger, und seine Tochter, assimilierte jüdische Mitbürger, kamen im März 1938 unter noch ungeklärten Umständen ums Leben.“ (Schütt 2017,6)

Es gab auch zahlreiche Rotarier, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden, wie unter anderen Friedrich Reitlinger, Gründungspräsident des RC Innsbruck und Generaldirektor der Jenbacher Berg- und Hüttenwerke, wurde gemeinsam mit seiner Tochter Johanna de facto zum Selbstmord gezwungen. (Rathkolb,2018, Schütt 2017, S. 6
Dr. Kurt Rheindorf

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932

Austritt: August 1933

geboren: 1897 – gestorben: 1977

Beruf: Privatdozent an der Universität

Klassifikation: Studentenhilfe

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Left-liberal, system-critical  Kurt Rheindorf (1897-1977) was a private lecturer at the University of Frankfurt and worked in administration. As head of the Frankfurt Student Aid, he became chairman of the "Frankfurt No-nordinates Assembly" and thus a sought-after man at the university. He belonged to the circle of friends around Kurt Riezler and, like him, was dismissed  in the spring of 1933.

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linksliberal, systemkritisch, im Frühjahr 1933 entlassen.

Dr. Kurt Rheindorf ( 1897-1977) war Privatdozent an der Universität Frankfurt und in der Verwaltung tätig. Als Leiter der Frankfurter Studentenhilfe wurde er Vorsitzender der Frankfurter Nichtordinatenversammlung und damit an der Uni- versität ein gefragter Mann. Er gehörte dem Freundeskreis um Kurt Riezler an und wurde wie dieser im Frühjahr 1933 entlassen (Hammerstein, Goethe-Universität, 93 und passim).
Prof. Dr. Heinrich Rheinstrom

Club-Mitgliedschaft(en): München 1928, 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Dozent Technische Hochschule

Klassifikation: Steuer-Anwalt

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches: Jewish
 Rheinstrom was a member of the supervisory boards of industrial companies and railway companies in Germany and abroad. From 1923 to 1926 he was a member of the board of the Jewish Community of Munich.

The son of a wealthy Jewish banker family studied law at several German universities after graduating from high school with a humanistic diploma, but did his doctorate on a literary subject. His short participation in the First World War was ended by an illness. He first appeared as a poet, then as a novelist, narrator, novelist and playwright. As an acknowledged writer, he was one of the most influential minds in the literary world in the Weimar Republic. From 1916 he settled for a decade in Feldafing near Munich, married Liesl Massary in 1924 and moved to Munich in 1926, where he lived in the immediate vicinity of his older friend Thomas Mann.

After his office was plundered by SA men in March 1933, he did not return from a trip abroad. On April 14, 1937, he and his family were expatriated from the German Reich.

Until 1939 he ran a law firm in Paris and London together with Frederick Alexander Mann and Alfred Werner. From 1936 to 1939 he taught International Law at the Freie Deutsche Hochschule in Paris. He became a member of the Association of Bar of City of New York. He also became a member of the Academy of Political Science, the International Law Association (London). He again became a Rotarian.

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Rheinstrom war Aufsichtsratsmitglied bei Industrieunternehmen und Eisenbahngesellschaften des In- und Auslandes. Von 1923 bis 1926 gehörte er dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde München an.

Der Sohn einer reichen jüdischen Bankiersfamilie studierte nach dem humanistischen Abitur an mehreren deutschen Universitäten Jura, promovierte jedoch über ein literarisches Thema. Seine kurze Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde durch eine Krankheit beendet. Er trat anfänglich als Lyriker hervor, dann auch als Novellist, Erzähler, Romancier und Dramatiker. Als anerkannter Schriftsteller gehörte er in der Weimarer Republik zu den einflussreichen Köpfen im Literaturbetrieb. Ab 1916 ließ er sich ein Jahrzehnt lang in Feldafing bei München nieder, heiratete 1924 Liesl Massary und zog 1926 nach München, wo er in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem älteren Freund Thomas Mann wohnte.

Nach Plünderung seiner Kanzlei durch SA-Männer im März 1933 kehrte er von einer Auslandsreise nicht zurück. Am 14. April 1937 wurden er und seine Familie vom Deutschen Reich ausgebürgert.

Bis 1939 führte er gemeinsam mit Frederick Alexander Mann und Alfred Werner eine Anwaltsfirma in Paris und London. 1936 bis 1939 lehrte er Internationales Recht an der Freien Deutschen Hochschule in Paris.1939 floh er mit der Familie weiter in die USA, wo er in New York City als Wirtschaftsjurist und Aufsichtsratsmitglied amerikanischer Industrieunternehmen arbeitete. Er wurde Mitglied der „Association of Bar of City of New York“. Außerdem wurde er Mitglied der Academy of Political Science, der International Law Association (London) und der Rotarier.

Quelle: Wikipedia
Alfred Louis Ries

Club-Mitgliedschaft(en): Bremen 1931, 1932, 1933, 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967

Eintritt: 1931-11-27

Austritt: 18.05.1934

geboren: 5.12.1897 in Bremen – gestorben: 25.08.1967 Bremen

Beruf: Kaufmännischer Direktor

Klassifikation: Propaganda

rotarische Ämter: Klubmeister 1931 - 1933

Biographisches: Jewish
Head of marketing at the Roselius family of Kaffee-Hag. At the age of 32, he was the youngest founding member of RC Bremen. As a Jew and "decadent" director of a museum of Worpswede painters outlawed by the Nazis, he emigrated to Yugoslavia in 1933.  In 1935 he was deprived of his German citizenship. In April 1941, German occupation troops arrested him and detained him  in the Gestapo prison in Belgrade. Thanks to a spectacular rescue operation, he escaped deportation and lived underground.

After WW II, he returned to Bremen,  taking over the management of the foreign trade office. He was also instrumental in the reconstruction of the Jewish community. In 1953 he entered the diplomatic service with stays in Yugoslavia, in India and as ambassador in Liberia. As president of the Bremen SV Werder soccer club, he celebrated the German football championship of his club two years before his death in 1967.

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Ries war Sohn jüdischer Eltern Eduard und Rosa geb. Stern, sie wurden 1942 im KZ Theresienstadt ermordet, 2 Brüder emigrierten in die USA, Alfred Ries emigrierte 1934 über die Tschecheslowakei nach Jugoslawien und wurde dort mehrfach sowohl durch die örtlichen Behörden sowie nach dem Einmarsch durch die Gestapo inhaftiert.

Als Sohn jüdischer Eltern in Bremen verschrieb sich Alfred Ries bereits in jungen Jahren dem Fußballsport und seinem Verein SV Werder Bremen. Nach seiner Rückkehr als Kriegsfreiwilliger machte Ries in den 1920er Jahren rasch Karriere als Sportfunktionär und Marketingleiter bei der Familie Roselius von Kaffee-Hag. Er war Präsident des SV Werder und führte zugleich in Personalunion als Museumsdirektor das von der Familie Roselius finanzierte und von Worpsweder Künstlern gestaltete Gesamtkunstwerk Böttcherstraße.

Mit 32 Jahren war er jüngstes Gründungsmitglied des RC Bremen. Als Jude und „dekadenter“ Direktor des von Nazis geächteten Museums emigrierte er Ende 1933 über Marienbad nach Zagreb. 1935 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen geriet Ries als angeblicher deutscher Spitzel in jugoslawische Haft, kam aber nach sechs Monaten wieder frei. Im April 1941 verhafteten ihn deutsche Besatzungstruppen und hielten ihn für dreieinhalb Monate im Gestapo-Gefängnis in Belgrad fest. Dank einer spektakulären Rettungsaktion entkam er der Deportation und lebte bis Kriegsende im Untergrund.

Nach Deutschland zurückgekehrt, widmete er sich auf Bitten von Bürgermeister Wilhelm Kaisen dem Aufbau Bremens durch Übernahme der Leitung der Außenhandelsstelle. Sein damaliges Credo war:  "Wer  Versöhnung will, muß sie praktizieren".

Maßgeblich war er auch am Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde beteiligt. 1953 wechselte er in den diplomatischen Dienst der jungen Bundesrepublik mit Auslandsstationen in Jugoslawien, als Konsul in Indien und als Botschafter in Liberia. Als Präsident des SV Werder Bremen feierte er zwei Jahre vor seinem Tod 1967 die deutsche Fußballmeisterschaft seines Vereins.

Ries war offenbar ein eifriger Rotarier und umtriebiger Clubmeister. Seit seiner Aufnahme am 27.11.1931 bis zu seiner Teilnahme an seinem letzten Vorkriegsmeeting am 12.1.1933 hat er nahezu alle Meetings besucht. Seit dem Meeting am 24.2.1932 wurde Ries über den Zeitraum als beurlaubt bis zum Meeting vom 18.5.1934 geführt.

Danach war Ries sang- und klanglos ausgeschieden. Das könnte darauf hindeuten, daß der RC Bremen sich zumindest bis Mai 1934 weigern konnte, die von der NSDAP (durch Heinrich Himmler angeordnet und von Walter Buch als obersten Parteirichter formuliert) gerichtete Satzungsänderung zur „Arierfrage“ ideologiekonform zu lösen.

1950 gehörte Ries bei der Neugründung des RC Bremen zu den 31 Gründungsmitgliedern. Er blieb dem Club trotz mehrjähriger Auslandsaufenthalte bis zu seinem Ableben 1967 verbunden. Sein RC Bremen ehrte ihn wegen seiner Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft.

Alfred Ries starb nach schwerer Krankheit am 25. August 1967 und liegt unweit des Weserstadions auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt begraben. (Karsten Wicke, siehe auch Wikipedia)
Dr. Kurt Riezler

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930 1931 1932

Austritt: August 1933

geboren: 1882 – gestorben: 1955

Beruf: Kurator der Universität

Klassifikation: Landesregierung

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Left-liberal, system-critical Kurt Riezler  studied philosophy and ancient history in Munich, which he completed with a doctorate in 1905. From 1906 on  in the Foreign Office, he became advisor of Reich Chancellor Bethmann-Hollweg. In 1928, Lord Mayor Landmann appointed him Chairman of the Board of Trustees of the University. He was responsible for prominent new appointments (Adolf Löwe, Karl Mannheim, Max Horkheimer, Paul Tillich, Ernst Kantorowicz, Max Wertheimer). A "Riezler circle" was formed, which also included the Rotarians Fritz Drevermann and Kurt Rheindorf. He was married to Käthe Liebermann, the painter's daughter.

In 1933 he was violently attacked by the lecturers and the later rectors. He signed a letter of resignation in protective custody on April 1, 1933. In 1938 he emigrated to New York, but gave some guest lectures in Frankfurt after the war.

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Liksliberaler, systemkritisch. Kurt Riezler (1882-1955) studierte in München Philosophie und Alte Geschichte, was er 1905 mit Promotion abschloß. Seit 1906 im Auswärtigen Amt, wurde er Berater von Reichskanzler Bethmann-Hollweg. Oberbürgermeister Landmann berief ihn 1928 als Vorsitzender des Kuratoriums der Universität. Prominente Neuberufungen (Adolf Löwe, Karl Mannheim, Max Horkheimer, Paul Tillich, Ernst Kantorowicz, Max Wertheimer) verantwortete er. Es bildete sich ein „Riezler-Kreis“, zu dem auch die Rotarier Fritz Drevermann und Kurt Rheindorf gehörten. Verheiratete war er mit Käthe Liebermann, der Tochter des Malers.

1933 wurde er heftig von der Dozentenschaft und den späteren Rektoren angegriffen. In Schutzhaft unterzeichnete er am 1.4. 1933 seine Rücktrittserklärung. 1938 emigrierte er nach New York, hielt aber nach dem Krieg in Frankfurt einige Gastvorlesungen.

Quellen: FraBio 2, 198f,  WiKi,  Hauck, Albert Hahn, 48, 83f., Hammerstein, Kurt Riezler
Dr. Eduard Rosenbaum

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1931, 1932

Beruf: Direktor der Commerzbibliothek

Klassifikation: Bibliothekar

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
After the end of the First World War, Rosenbaum participated in the Versailles Peace Treaty as an expert for the German delegation. He then wrote "The Treaty of Versailles. Content and effect, presented in a way that is easy to understand." The book, in which Rosenbaum criticized the outcome of the negotiations for its economic consequences, appeared in several editions. Rosenbaum taught at the University of Hamburg from 1921 to 1927. From 1928 to 1933 he was editor of the journal Wirtschaftsdienst, for which he had already written many articles.

During the National Socialist era, Rosenbaum was considered a "non-Aryan" due to his origins. For this reason, he had to resign as head of the library in July 1933. He was retired on April 1, 1934. One year later, Rosenbaum left Germany together with his wife and two children to England, where he was supported in particular by John Maynard Keynes. In 1935, he was given  an initially insecure position as librarian at the London School of Economics in. He worked there until his retirement in 1952. Ralf Dahrendorf later praised Rosenbaum's importance for the university.

Rosenbaum, who was personally acquainted with Albert Ballin, Max Warburg, Walther Rathenau, Ernst Robert Curtius and Martin Buber, cultivated contacts with the Hamburg Chamber of Commerce throughout his life. After the Second World War, he frequently returned to Hamburg to follow the development of his hometown and especially of the Commerzbibliothek.

Throughout his life, Rosenbaum was committed to promoting understanding between Germans and Englishmen. In an obituary, Zeit called him a "sensitive scholar" whose commitment was not to be taken for granted in view of the death of two out of five siblings in concentration camps.

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Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs beteiligte sich Rosenbaum als Sachverständiger der deutschen Delegation am Friedensvertrag von Versailles. Anschließend schrieb er das Buch Der Vertrag von Versailles. Inhalt und Wirkung, gemeinverständlich dargestellt. Das Werk, in dem Rosenbaum das Verhandlungsergebnis aufgrund seiner wirtschaftlichen Konsequenzen kritisierte, erschien in mehrfacher Auflage. Von 1921 bis 1927 unterrichtete Rosenbaum an der Universität Hamburg. Von 1928 bis 1933 übernahm er die Schriftleitung der Zeitschrift Wirtschaftsdienst, für die er schon vorher viele Beiträge verfasst hatte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus galt Rosenbaum aufgrund seiner Herkunft als „Nichtarier“. Aus diesem Grund musste er im Juli 1933 die Leitung der Bibliothek niederlegen. Er wurde mit Wirkung vom 1. April 1934 in den Ruhestand versetzt. Ein Jahr später verließ Rosenbaum Deutschland gemeinsam mit seiner Ehefrau und zwei Kindern gen England, wo ihn insbesondere John Maynard Keynes unterstützte. An der London School of Economics erhielt er 1935 eine anfangs unsichere Stelle als Bibliothekar. Hier arbeitete er bis zum Ruhestand 1952. Ralf Dahrendorf betonte später die Bedeutung Rosenbaums für die Hochschule.

Rosenbaum, der persönlich mit Albert Ballin, Max Warburg, Walther Rathenau, Ernst Robert Curtius und Martin Buber bekannt war, pflegte zeitlebens Kontakte zur Hamburger Handelskammer. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er häufig nach Hamburg zurück, um die Entwicklung seiner Geburtsstadt und insbesondere der Commerzbibliothek zu verfolgen.

Rosenbaum setzte sich zeitlebens für die Verständigung zwischen Deutschen und Engländern ein. Die Zeit nannte ihn in einem Nachruf einen „feinsinnigen Gelehrten“, dessen Engagement nicht selbstverständlich gewesen sei angesichts des Todes zweier von fünf Geschwistern in Konzentrationslagern.

Quelle: Wikipedia
Prof. Dr. rer. nat. Hans Oswald Rosenberg

Club-Mitgliedschaft(en): Kiel 1932 1933

Eintritt: 1932-05-06

Austritt: März 1934

geboren: 18.3.1879 Berlin – gestorben: 26.07.1940 Istanbul

Beruf: Dir. Sternwarte Uni Kiel

Klassifikation: Astronomie

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Jew,  fought in World War I, emigratied to the US, then to Turkey. His four children were also persecuted, but could emigrate
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Rosenberg wurde am 18. März 1879 in Berlin als Sohn des sehr vermögenden Bankdirektors und Generalkonsuls Hermann Rosenberg und seiner Frau Else geboren. Nach gutem Abitur studierte er Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten Astronomie und Physik an den Unis München, Berlin und Straßburg und schlug nach dem Examen die wissenschaftlich Laufbahn ein.1904 verehelichte er sich mit seiner mit jüdischen Wurzeln aus Moskau stammenden Frau Verena Borchardt mit der er glücklich verheiratet 5 lebendige, kluge Kinder hatte.

Mit Hans Rosenberg habilitiert sich 1910 in Tübingen erstmals ein Physiker im Fach Astronomie. 1912 wird er neben seiner Lehrtätigkeit Leiter der veralteten Sternwarte auf dem Tübinger Schloss. Zusätzlich richtet er in seinem Haus eine moderne Privatsternwarte ein und entwickelt neue Methoden zur Messung von Sternhelligkeiten. 1926 kommt er als a. o. Professor nach Kiel, wo auf seine Initiative der Ausbau der Sternwarte unter selbstloser Einbeziehung seiner persönlichen Geräte für den Lehrbetrieb vorangetrieben wird. Während des ersten Weltkrieges leistet Rosenberg Frontdienst als Artillerieleutnant und wird mit EK 2 und 1 dekoriert. Rosenbergs besondere Fähigkeiten beschränkten sich nicht nur auf rein wissenschaftlichen Sektor, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet war er sehr erfolgreich.

1931 wird er als Gründungsmitglied des RC Kiel nominiert. In einer bereits von politischen Zweifeln geprägter Zeit tritt er dem Club mit dessen Zielen er sich voll identifiziert mit Gleichgesinnten bei. Am 1. April 1933 wird der Astronom nach einem tätlichen Übergriff von SA-Männern zunächst beurlaubt. Obwohl der dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ als Jude gilt, kann er jedoch vorerst weiter lehren, da er im ersten Weltkrieg gekämpft hat. Seine dem Sozialismus nahestehenden 5 Kinder wurden von Schlägertrupps der SA ständig bedroht und Tochter Eva und Sohn Thomas zeitweise inhaftiert. Rosenberg begriff von nun an , was die Stunde für ihn und die Familie geschlagen hatte.

Im März 1934 erhält er die Genehmigung zu einer Auslandsreise, um eine Gastvorlesungsreihe in Chicago zu halten. Die Offiziellen ließen verlauten, „er habe eine durchaus nationale Haltung zur Schau getragen“. Rosenberg ahnt die politische Entwicklung voraus, er kehrt von dieser Reise nicht nach Deutschland zurück, sondern bleibt zunächst in den USA. Aufgrund des „Reichsbürgergesetzes“ 1935 verliert Rosenberg die deutsche Staatsbürgerschaft und seinen Lehrstuhl. Seine Gastprofessur wird bis 1938 verlängert. Noch im gleichen Jahr erhält Rosenberg einen Ruf als Ordinarius an die neu gegründete Uni Istanbul. Dennoch findet das Leben der weltoffenen, als Mensch und als Wissenschaftler so angesehenen Persönlichkeit ein trauriges und jähes Ende. Der Astronom Rosenberg erleidet aufgrund des ungewohnten und heißen Ambientes im 61igsten Lebensjahr einen tödlichen Hitzschlag. Sein Tod wurde in den deutschsprachigen wissenschaftlichen Periodika mit keiner Silbe erwähnt. Auch einen rotarischen Nachruf gab es bisher nicht.

Quelle:  Karsten Wick
Kommerzialrat Moritz Rothberger

Club-Mitgliedschaft(en): Wien 1929, 1930, 1931, 1932, 1933, 1934, 1935, 1936

gestorben: 1944 Wien

Beruf: Inhaber der Firma Jacob Rothberger

Klassifikation: Bekleidungsindustrie

rotarische Ämter: Gründungsmitglied, Sekretär 1929, 1930

Biographisches: Jewish
Moritz Rothberger, a central founding member of the RC Vienna, was expropriated after 1938, his art collection sold to the German Reich. Viennese museums such as the Natural History Museum were also enriched. He died in September 1944 in Vienna

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Moritz Rothberger, ein zentrales Gründungsmitglied des RC Wien, wurde nach 1938 enteignet, seine Kunstsammlung zugunsten des Deutschen Reiches verkauft, wobei sich auch Wiener Museen wie das Naturhistorische Museum bereicherten. Er verstarb im September 1944 in Wien.

Quelle: Rathkolb, 2018
Otto Rücker-Embden

Club-Mitgliedschaft(en): Hamburg 1929, 1930, 1931, 1932

Beruf: Inhaber der Fa. Georg 0. Rücker- Embden

Klassifikation: Kaffee-Import

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
Otto Rücker-Embden lived abroad since 1933, Switzerland, was classified as "unreliable Jew" due to "capital shift", probably lived in Montagnola/Ticino until 1963

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lebte seit 1933 im Ausland, Schweiz, wurde wegen „Kapitalverschiebung“ als „unzuverlässiger Jude“ eingestuft, lebte wohl bis 1963 in Montagnola/Tessin. (Voltz)
Louis Saar

Club-Mitgliedschaft(en): Saarbrücken 1933 1934

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish (LADI). Nicht im Mitgliederverzeichnis


Dr. Friedrich Salzburg

Club-Mitgliedschaft(en): Dresden 1931, 1932, 1933, 1934, 1935

Eintritt: 1931

Austritt: 1935-10-16

geboren: 4.6.1874, Dresden – gestorben: 22.08.1953, Berkeley, Kalifornien USA

Beruf: Rechtsanwalt und Notar

Klassifikation: Anwalt am Landgericht

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
of Jewish origin, front-line soldier in World War I, emigrated to the USA in 1937

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Friedrich Salzburg studierte bis 1896 Jura in Gent, Berlin, Freiburg, Würzburg und Leipzig. 1899 promovierte er. Eine Anstellung als Richter blieb ihm wegen der jüdischen Religionsangehörigkeit verwehrt, so dass er sich als Rechtsanwalt in Dresden niederließ. 1914 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Dort wurde er zum Offizier befördert und erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a. das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Nach dem Krieg war er rege im Dresdner öffentlichen Leben tätig. 1923 wurde er zum Notar ernannt. Er war in den Aufsichtsräten der Dresdner Handelsbank und der Central-Viehmarkt-Bank.

All seine Funktionen wurden ihm nach 1933 entzogen. 1935 wurde ihm der Notar entzogen.

Ende 1937 ging das Ehepaar Salzburg mit der jüngsten Tochter auf eine Reise durch viele Länder, die schließlich 1939 mit der Niederlassung der Familie im Sommer 1939 in Berkeley (Kalifornien) endete. 

Quelle: Salzburg, Friedrich: Mein Leben in Dresden vor und nach dem 30. Januar 1933. Dresden 2001.      
Prof. Dr. Josef Sauer

Club-Mitgliedschaft(en): Freiburg i. B. 1932 1933 1934 1935 1936 ,

Eintritt: 1933-03-18

geboren: 7.1.1872 Unzhorst/Baden – gestorben: 13.4. 1949 Freiburg

Beruf: Konservator der kirchlichen Denkmäler der Kunst und des Altertums

Klassifikation: Allgemeine Verwaltung, Unterrichtswesen u. kulturelle Verwaltung

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Nazi opponent. Rector of Heidelberg University, predecessor of Heidegger

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NS-Gegner, Universitätsrektor vor Heidegger

Quellen: Kehrig, S. 24 f. , 214-227. Lit. auch biogr. und teilweise zu Rotary: Claus Arnold, Katholizismus als Kulturmacht. der Freiburger Theologe Joseph Sauer (1872-1949) und das Erbe von Franz Xaver Kraus, , Paderborn 1999
Prof. Dr. phil. Alois Schardt

Club-Mitgliedschaft(en): Halle (Saale) 1932 1933 1934 1935

Eintritt: 1932-06-16

Austritt: 1935-06-30

geboren: 1889 – gestorben: 1955

Beruf: 1930 Honorarprofessor für Museumskunde und Kunstgeschichte an der Universität Halle

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
 Auch Alois Schardt, der bekannte deutsche Kunsthistoriker und Museumsdirektor, der in Halle eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst aufbaute, wurde 1931 Mitglied des halleschen Clubs. 1933 wurde er jedoch als Direktor entlassen, verhaftet und seine Lehrbefugnis an der halleschen Universität entzogen. Schardt emigrierte 1939 in die USA und leitete ab 1946 als Direktor das Art Department der Olive Hill Foundation. Er starb 1955 in Los Alamos/New Mexic

Quelle: Speler, 2015, S. 28
Dr. med. h.c. Karl Scharnagl

Club-Mitgliedschaft(en): München 1929, 1930, 1931, 1932, 1934, 1935, 1936

Beruf: Oberbürgermeister bis 1933, Ing. Fa. Karl Scharnagl

Klassifikation: Gemeindeverwaltung, Großbäckerei (ab 1934)

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
He was a member of the ruling Bavarian People's Party, which was conservative and Catholic. Scharnagl, however, did not belong to the doctrinaire conservatives. He was appreciated as a pragmatist and strove to promote international cultural interest in Munich.

In March 1933 he was forced out of his office, arrested because of contacts to the Resistance Circle of July 20, and reinstated after 1945.

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Er war Mitglied der regierenden Bayrischen Volkspartei, die eng konservativ und katholisch ausgerichtet war. Scharnagl gehörte allerdings nicht zu den doktrinär Konservativen. Er wurde als Pragmatiker geschätzt und bemühte sich, internationales kulturelles Interesse an München zu fördern.

Er wurde im März 1933 aus seinem Amt gedrängt, wegen Kontakten zum Widerstandskreis des 20. Juli verhaftet, nach 1945 wieder in sein Amt eingesetzt. (Erdmann, München)
Dr. Heinrich Scharp

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1931, 1932

Austritt: April 1934

geboren: 1899 – gestorben: 1977

Beruf: Chefredakteur der Rhein-Mainischen Volkszeitung

Klassifikation: Presse

rotarische Ämter: keine

Biographisches:
Catholic background, system-critical Heinrich Scharp was the son of an engineer at Farbwerke Hoechst. After graduating from high school and military service, he studied philosophy and history in Frankfurt. He became full-time secretary of the Center  Party in Frankfurt and editor-in-chief of its Rhein-Mainische Volkszeitung. From 1929 to 1933 he was city councillor for the Centre.

In July 1933 he spent several days in Gestapo custody, shortly followed by the state takeover of the Volkszeitung. Scharp then worked as a journalist in Rome, from 1936 as a correspondent for the Frankfurter Zeitung in Prague and from 1940 in Berlin.

From 1945 to 1950 he was imprisoned in the Soviet camp Buchenwald. In 1950 he was sentenced to 18 years in prison in East Germany. but in 1952 released through the mediation of former Reich Chancellor Joseph Wirth. In the remaining years of his life, Scharp was active as a writer and historian. Among other things, he wrote several works on Frankfurt and Limburg church history.

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Katholischer Hintergrund, systemkritisch. Dr. Heinrich Scharp (1899-1977) war Sohn eines Ingenieurs der Farbwerke Hoechst. Nach Abitur und Kriegsdienst studierte er in Frankfurt Philosophie und Geschichte. Er wurde hauptamtlicher Sekretär der Zentrumspartei in Frankfurt und Chefredakteur von deren Rhein-Mainischen Volkszeitung. Für das Zentrum war er 1929 bis 1933 Stadtverordneter.

Im Juli 1933 befand er sich mehrere Tage in Gestapo-Haft, kurz darauf folgte die staatliche Übernahme der Volkszeitung. Scharp arbeitete darauf als Journalist in Rom, ab 1936 als Korrespondent für die Frankfurter Zeitung in Prag und ab 1940 in Berlin.

Von 1945 bis 1950 saß er im sowjetischen Lager Buchenwald ein. 1950 wurde er in der DDR zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, 1952 jedoch auf Vermittlung des ehemaligen Reichskanzlers Joseph Wirth freigelassen. In seinen verbleibenden Lebensjahren war Scharp als Schriftsteller und Historiker aktiv. Unter anderem schrieb er mehrere Arbeiten zur Frankfurter und Limburger Kirchengeschichte.

 Literatur: Frankfurter Biografie 2, S. 262 f.
Prof. Dr. Josef Schatz

Club-Mitgliedschaft(en): Mannheim 1930, 1931, 1932

geboren: 28.06.1888 in Mannheim – gestorben: 29.05.1941 in Achern

Beruf: Professor am Karl-Friedrich-Gymna­sium

Klassifikation: Erziehungswesen, Höhere Schulen

rotarische Ämter: Gründungsmitglied

Biographisches:

Dr. Josef Schatz (*28.06.1888 in Mannheim, † 29.05.1941 in Achern)
Als einziges Kind eines Arbeiterehepaars hatte der hochbegabte Josef Schatz 1908 sein Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium abgelegt, um in Heidelberg Klassische Philologie, Archäologie und Germanistik zu studieren. Als Lehramtsreferendar kehrte er dann an sein altes Gymnasium 1913 zurück.

Im 1. Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger zunächst beim Badischen Infanterieregiment. Als Frontoffizier dekoriert kehrte er, nach einer kurzen Zwischenstation am Gymnasium Lahr und Promotion, bereits 1919 wieder an seine alte Schule nach Mannheim zurück, wo er als gestrenger, aber fähiger Lehrer einen hohen Ruf, auch bei der Referendarausbildung erwarb. Er galt als aristokratisch-konservative Persönlichkeit. Im RC Mannheim trat das Gründungsmitglied öfters als Vortragender auf, war aber nach der Auflösung 1933 nicht mehr dabei.

1934 wurde ihm seine ehemalige Mitgliedschaft im Rotary Club vorgeworfen und 1937 scheiterte seine Ernennung zum Direktor des Konstanzer Gymnasiums, weil er als politisch „unzuverlässig“  eingeordnet wurde: „Positive und unverrückbare Einstellung zur NSDAP und zum NS-Staat ist nicht gegeben.“ Schatz erkrankte dauerhaft 1938 und starb mit nur 53 Jahren schon 1941.

Zusammenstellung von Ulrich Nieß und Karen Strobe
Walter Schatzki

Club-Mitgliedschaft(en): Frankfurt a. M. 1930, 1931, 1932, 1934, 1935 1936 ,

Austritt: 28. 11. 1935

geboren: 1899 – gestorben: 1983 New York.

Beruf: Buchhändler und Antiquar

Klassifikation: Buchhandel-Sortiment

rotarische Ämter: keine

Biographisches: Jewish
After a commercial apprenticeship and military service in the First World War, Schatzki began to sell children's and youth literature as a travelling salesman. With the help of an aunt's inheritance he opened his own bookshop in Frankfurt am Main in 1920, the Jugendbücherstube at Theaterplatz 12. At the same time he began to build up a comprehensive collection of old children's books, from which he sold 692 titles to the New York Public Library in 1931. He was one of the first to recognize the antiquarian value of children's books and to trade in them. Thus the edition of Heinrich Hoffmann's Struwwelpeter (IB 66/2) in the Insel-Bücherei in 1933 was based on his collector's copy.

Increasingly exposed to National Socialist persecution of the Jews, he emigrated via London to the USA in 1937 after the early death of his first wife Hilde in 1936. In December Schatzki opened a new shop in New York, initially in common rooms with Hellmuth Wallach. In 1941 he published his first catalogue Old and rare children's books, which many used as a bibliographic reference work and which was reprinted in 1974. Children's and youth books remained his speciality; Schatzki also traded in drawings and music, especially autographs. Schatzki was one of the founders in 1949 and president of the American Antiquarian Booksellers Association from 1962 to 1964.

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Nach einer kaufmännischen Lehre und Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg begann Schatzki als reisender Verkäufer Kinder- und Jugendliteratur zu verkaufen. Mit Hilfe der Erbschaft einer Tante eröffnete er 1920 in Frankfurt am Main eine eigene Buchhandlung, die Jugendbücherstube am Theaterplatz 12. Zugleich begann er mit dem Aufbau einer umfassenden Sammlung alter Kinderbücher, aus der er 692 Titel 1931 an die New York Public Library verkaufte. Er war einer der ersten, die den antiquarischen Wert von Kinderbüchern erkannten und damit handelten. So beruhte auf seinem Sammlerexemplar die Ausgabe von Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter (IB 66/2) 1933 in der Insel-Bücherei.

Zunehmend der nationalsozialistischen Judenverfolgung ausgesetzt, emigrierte er nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Hilde 1936 im Jahr 1937 über London in die USA. Im Dezember eröffnete Schatzki ein neues Geschäft in New York, zunächst in gemeinsamen Räumen mit Hellmuth Wallach. 1941 veröffentlichte er seinen ersten Katalog Old and rare children's books, den viele als bibliographisches Nachschlagewerk nutzten und der 1974 nachgedruckt wurde. Kinder- und Jugendbücher blieben seine Spezialität; daneben handelte Schatzki auch mit Zeichnungen und Musikalien, insbesondere Autographen. Schatzki war 1949 einer der Gründer und von 1962 bis 1964 Präsident der American Antiquarian Booksellers Association .

Quelle: Wikipedia
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